Suchwort eingeben

Limburg, 19.08.2026

Ein Brückenbauer und großer Theologe

Mit großem Bedauern und zugleich mit großem Verständnis hat Bischof Georg Bätzing auf den Amtsverzicht von Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer reagiert. Papst Leo XVI. nahm am Mittwoch, 19. August 2026, den Amtsverzicht des Speyerer Bischofs Dr. Karl-Heinz Wiesemann aus gesundheitlichen Gründen an. Bätzing würdigt seinen langjährigen Weggefährten als herausragenden Theologen, offenen Gesprächspartner und Brückenbauer in Kirche und Ökumene.

„Den Rücktritt von Bischof Karl-Heinz Wiesemann bedaure ich sehr – und habe zugleich Verständnis für seine Bitte, die Leitungsverantwortung als Diözesanbischof von Speyer nach 18 Jahren abgeben zu dürfen“, erklärt Bätzing. Die Leitung eines Bistums verlange gerade in der gegenwärtigen Situation der Kirche viel Kraft. „In Zeiten eines raschen Wandels der Gestalt von Kirche auf allen Ebenen und einem hohen Anpassungsdruck der Strukturen und Ressourcen braucht es erhebliche persönliche Spannkraft und eine solide gesundheitliche Konstitution, um alle Prozesse innerhalb eines Bistums gut begleiten zu können.“ 

Bätzing äußert deshalb großen Respekt vor der Entscheidung Wiesemanns: „Ich habe große Hochachtung davor, wenn er nun sagt: Ich habe das Meinige getan – so gut es ging, und jetzt möchte ich die Verantwortung abgeben.“ 

Ein echter Bruder im Amt

Bätzing und Wiesemann verbindet eine langjährige Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Ebenen. Insbesondere unter den katholischen Bischöfen in Rheinland-Pfalz habe sich über die Jahre ein enges und vertrauensvolles Miteinander entwickelt. „Karl-Heinz Wiesemann habe ich stets als gesprächsbereiten und offenen Kollegen und echten Bruder im Amt erlebt“, sagt Bätzing. „Auf rheinland-pfälzischer Ebene sind wir oft zusammengekommen und pflegen unter den Bischöfen des Bundeslandes ein sehr vertrauensvolles Miteinander.“ 

Besonders hebt der Limburger Bischof die theologischen Fähigkeiten Wiesemanns hervor. Bätzing bezeichnet ihn als einen der profiliertesten theologischen Denker unter den deutschen Bischöfen: „Ich habe häufiger schon gesagt: Ich halte Karl-Heinz Wiesemann für den besten Theologen in den Reihen von uns Bischöfen.“ 

Dabei gehe es ihm ausdrücklich nicht um die Menge theologischen Wissens, sondern um Wiesemanns Fähigkeit, den Glauben mit den Fragen der Gegenwart ins Gespräch zu bringen. Er schätze ihn „nicht, weil er wie ein wandelndes Lexikon alles wüsste, sondern weil er angesichts der Herausforderungen durch die Fragen unserer Zeit Theologie zu treiben und theologisch fundierte Antworten zu entwickeln versteht, die nach vorne weisen“. 

Nachdenklich, suchend und neugierig

Wiesemanns theologisches Denken sei von Offenheit und der Bereitschaft geprägt, sich auf neue Fragen einzulassen. „Ich erlebe ihn nachdenklich und suchend, neugierig und in der Lage, geistlich und intellektuell Situationen so zu beschreiben, dass sich Perspektiven öffnen“, erklärt Bätzing. 

Diese besondere Fähigkeit habe Wiesemann über viele Jahre in die Arbeit der Kirche in Deutschland eingebracht. Bätzing erinnert insbesondere an dessen Engagement in der Ökumene und beim Synodalen Weg. Dort habe Wiesemann mit seiner theologischen Kompetenz und seiner Bereitschaft zum Dialog immer wieder dazu beigetragen, unterschiedliche Positionen miteinander ins Gespräch zu bringen. „Ich bin ihm so dankbar, dass er diese besondere Gabe vor allem in ökumenischen Kontexten und beim Synodalen Weg immer wieder eingebracht hat und damit nicht selten Brücken der Verständigung für viele bauen konnte“, sagt Bätzing. 

Dabei sei Wiesemann selbst bereit gewesen, Entwicklungen zuzulassen und eigene Positionen immer wieder neu zu bedenken. „Er selbst sagt von sich, dass er sich im Laufe seines Lebens und Wirkens stark verändert hat“, so Bätzing. Für ihn sei diese persönliche und geistliche Entwicklung Ausdruck einer tiefen Glaubenshaltung. „Ich bin überzeugt, das ist eine echte Frucht seines tiefen und frohen Glaubens und seiner Wertschätzung für echte menschliche Beziehungen.“ 

Dank für einen Dienst weit über Speyer hinaus

Mit der Annahme seines Amtsverzichts endet für Wiesemann nach 18 Jahren die Verantwortung als Diözesanbischof von Speyer. Bätzing verbindet seinen Dank für die gemeinsame Zeit mit dem Wunsch, dass sein Amtsbruder die Entlastung von der Leitungsverantwortung bald als wohltuend erfahren könne. „Ich wünsche Bischof Wiesemann nun bald die gute Erfahrung, entlastet zu sein und sich bald wieder intensiver der Seelsorge und seiner großen musischen Begabung widmen zu können“, so Bätzing. 

Stephan Schnelle

Pressesprecher

Zum Anfang der Seite springen