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Flörsheim

Flörsheim hält sein Versprechen

Bischof Georg Bätzing feiert den Verlobten Tag in St. Teresa am Main, der im Zeichen des Franz von Assisi steht

Man konnte am Montagmorgen fast den Eindruck gewinnen, im Himmel wache jemand über die Menschen in Flörsheim. Nachdem es in der Nacht heftig geregnet hatte, schien der Gemeinde, die immer am  letzten Montag im August ein altes Gelöbnis erfüllt, die Sonne. Der Verlobte Tag geht auf ein Versprechen der Flörsheimerinnen und Flörsheimer im Jahre 1666 zurück. Angesichts der sich ausbreitenden Pest gelobten die Gemeindemitglieder, zu Ehren der Heiligen Sebastian und Rochus jährlich einen Feiertag mit Prozession zu begehen. In diesem Jahr erfüllte der Limburger Bischof, Dr. Georg Bätzing, in der Kirche St. Gallus mit den Gläubigen die alte Tradition vom Verlobten Tag und begann damit zeitgleich seine Visitation in der Pfarrei St. Teresa am Main.

„Geh und bau mein Haus wieder auf.“ Ein Satz, der auf den heiligen Franziskus von Assisi zurückgeht, diente als Leitthema für den Gottesdienst und die Prozession. Pfarrer Friedhelm Meudt begrüßte den Bischof und die Festgemeinde mit herzlichen Worten.

Gelöbnis entstand aus der Not heraus

Die „stolze Tradition“ der Stadt täusche nicht über die Tatsache hinweg, „dass es die schiere Not war, die damals die Flörsheimerinnen und Flörsheimer beten gelehrt hat“, griff der Bischof den Ursprung des Gelöbnisses in seiner Predigt auf. Nicht die Größe des Menschen, sondern seine Schwäche seien bis zum heutigen Tag Grund des Betens und des Dankens am Verlobten Tag. Trotz aller Errungenschaften des Fortschritts fehle es gerade heute wieder an Orientierung. Kriege, Klimakrise und das rücksichtslose Verhalten von Wirtschafts- und Finanzmagnaten in den USA erschütterten die Freiheit, den Wohlstand und die Demokratie.

Gerade jetzt sei es wichtig, die Bedeutung des Glaubens neu zu entdecken, predigte Bätzing. Der Glaube könne Orientierung geben, zu Solidarität führen und helfen, gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Die Prozession sei ein sichtbares Zeichen, Gott in die Welt zu tragen und aus dem Glauben heraus Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Den Herausforderungen stellen

Im Anschluss an den Gottesdienst zog die Prozession zum ersten Altar am Pestkreuz. Der Bischof trug dabei das Allerheiligste durch die Straße. Entlang des Wegs hatten die Anwohnerinnen und Anwohner ihre Häuser mit Blumen geschmückt und Marien- und Heiligenfiguren ausgestellt. Den ersten Altar hatte die evangelische Gemeinde gestaltet, die das Leitthema aufgriff und darauf hinwies, dass sich beide Kirchen neuen Herausforderungen stellen müssten, um an ihren Häusern zu bauen.

Die Kindergärten St. Michael und St. Josef erwarteten am zweiten Altar in der Eisenbahnstraße die Prozessionsgemeinde. Vor dem Altar hatten die Kinder ein Bodenbild gestaltet, in dessen Zentrum die Sonne stand, die auf Gottes Schöpfung schien. „Mach uns zu guten Hütern deiner Welt“, beteten alle gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung.

Prozession endet am Mainufer

Am dritten Altar an der Christkönigskapelle begrüßte der Sachausschuss „Globale Verantwortung“ die Prozessionsteilnehmenden und nahm die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus in den Blick, die ein menschenwürdiges Leben für alle fordert und das zerstörerische Konsumstreben einiger Weniger anprangert.

Am Mainufer hatten die Kinder der Riedschule vor dem letzten Altar nicht nur einen bunten Blumenteppich ausgelegt, sondern sie spielten auch das Leben des heiligen Franz von Assisi nach und zeigten auf, wie aufmerksam und achtsam er mit der Natur und seinen Geschöpfen umgegangen ist. Nach dem sakramentalen Segen ging es noch einmal zum Abschluss in die Kirche.

Musikalisch gestalteten die Flörsheimer Kantorei, Organist Johannes Schröder und Diözesankirchenmusikdirektor Andreas Großmann Gottesdienst und Prozession – eine Übertragung aus der Kirche war dank der zahlreich entlang der Wegstrecke aufgestellten Lautsprecher möglich.

Eine gute halbe Stunde nach der Prozession öffnete der Himmel dann wieder seine Schleusen und es regnete.

Anne Goerlich-Baumann

Redakteurin | Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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  • Predigt des Bischofs am Verlobten Tag in Flörsheim
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