Wiesbaden, 03.08.2026
Kraft in Gemeinschaft finden
Eine Woche segelten 26 LGBTQIA+-Personen und Allies – also Menschen, die sich selbst nicht als LGBTQIA+ identifizieren, aber sich aktiv für die Rechte, Akzeptanz und Gleichberechtigung queerer Menschen einsetzen – mit dem Dreimaster Nil Desperandum auf dem IJsselmeer.
Queerfeindlichkeit hinterlässt Spuren
Obwohl die Teilnehmenden sich in Alter und sexueller Orientierung, sowie Idenität durch eine große Diversität auszeichneten, formte der gemeinsame Tagesablauf auf dem alten Segelschiff eine eingeschworene Gemeinschaft. „Viele der Teilnehmenden mussten in ihrem Alltag bereits Erfahrungen von Ausgrenzung, Mobbing, fehlendem Verständnis und sogar Gewalt gegen die eigene Identität erleben“, erklärt Nana Amin, Co-Vorsitzende von Warmes Wiesbaden. Laut ihr hinterlassen diese Erfahrungen von Queerfeindlichkeit Spuren und führen dazu, dass viele der Teilnehmenden sich in der Öffentlichkeit verstellen. „Ähnliche Diskriminierungserfahrungen führen bei vielen Betroffenen zu mehr Sensibilität für die Thematik und schweißen zusammen“, ist sich Eric Tilch von der Jugendkirche KANA sicher.
Buntes Programm für mehr Vielfalt
Die Offenheit für unterschiedliche Lebensweisen in Bezug auf Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, Beziehungsmodelle und Rollenbilder war nicht die einzige Besonderheit der queer-sensiblen Segelfreizeit: Neben dem täglichen Segeln, gehörte eine Nacht auf dem Wattenmeer dazu, ebenso wie das sogenannte „Trockenfallen“, bei dem das Schiff für eine Ebbephase auf einer Sandbank verweilt. Gemeinsame Abende in den alten Hafenstädten rund um das IJsselmeer und auf der Insel Terschelling wurden von einem vielfältigen Programm begleitet: darunter ein Kinoabend, Gesprächsimpulse und eine Nachtwanderung zum ältesten Leuchtturm der Niederlande. Der Abschlussabend bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen: So wurde neben einer Drag-Show, einem persischen Tanz und einem politischen Poetry Slam auch ein kleines Queer-Kabarett aufgeführt.
Die Freizeit bot sowohl queeren als auch nicht-queeren Menschen die Möglichkeit, Neues, vielleicht sogar Ungewohntes auszuprobieren, und förderte dadurch den Austausch und das Verständnis für die Vielfalt des menschlichen Seins. Aufgrund des großen Erfolgs der Fahrt, die bis auf den letzten Platz ausgebucht war, ist bereits jetzt die nächste queer-sensible Freizeit geplant, die vom 25.06. bis 03.07. am Chiemsee stattfinden wird.
Bildergalerie
Dank der maßgeblichen finanziellen Unterstützung durch den Innovationsfonds des Bistums Limburg in Höhe von 5.000,00 Euro konnte die Freizeit auch Jugendlichen, jungen Erwachsenen und queeren Geflüchteten zugänglich gemacht werden, die nicht über entsprechende finanzielle Mittel verfügen.