Dernbach, 02.09.2026
Von Dernbach in die Welt
In den Auslandseinsatz hätte sie eigentlich nie wirklich gewollt, erzählt Schwester Adelgard und lacht. „Wenn ihr mich losschickt, könnt ihr mich zum Nordpol schicken“, habe sie damals gesagt. In ihrer Vorstellung war es in der südlichen Hemisphäre einfach zu heiß. Heute lebt sie seit 25 Jahren in Brasilien. „Der Körper gewöhnt sich an alles“, gibt die 82-Jährige zu. Im kleinen Städtchen São João da Fronteira würde es schon auch heiß werden, aber auf 500 Metern Höhe liegend kühle es abends auch wieder ab und es läge geschützt in einem Tal.
Der Armut etwas entgegensetzen
Etwa 6.000 Einwohner leben in der kleinen Stadt im Westen des brasilianischen Bundesstaates Piauí, einem der ärmsten Bundesstaaten des Landes. Die Probleme der Menschen sind vielfältig. Schwester Adelgard zählt häusliche Gewalt, Bildungsferne und Prostitution als typische Begleiterscheinungen von prekären Lebenssituationen auf. Dem wollten die Dernbacher Schwestern etwas entgegensetzen und schufen ein großes Hilfsangebot: von Mahlzeitausgaben über Hausaufgabenhilfe und Sport- und Musikangebote für Kinder und Teenager bis zu Nähkursen für Frauen. „Manchmal bieten wir Frauen auch einfach Raum, wo sie zusammenkommen können und ihre Probleme Gehör finden“, erklärt Schwester Adelgard.
Unterstützt werden die Schwestern von Einheimischen. Eine von ihnen ist Lucilene da Silva Lima, die mit Schwester Adelgard nach Deutschland gereist ist. Sie kommt aus São João da Fronteira und kennt die Einheimischen. Über einen Pfarrer kam sie zu den Armen Dienstmägden. „Ich helfe gerne anderen Menschen und fühle mich dadurch Katharina Kasper verbunden“, sagt Lucilene. Heute ist sie ein sogenanntes angegliedertes Mitglied der Dernbacher Schwestern. Sie leitet mit Schwester Adelgard das Casa Margarete, unter dessen Dach die meisten Aktivitäten stattfinden. Benannt ist das Casa nach Magarete Echternach, die eine ehemalige Mitarbeiterin des Marien-Hospitals in Gelsenkirchen war und ihr Vermögen der ADJC zur Unterstützung von Hilfsprojekten in Brasilien vermachte.
Handlungsfähig bleiben
Genau wie Schwester Adelgard sind die meisten Mitschwestern in Brasilien schon etwas betagter. Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft wünsche, antwortet sie: „Mit den angegliederten Mitgliedern, wie beispielsweise Lucilene, können die Arbeiten auch noch in einigen Jahren weitergeführt werden. Ich hoffe nur, dass die Finanzierung der Associação Margarete Echternach (AME) auch in Zukunft gesichert ist, wenn das Erbe der verstorbenen Spenderin aufgebraucht ist.“
Damit dies gewährleistet werden kann, wurde in Dernbach ein Förderverein für das Projekt gegründet, dessen Spenden eins zu eins bei den Menschen in São João da Fronteira ankommen. In wenigen Tagen geht es auch für Schwester Adelgard und Lucilene wieder zurück nach Brasilien, denn ihr Besuch in der Heimat neigt sich dem Ende zu.