Frankfurt, 22.09.2026
Begräbniskirche ist nun Wirklichkeit
Seit die Begräbniskirche St. Michael Mitte Juni der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, hat sich alles verändert. Zwar waren die zwölf offenen, mit verschiedenfarbigen Glasplatten verkleideten Ringe, die künftig Platz für bis zu 2500 Urnen bieten sollen, auch schon im Juni fertig. Doch mittlerweile sind die ersten Urnen eingezogen – und haben im letzten Schritt das viele Jahre erdachte Konzept Begräbniskirche zur Wirklichkeit werden lassen. Elf Menschen haben seitdem dort ihren Platz gefunden. Und 200 weitere haben sich ihre spätere Ruhestätte bereits durch eine Reservierung zu Lebzeiten gesichert.
Am Dienstagvormittag war die Presse bei einem Vor-Ort-Termin eingeladen, sich die erste Begräbniskirche in Hessen von innen anzusehen. Unter anderem nutzten ein Kamerateam von RTL, die katholische Nachrichtenagentur KNA, der Radiosender FFH und zahlreiche weitere Medien die Möglichkeit, mit denjenigen, die hinter dem Umbau stehen, ins Gespräch zu kommen. Verena Maria Kitz, Leiterin des Fachzentrums Trauerseelsorge im Bistum Limburg, Bistums-Pressesprecher Stephan Schnelle, Susanne Gorges-Braunwarth. Fachbereichsleitung Seelsorge und Entwicklung im Bistum, Architekt Florian Schlüter vom Architekturbüro Meixner, Schlüter und Wendt, das 2021 den Auftrag in einer Wettbewerbsvergabe gewonnen hatte, Ottmar Heck vom Diözesanbauamt und Roger Voigt, Betriebsleiter der Begräbniskirche, führten durch die fertige Kirche, die in der kommenden Woche mit einem Abend der Begegnung offiziell in Betrieb genommen wird.
Das Interesse an dem Projekt, das bereits 2015 angestoßen wurde, ist groß, das merkten Verena Maria Kitz und ihr Team auch beim Tag des offenen Friedhofs am vergangenen Wochenende, denn dort waren sie mit einem Stand auf dem Hauptfriedhof vertreten und beantworteten viele Fragen rund ums Begräbnis in der Kirche. Wichtig: „Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zum Hauptfriedhof, das zeigt sich auch in der Preisgestaltung, die sich an der des Hauptfriedhofs orientiert“, so die Leiterin. „Wir sind an einem guten Miteinander interessiert und daran, gemeinsam Partei dafür zu ergreifen, dass Menschen eine namentliche Grabstätte haben.“
Damit die Liebe ewig bleibt
Nun, da es das Angebot gibt, kommen viele Interessierte und auch Neugierige zu den Öffnungszeiten in die Kirchen und überlegen, ob eine Bestattung dort auch für sie selbst infrage kommt. „Die Gründe, aus denen Menschen sich bestimmte Urnenkammern aussuchen, sind dabei sehr persönlich“, berichtet Kitz. Roger Voigt, der viel mit Interessierten spricht, nennt einige Beispiele: „Einer Person war der Blick zur Orgel besonders wichtig. Ein Frühaufsteher wollte ein Fach reservieren, auf das schon morgens die Sonne scheint. Ein Interessent hat sich für ein Fach mittig links entschieden, weil es ihn an sein Bücherregal erinnert. Und ein Paar hat den offenen Ring namens ,Liebe‘ gewählt.“
Als Ringe bezeichnen die Architekten die zwölf runden Urnenwände, die statt Nummern die Namen der Tugenden Dankbarkeit, Hoffnung, Zuversicht, Treue, Freundlichkeit, Güte, Glaube, Friede, Liebe, Glück, Weisheit, Vertrauen und Eintracht tragen. Vor allem letzterer käme in Frankfurt gut an, scherzte Verena Kitz.
Aktuell ist das Team des Fachzentrums Trauerseelsorge mit der Vorbereitung der Eröffnungsfeierlichkeiten beschäftigt. Anschließend geht es an die Programmplanung, denn schon sehr bald soll ein angemessenes Kulturprogramm in der Kirche angeboten werden mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen und mehr. Jeden Freitag um 18 Uhr gibt es schon jetzt einen Gedenkgottesdienst für Verstorbene, außerdem bieten derzeit 25 Menschen einen Präsenzdienst in der Begräbniskirche an und stehen abwechselnd für Gespräche mit Trauernden und Besuchern zur Verfügung.
Timeline
- 1954 Weihe der von Architekt Rudolf Schwarz entworfenen Kirche St. Michael
- 2007 Einrichtung einer sogenannten Profilkirche für Trauerpastoral und Umbau des Zentrums für Trauerpastoral
- 2008 Einrichtung eines Referates Trauerpastoral und erste Überlegungen zur Errichtung von Urnenbegräbnisplätzen in St. Michael, von Beginn an in enger Absprache mit der Architektenwitwe Frau Prof. Schwarz
- 2015 Beratung und Entscheidung in der Pastoralkammer und Plenarkonferenz, die Trauerkirche in eine Begräbniskirche umzugestalten
- 2016 Der Generalvikar beauftragt ein Bodengutachten, es wird ein Kostenplan erstellt und eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchgeführt. Aber: Mit den Vorgaben und Vorstellungen von Frau Prof. Schwarz, der Architektenwitwe, gestaltete sich ein Konsens über die Umbaumaßnahmen als schwierig.
- 2018 Tod von Frau Prof. Schwarz, die Pläne für Urnengräber im Kirchenraum erhalten eine neue Chance.
- 2019 Unterfangung der Fundamente, Information an die Stadt Frankfurt über das Bauvorhaben
- 2019 Arbeit einer Konzeptgruppe zur Beschreibung der Ziele einer Begräbniskirche
- 2020 Verena Maria Kitz übernimmt die Leitung des Zentrums für Trauerpastoral
- 2020 (April) Architektenwettbewerb beginnt
- 2020 (September) Auswahlsitzung und einstimmige Entscheidung für Entwurf des Frankfurter Büros Meixner-Schlüter-Wendt
- 2023 Profanierung der Kirche und ihrer Altäre durch Bischof Georg Bätzing
- 2025 Baubeginn
- 2026 Eröffnung von Hessens erster Begräbniskirche und erste Bestattungen