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Limburg/Sarajevo, 18.09.2026

Sarajevo wird zum Lernort für den interreligiösen Dialog

Sarajevo steht für die Erfahrung, dass Begegnung auch dort möglich ist, wo Geschichte tiefe Spuren hinterlassen hat. Genau hier kamen Teilnehmende aus verschiedenen Ländern und Religionsgemeinschaften zusammen, um über Aussöhnung und die friedensstiftende Kraft des interreligiösen Dialogs zu sprechen.

Vier Stipendiatinnen und Stipendiaten des Bistums Limburg nahmen vom 9. bis 15. September 2026 an der „European Summer School on Interreligious Studies and Peacebuilding“ an der Universität Sarajevo teil. Begleitet wurden sie von Dr. Frank van der Velden, Islambeauftragter des Bistums Limburg und Studienleiter für interreligiöse Bildung bei der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB).

An der Summer School nahmen insgesamt 24 Studierende sowie Friedensarbeiterinnen und Friedensarbeiter aus Armenien, Belgien, Bosnien, Deutschland, Iran, Israel, Jordanien, Norwegen, Sri Lanka und Tschechien teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Beitrag Religionsgemeinschaften zu Frieden und Gewaltprävention leisten können. Getragen wird die Summer School gemeinsam von der jüdischen Gemeinde von Sarajevo, den Fakultäten für islamische Theologie und für katholische Theologie an der Universität Sarajevo sowie von der Fakultät für serbisch-orthodoxe Theologie an der Universität Ost-Sarajevo.

Begegnungen, die nachwirken

Für die vier Stipendiatinnen und Stipendiaten des Bistums Limburg waren es vor allem die persönlichen Begegnungen, die nachwirkten. „Selten habe ich in so kurzer Zeit so viele intensive, produktive und bereichernde Gespräche geführt“, sagt Finja Hoppe, die Geschichte und Kunstgeschichte studiert. Besonders beeindruckt habe sie der Austausch mit Menschen, die in unterschiedlichen Ländern in der Friedensarbeit tätig sind.

Auch Jennifer Recha, die katholische Theologie für das Lehramt an einer Förderschule studiert, hebt diese Erfahrung hervor. Die Summer School habe ihr gezeigt, „wie wertvoll es ist, auch über die eigenen Grenzen und den eigenen Arbeitskontext hinauszuschauen“. Lucia Zugel, ebenfalls Theologiestudentin, nimmt vor allem die verschiedenen Perspektiven und die Erkenntnis mit, „wie eng Geschichte, Religion und das heutige Zusammenleben miteinander verbunden sind“.

Geschichte bleibt gegenwärtig

Diese Verbindung wurde in Sarajevo unmittelbar erfahrbar. Der Krieg der 1990er Jahre, die jahrelange Belagerung der Stadt und der Genozid von Srebrenica wirken bis heute nach. Wer hier über interreligiösen Dialog spricht, kommt deshalb an der Anerkennung der Opfer und der Frage nach Versöhnung nicht vorbei.

„Vor Ort über Krieg, Vertreibung und die Folgen für verschiedene Gemeinschaften zu sprechen, war etwas ganz anderes, als darüber nur zu lesen und von außen darauf zu schauen“, sagt Lucia Zugel. Silas Müller, der katholische Theologie für das Lehramt studiert, beschäftigt vor allem das Thema Vergebung weiter: „Ich muss noch weiter über das Vergeben nachdenken. Besonders über das Bedingungslose im Vergeben.“

Für Frank van der Velden liegt darin eine besondere Stärke der Summer School: „Interreligiöser Dialog wird in Sarajevo sehr konkret. Es geht darum, einander zuzuhören und auch schmerzhafte Erfahrungen auszuhalten. Erst daraus kann Vertrauen wachsen und Versöhnung möglich werden.“

Auch die politische Unsicherheit im Land wurde für die Teilnehmenden spürbar. Jennifer Recha beschreibt einen Gegensatz, der ihr besonders in Erinnerung geblieben ist: Sie selbst habe sich in Bosnien frei und sicher bewegen können, zugleich aber bei vielen Menschen eine große Unsicherheit mit Blick auf die politische Zukunft des Landes wahrgenommen.

Mut zum Dialog

Die Summer School zeigte zugleich, dass Dialog Unterschiede nicht auflösen muss. „Dialog bedeutet für mich nicht, Unterschiede zu verschweigen oder die eigene Überzeugung aufzugeben“, sagt Finja Hoppe. Die Gespräche hätten sie vielmehr auch in ihrem eigenen katholischen Glauben gestärkt. Die intensive Beschäftigung mit dem Islam habe ihr zudem neu vor Augen geführt, wie vielfältig die Religion und wie kontrovers manche theologischen Positionen innerhalb des Islams seien.

Silas Müller beeindruckte besonders die Offenheit der Gespräche: „Ich habe ganz tolle Menschen aus unterschiedlichen Religionen kennengelernt und wieder erfahren, dass Menschen in einem ehrlichen Gespräch bereit sind, auch sehr Persönliches zu teilen.“ Die Summer School habe ihn darin bestärkt, offen auf andere zuzugehen.

Auch für Lucia Zugel und Jennifer Recha wirken die Tage in Sarajevo nach. Zugel möchte schwierigen Themen künftig weniger ausweichen und „neugieriger auf die Geschichten und Perspektiven anderer Menschen sein“. Für Recha führt das Erlebte unmittelbar in ihren künftigen Beruf. Sie möchte im Unterricht bewusst Räume schaffen, in denen Dialog möglich ist, und dabei besonders das aktive Zuhören fördern.

Die Teilnahme der vier Stipendiatinnen und Stipendiaten wurde im Rahmen der Partnerschaft des Bistums Limburg mit der katholischen Erzdiözese Sarajevo ermöglicht. Die Summer School füllt die interreligiöse Seite dieser Partnerschaft mit Leben und schafft Raum für Begegnungen über religiöse und nationale Grenzen hinweg. Sie zeigt, dass Aussöhnung dort beginnen kann, wo Menschen bereit sind, einander zuzuhören.

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