Oberursel, 25.08.2026
Visitation zwischen Windrose und Babbelbank
Im Kulturcafé Windrose in Oberursel herrschte am Donnerstagmorgen, 20. August 2026, viel Trubel und lautes Stimmengewirr. Junge Mütter strömten aus dem Sprachkurs und sammelten ihre Kinder ein, an den Tischen wurde mit Besteck geklappert und ehrenamtliche Küchenfrauen schnippelten Obst und Gemüse für den Mittagstisch. „ÜBRIGens lecker“ heißt die Aktion, zu der die Pfarrei St. Ursula und die Lokale Oberurseler Klimainitiative (LOK) einmal im Monat einladen. Pfarrei und Initiative retten Lebensmittel und kochen daraus ein abwechslungsreiches, vegetarisches Mittagessen. Gezahlt wird, was jeder und jedem möglich ist.
Unter die Gäste mischten sich diesmal der Limburger Bischof Georg Bätzing, die Bischöfliche Bevollmächtigte Hildegard Wustmans sowie die Leitung der Katholischen Region Taunus, Barbara Lecht und Diakon Johann Maria Weckler. Bei der Visitation 2026 im Taunus besuchte der Bischof unter anderem an zwei Tagen die Pfarrei St. Ursula Oberursel und Steinbach, um sich mit den Menschen vor Ort auszutauschen und sich ein Bild von den Aktivitäten und Projekten in der Gemeinde zu machen - wie dem Kulturcafé Windrose.
Offene Atmosphäre, in der alle willkommen sind
In Küchenschürze begrüßte Pastoralreferentin Susanne Degen den Bischof und stellte ihm gleich das zehnköpfige Küchenteam sowie Sabine Behrent vom Leitungsteam vor. Schnell kamen der Bischof und die Regionalleitung mit den Beteiligten und Gästen beim Essen ins Gespräch und erlebten die offene Atmosphäre des Kulturcafés, in dem alle willkommen sind.
Nachmittags wurde Station in Steinbach gemacht, wo das Projekt „Soziale Stadt“ in den Blick genommen wurde. Pastoralreferent Christof Reusch und das Bündnis aus Stadt, Caritas, Kirche und KFB informierten über konkrete Angebote und die Herausforderungen der Stadtteilarbeit, die auf eine gute Vernetzung und bürgerschaftliches Engagement setzt. Interessengemeinschaften und Arbeitsgemeinschaften aber auch Feste und Feiern stärken den Zusammenhalt im Viertel.
Gespräche auf der Babbelbank
Das Nachbarschaftsprojekt Babbelbank besuchte Bätzing am Samstagvormittag, 22. August, in der Stadtbibliothek. Vier Anwohnerinnen und Anwohner des Marktplatzes hatten die Initiative gegründet, die Teil der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 ist. Design verstehen die Beteiligten dabei nicht als schickes Objekt, sondern als Haltung. Eine Babbelbank – das ist ein in den Oberurseler Werkstätten gefertigter Sitzhocker – sei ein schöner Ort für Demokratie und Vernetzung, sagte Initiatorin Edi Lintelow. Schnell in den Austausch kamen die Bibliotheksbesucherinnen und -besucher mit dem Bischof – gebabbelt wurde im Fishbowl-Format. Der Bischof stellte sich Fragen zum Synodalen Weg, zum Umgang der Kirche mit Social Media, zum Thema Einsamkeit und zur Bedeutung des Zuhörens.
Im Anschluss wurden die Babbelbänke nach draußen auf den Marktplatz getragen und in eine Reihe zu einer langen Bank zusammengestellt. „Gemeinschaft braucht gute Orte“, hatte der Bischof bereits zuvor im Gespräch in der Bibliothek gesagt und freute sich sichtlich, dass auch die Babbelbank auf dem Oberurseler Marktplatz ein Ort des Austauschs und der Vernetzung ist. Regionalleiterin Barbara Lecht kündigte an, sich für ihr Büro ebenfalls zwei Babbelbänke zuzulegen und auch Miriam Penkhues, Leitung der Villa Gründergeist Frankfurt, plant mehrere Babbelbänke für das Kirchliche Innovationszentrum zu bestellen.
„Kirche ermutigend denken“, „Engagement soll glücklich machen“, „mit Neugier auf Kooperationen zugehen“ und „in Offenheit das Zusammenleben gestalten“ - diese Schlagworte hat Lecht aus den
Visitationstagen mitgenommen, auch weil sie in Oberursel viele Menschen kennen gelernt habe, die diese Haltung erlebbar gemacht haben.