27.09.2017

Für Gott – mitten im Leben

Ewige Profess bei den Missionsärztlichen Schwestern

Sr. Karin Knötig an ihrem Arbeitsplatz in der Elisabeth-Straßenambulanz (Foto: Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt)

FRANKFURT.- Die junge Frau mit dem verschmitzten Lächeln ist Krankenschwester, also eigentlich nichts Ungewöhnliches. Sie ist aber auch eine katholische Nonne: Sr. Karin Knötig vom Orden der Missionsärztlichen Schwestern (MMS) legt am Samstag, 30. September, die ewige Profess ab. So heißt das feierliche Versprechen, sich auf Lebenszeit an einen Orden zu binden. Die 39-Jährige gehört dem Orden schon seit 2010 an, aber die ersten Jahre dienen grundsätzlich auch der Prüfung, ob man sich wirklich ganz dem Ordensleben verschreiben will.

Für Karin Knötig ist das keine Frage, schon früh erkannte sie, dass der „Glaube an den Mensch gewordenen Gott Dreh- und Angelpunkt“ ihres Lebens ist. Auf der Suche nach einem Orden, der zu ihr passt, kam sie eher zufällig in Kontakt mit einer Schwester der Gemeinschaft: „Mich hat ihr authentisches und ehrliches Erzählen von der Gemeinschaft mit all ihren Licht- und Schattenseiten fasziniert.“ Die Art ihren Glauben mitten im Alltag zu leben, nicht abgekapselt von der Wirklichkeit oder nur im sonntäglichen Gottesdienst, sprach die junge Frau aus dem Bayrischen Wald an. Sie kam nach Frankfurt, arbeitete zunächst auf der neurologischen Intensivstation des Nordwestkrankenhauses und ist seit einem Jahr für die Caritas in der Elisabeth-Straßenambulanz (ESA) in der Frankfurter Innenstadt tätig. Dort kümmert sie sich zurzeit um die Gesundheitsberatung für Flüchtlinge.

Gott im Abseits 

Ihr Leben teilt sie mit ihren Mitschwestern. Und zurzeit auch ein bisschen mit 15.000 und mehr Menschen im Internet. Karin Knötig steht nämlich gerade im Mittelpunkt des Projektes „Gott im Abseits“ der Deutschen Bischofskonferenz: Junge, kirchenferne Journalisten treffen dabei auf Menschen, die ihre Berufung zum Lebensinhalt machen und ihr persönliches Leben an ihrem Glauben ausrichten. Den Auftakt macht der Kölner Fernseh- und Radiojournalist Timm Giesbers (24), der noch bis Mitte November online über seine Gespräche mit Sr. Karin und ihre Arbeit in der Elisabeth-Straßenambulanz in Frankfurt berichtet. Hauptkanäle der Dokumentation sind die Sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Youtube, der Blog www.gott-im-abseits.de sowie medium.com. Die Akteure sind Ordensleute und pastorale Mitarbeiter, die sich für Menschen im Abseits - Obdachlose, Prostituierte, Strafgefangene oder Drogenabhängige - einsetzen und als Seelsorger an ungewöhnlichen Orten tätig sind.

Das passt zu den Frankfurter Schwestern, die ihr jugendliches Alter auszeichnet, die in den Sozialen Netzwerken aktiv sind und gerne auch mal per Rad einen Frankfurter Biergarten ansteuern. Vier Missionsärztliche Schwestern, darunter Karin Knötig, leben im Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität Heilig Kreuz in Bornheim, sechs andere in der Frankfurter Nordweststadt. Die Mission der beiden Kommunitäten umschreiben die Schwestern mit dem Begriff der Heilung, das bedeutet für sie konkret die Armutsmedizin mit obdachlosen kranken Menschen, die Arbeit mit Migranten und Flüchtlingen, aber auch die Seelsorge in verschiedenen Bereichen und die Begleitung von Menschen auf der Suche nach Sinn oder nach Gott. Sie gehen alle ihren Berufen nach als Ärztin oder Krankenschwester, Lehrerin oder Sozialpädagogin, Pastoralreferentin oder Theologin.

Orden ohne Nachwuchsprobleme 

Im Gegensatz zu den meisten anderen katholischen Ordensgemeinschaften haben sie kaum Nachwuchsprobleme. Derzeit leben knapp 30 Ordensfrauen in kleinen Wohngemeinschaften in Berlin, Bottrop, Essen und Frankfurt. Etliche assoziierte Mitglieder fühlen sich den Schwestern verbunden und kommen regelmäßig zu Gebet und Austausch hinzu.

Die internationale Ordensgemeinschaft der Medical Mission Sisters MMS wurde 1925 von der österreichischen Ärztin Anna Dengel gegründet. Heute sind etwa 500 Missionsärztliche Schwestern in 17 Ländern der Erde aktiv, ganzheitliche Heilung ist ihre Mission. Dazu gehören die „Fragen nach den Ursachen von Unheil und Ungerechtigkeit in der verwundeten Welt und die Suche nach Wegen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in der Einen Welt“, wie die Schwestern selbst es formulieren. (dw)