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Limburg, 07.08.2026

Aus dem Bistum Limburg nach Brasilien

Einen besonderen Geburtstagsgruß hat Bischof Georg Bätzing nach Brasilien geschickt. Schwester Maria Ludwigis Bilo wird am 7. August 2026 100 Jahre alt. Sie stammt aus Seelbach, einem kleinen Ort im Bistum Limburg mit etwa 450 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Bereits 1948 trat sie den „Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel“ bei, wirkte dann zunächst in Berlin, Hamburg und schließlich in der Mission in Brasilien. Dort ist Schwester Maria Ludwigis nun seit 1958, also seit 68 Jahren. Dort, in der Stadt Leme, hat sie auch mit 100 Jahren noch ein offenes Ohr für die Hilfsbedürftigen. 

„Ein Jahrhundert Leben – das ist ein seltenes und kostbares Geschenk. Noch bemerkenswerter ist jedoch, wie Sie dieses Leben gestaltet haben und noch immer gestalten: in unermüdlichem Dienst an Gott und den Menschen, getragen von einem tiefen Glauben, einer großen Liebe zu den Armen und einer bewundernswerten Treue zu Ihrer Berufung“, schreibt Bischof Georg Bätzing im Brief an die Schwester. „Besonders Ihr jahrzehntelanges Wirken in Brasilien seit 1958 hat tiefe Spuren hinterlassen. Generationen von Kindern, Jugendlichen und Familien verdanken Ihnen Bildung, Begleitung, Hoffnung und konkrete Hilfe. Aus kleinen Anfängen sind soziale und pädagogische Einrichtungen entstanden, die bis heute das Leben vieler Menschen prägen.“  

Der Weg nach Brasilien

Als Schwester Maria Ludwigis 1958 mit dem Schiff nach Brasilien reiste, war es ein Abschied aus Deutschland für immer. In Brasilien angekommen, half sie zunächst im Provinzhaus in der Küche, leitete daraufhin die Hauswirtschaft einer Schule in Santa Salete und kam schließlich nach Leme, wo sie die Leitung des Kindergartens (der Creche) Sagrada Familia übernahm. „Als ich dort anfing, hatten wir 84 Kinder. Als ich 2011 aufhörte, waren es 253“, erzählt die Schwester.  

Sie initiierte zudem, dass der Kindergarten zur Schule ausgebaut wurde. Normalerweise wechseln die Kinder von der Creche in die Vor- und dann in die Volksschule, erklärt Schwester Maria Ludwigis. Dabei würden sie immer wieder aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen. Mit der Weiterentwicklung des Kindergartens zur Schule sollten die Kinder in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können und sich so besser entwickeln. Für die Entwicklung der Kinder seien jedoch auch die Voraussetzungen in den Familien entscheidend. Die Kinder würden im Kindergarten, in der Vorschule und Schule zu Eigenverantwortung und Selbstständigkeit erzogen, das müssten die Familien mittragen. Dazu bot sie mit Unterstützung aus Deutschland Näh- und Maurerkurse für die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtrandes an.  

Ein ganzheitliches Konzept

„Das Konzept ging auf. Wir finanzierten den Maurer als Anleiter und das notwendige Material. Dann halfen sich die Männer beim Bau der Häuser an den Wochenenden gegenseitig“, sagt Schwester Maria Ludwigis. Zudem gab es im Pädagogischen Zentrum erstmals Computerkurse. So entwickelte sich ein Angebot aus Qualifizierungen für Erwachsene, Aktivitäten, die das Zusammenleben fördern, sowie Freizeitgestaltung und Hausaufgabenhilfe für Kinder und Jugendliche. Ein ganzheitlicher Ansatz.  

Diese Arbeit macht Schwester Maria Ludwigis heute nicht mehr, dennoch ist ihr Büro weiter geöffnet. Familien, die oft unverschuldet Geldsorgen haben oder neu in die Stadt kommen und nicht genügend zu essen haben, finden bei der Schwester ein offenes Ohr. Sie versucht, dort zu helfen, wo sie kann. Das Engagement von Schwester Maria Ludwigis hinterlässt Spuren. Beispielsweise hat einer der Jugendlichen, den die Schwester sehr gefördert hat, eine Tanzschule eröffnet und nach ihr benannt.

Dank für den Einsatz und das Zeugnis

„Wer Ihren Lebensweg betrachtet, erkennt, was das Evangelium bewirken kann, wenn es mit Entschlossenheit und Hingabe gelebt wird. Auch im hohen Alter haben Sie nie aufgehört, den Menschen zuzuhören, ihre Sorgen ernst zu nehmen und ihnen Mut zu machen. Ihr Einsatz zeigt eindrucksvoll, dass christliche Nächstenliebe keine Altersgrenze kennt“, schreibt Bischof Georg Bätzing weiter in seinem Brief. „Viele Menschen beschreiben Sie als ‚unkaputtbar‘. Hinter diesem liebevoll gemeinten Wort stehen Ihre außergewöhnliche Lebensenergie, Ihre Zuversicht und Ihre Bereitschaft, sich immer wieder neu für andere einzusetzen. Vor allem aber steht dahinter das Vertrauen auf Gottes Nähe, das Sie durch alle Jahrzehnte getragen hat.“ Er dankt der Schwester für ihr lebendiges Zeugnis des Glaubens, ihren Dienst an den Menschen und die vielen Samen der Hoffnung, die sie ausgesät hat. 

Felicia Schuld

Chefin vom Dienst, Redakteurin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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