Limburg, 01.10.2026
Kein Mensch ist egal
Susanne Gorges-Braunwarth ist Leiterin des Fachbereichs Seelsorge und Entwicklung im Bistum Limburg. Sie erklärt, warum das Bistum bei der Aktion mitmacht. „Angesichts konstant hoher Austrittszahlen betont Bischof Georg Bätzing: ‚Jeder einzelne Austritt schmerzt‘ und meint damit, dass hinter den statistischen Daten der Austritte immer individuelle Schicksale, Enttäuschungen und persönliche Entscheidungen stehen. Die Kirche im Bistum Limburg betrachtet die Austritte nicht als reines Verwaltungsthema oder finanzielles Problem, sondern als schmerzhaften Verlust von Menschen, die der Institution den Rücken kehren.“ Daher sei es wichtig, hin- und vor allem zuzuhören. „Mit dem Gesprächsangebot über eine zentrale Webseite setzen wir ein Zeichen, dass uns die Beweggründe der austrittswilligen Menschen interessieren“, sagt Gorges-Braunwarth. Dabei soll das diözesane Kontaktangebot Pfarreien unterstützen, denn dort gehen die Austrittserklärungen ein. „Ich bin sicher, dass es sich in den meisten Austrittsfällen nicht um leichtfertige Entscheidungen handelt“, erklärt Gorges-Braunwarth. „Mit dem Austritt aus der Kirche ist nicht zwingend die Aufgabe des christlichen Glaubens verbunden. Meist gehen den Überlegungen zum Austritt persönliche Erfahrungen und ein inneres Abwägen voraus. Das Gehörte, die Motivationen der Menschen und die in den Kontakten gewonnenen Erfahrungen werden wir in unseren Gremien vorstellen und beraten, so dass sie Eingang in anstehende Entwicklungen im Bistum finden können.“
Nicht nur miteinander reden, sondern auch zuhören
Auf der Webseite stehen für das Bistum Limburg Kontaktdaten von sechs Ansprechpartnerinnen und -partnern. Einer von ihnen ist Manuel Gall. Er arbeitet als Klinikseelsorger in Wiesbaden. „Mir gefällt die Idee, Menschen ganz unkompliziert einen Zugang zur Kirche anzubieten. Gerade in der Klinikseelsorge erlebe ich es täglich, wie wertvoll es für die Menschen sein kann, wenn jemand einfach da ist und zuhört“, sagt er. „Im Alltag erlebe ich oft, dass Menschen miteinander reden, aber einander vorher nicht wirklich zugehört haben. Die Aktion vermittelt für mich eine ganz einfache Botschaft: Du bist mit dem, was Dich gerade beschäftigt, nicht egal.“
Auch Simone Krämer ist eine der Ansprechpersonen für das Bistum Limburg. „Ich unterstütze die Aktion, weil für mich jeder Mensch mit seiner Geschichte, seinen Fragen, den vielleicht erlebten Verletzungen und Enttäuschungen wichtig ist. Ich möchte dazu beitragen, dass sich Menschen gesehen und gehört fühlen und dafür eine Ansprechpartnerin sein“, erklärt sie. Das Angebot öffne einen geschützten Raum, in dem Menschen erzählen können, was sie bewegt und was sie zur Entscheidung geführt hat, auszutreten. „Vielleicht kann ein solches Gespräch dazu beitragen, dass Verletzungen heilen können, etwas losgelassen werden kann und ein versöhnlicher Blick auf die eigene Geschichte entsteht“, sagt Krämer. Sie erlebe selbst, wie komplex der persönliche Weg im Verhältnis zur Kirche sein könne. „Daher bin ich gerne bereit, zuzuhören, nachzufragen und so eine eventuelle Entscheidung zu begleiten.“
Interessierte finden die Kontakte zu den Ansprechpersonen auf der Homepage zur Aktion: https://siesindnichtegal.de/Limburg.