Douala, 07.03.2026
Taschen aus Kamerun
Weit über 80 Prozent der Menschen schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch oder sind arbeitslos. Die politische Führung besteht aus alten Männern, die seit über 40 Jahren an der Macht sind. Sie haben keine Lösung für die Probleme der Jugendlichen, obwohl diese einen Großteil der Bevölkerung darstellen. Pauline Maïday hat Jura studiert und eine Ausbildung in Logistik- und Transportwesen gemacht, beides zukunftsträchtige Berufe. Das Studium und ihre Ausbildung wurden von ihren Eltern und teilweise von ihrem Ehemann finanziert. Trotzdem wollte niemand sie anstellen. „Meine Eltern haben keine Beziehungen und auch nicht genug Geld. Deshalb habe ich einfach keine Arbeit gefunden, ohne „Eintrittsgeld“ – extrem frustrierend.“ Fünf Jahre lang war Pauline arbeitslos. „Das war eine traurige Zeit für mich, nichts zu tun zu haben und nutzlos herumzusitzen, während mein Mann arbeiten ging, meine Kids in der Schule waren.“
Ein Talent für Handarbeit
Mit Mitte zwanzig hatte Pauline Maïday sehr viel Energie, sie wollte etwas schaffen. Und fühlte sich ausgebremst. „Ich konnte meine Eltern nicht unterstützen, hab mich nicht gebraucht gefühlt, wertlos. Ich konnte nichts beitragen zur Gesellschaft.“ Also fing sie an, kleine Dinge mit den Händen herzustellen: Ohrringe, Ketten, Armbänder. Dann Notebookhüllen aus Stoff. „Ich habe gemerkt, dass ich ein Talent dafür habe. Mein Mann Calvin hat mich ermutigt, etwas daraus zu machen. Also habe ich die Sachen auf Pinterest verkauft.“ Und irgendwann schneiderte sie ihre ersten Taschen. „Die Taschen hat Léon auf Facebook gesehen und mich eingeladen.“ Léon Yanda ist der Direktor von CODAS Caritas, einem Partner von Misereor in Kamerun. Die Organisation unterstützt junge Leute finanziell bei ihrer praxisorientierten Ausbildung. Viele Absolventinnen und Absolventen machen sich anschließend selbstständig, um den Zwängen des Arbeitsmarktes und der Korruption zu entkommen. CODAS gewährte Pauline Maïday eine finanzielle Unterstützung, mit der sie sich einen Container mit Schaufenster kaufen konnte. Der ist heute ihre Boutique. „Das hat alles verändert. Ich war nun viel sichtbarer für meine Kundinnen und Kunden.“ Sie lernte digitales Marketing und platziert ihre Taschen zum Beispiel auch bei TikTok. Manchmal helfen ihre Kinder Godlove, Melchior und Felwine bei den handwerklichen Arbeiten. Die zwei Jugendlichen Hilaire und Melanie, die Kinder ihrer verstorbenen Schwägerin, leben auch bei der Familie. „Das macht mich so stolz, dass ich jetzt auf eigene Rechnung arbeite. Ich bin frei und flexibel. Was mir in den Kopf kommt, das setze ich um. Dieses kreative Schaffen ist unglaublich befriedigend. Ich habe mein eigenes Modelabel gegründet: Feere Yeye.“ Über das CODAS-Forum für Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer AJEBAD („Association des jeunes bâtisseurs de Douala” - „Vereinigung junger Unternehmerinnen und Unternehmer von Douala“) tauscht sich Pauline Maïday regelmäßig mit anderen aus.
Unabhängig und trotzdem bekümmert
„Wenn wir unsere Erfahrungen und Kompetenzen teilen, dann bringt uns das voran. Wir kämpfen alle mit den gleichen Schwierigkeiten. Aber weil wir solidarisch miteinander umgehen, können wir alles Unvorhergesehene überwinden.“ Obwohl Pauline Maïday heute von ihren Taschen leben kann und finanziell unabhängig ist, bekümmern manche Umstände sie immer noch. „Je älter ich werde, desto mehr schockiert mich, wie wenig die Menschenrechte und ganz grundsätzlich die Gesetze in Kamerun respektiert werden. Es gibt so viele Ungerechtigkeiten hier. Würde muss man sich selbst erarbeiten in diesem Land. Dabei sollte ein menschliches Wesen sie einfach so haben.“ Sie hat viele gute Ideen und will am liebsten ganz viel zurückgeben, ihre Eltern und Geschwister aus der Armut befreien. An junge Leute möchte sie ihr Können weitergeben und ihnen vermitteln: „Man muss klein anfangen, um Großes zu erreichen.“ Noch näht Pauline Maïday ihre Taschen zu Hause. Doch sie hat eine Vision für die Zukunft: „Mein großer Traum ist, irgendwann eine industrielle Taschenproduktion zu haben und ganz viele Leute beschäftigen zu können, damit sie nicht arbeitslos sind. Unter meinem eigenen Label möchte ich meine Taschen in die ganze Welt exportieren.“ Pauline könnte dann sogar ihre im Bereich Logistik und Transport erlernten Kompetenzen gezielt einsetzen, denn ohne gut funktionierende Lieferketten kommt kein Produkt sicher und effizient bei ihren Kundinnen und Kunden an.
Text: Susanne Kaiser, freie Journalistin
Das katholische Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor stellt in diesem Jahr ein Projekt in Kamerun vor. Der Misereor-Projektpartner CODAS Caritas Douala fördert die Berufsausbildung, stärkt Perspektiven und trägt dazu bei, Zukunft zu sichern. Denn Zukunft beginnt dort, wo junge Menschen Hoffnung schöpfen. Wo Ausbildung Leben verändert. Wo aus einem schwierigen Heute ein besseres Morgen wird.
Weitere Informationen zur Fastenaktion gibt es im Internet unter www.misereor.de/fastenaktion.