Limburg, 18.05.2026
Mit Mut auf dem Katholikentag
Mit dabei war auch das Bistum Limburg. Neben einem Stand auf der Kirchenmeile, an dem es Mutproben zu bestehen, ein Quiz zu absolvieren oder die Möglichkeit gab, ein Foto in der Fotobox zu machen, gestalteten Mitarbeitende des Bistums verschiedene Workshops, Angebote oder waren Gäste bei Podiumsdiskussionen.
Bischof Bätzing im Gespräch mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer
Bischof Georg Bätzing war Gast bei der Podiumsdiskussion von Publik Forum. Im Gespräch ging es um Glauben in der Gegenwart, den Umgang mit Rechtsextremismus, die Rolle von Frauen in der Kirche, Künstliche Intelligenz und die Hoffnung auf eine synodale Kirche der Zukunft. Dabei machte Bätzing deutlich: „Die Gegenwart ist nicht der Feind des Evangeliums.“ Bei einer weiteren Podiumsdiskussion mit dem Titel „Es muss sich was ändern!“ diskutierte der Limburger Bischof mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer, Bundestagsabgeordneter Franziska Hoppermann und dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer über gesellschaftliche Transformationsprozesse in Staat und Kirche. Moderiert wurde das Podium von Journalist Robin Alexander.
Der Stand des Netzwerks Diakonat der Frau lud zu einer Gesprächsrunde mit dem Bischof ein. „Es ist für uns sehr wichtig, jemanden wie Bischof Bätzing an unserer Seite zu wissen“, bekräftigte die Vorstandsvorsitzende Dr. Jutta Mader-Schömer. Er sei eine stetige Ermutigung, gerade wenn es im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Thema zu Kränkungen und Verletzungen komme. Bätzing selbst berichtete, dass die Frage zum Frauendiakonat keine rein deutsche Frage mehr sei. Er habe bei der Weltsynode Frauen von vier Kontinenten erlebt, die von ihrem Zeugnis gesprochen haben. „Die wollen, dass unsere Kirche ein diakonisches Gesicht bekommt und gestalten Kirche auch schon so“, erklärte Bätzing. Selbst der Papst würde das Thema bereits behandeln. „Der sagt, es ist noch nicht so weit, aber das heißt ja es kann eine Zeit kommen, in der wir das Amt des Diakons für die Frau öffnen.“
Zudem feierte der Bischof von Limburg einen Generationen-Gottesdienst mit der Caritas, nahm am Abschlussgottesdienst am Sonntag teil und besuchte viele der Stände auf der Kirchenmeile.
Social Media als Seelsorgeformat
Jan Kuhn vom Fachteam Kirchenentwicklung des Bistums Limburg leitete gemeinsam mit Eva Gutschner aus dem Bistum Osnabrück einen Workshop zum Thema „TikTok, Instagram und wir – Glaubenskommunikation in einer digitalisierten Gesellschaft“. Sie machten deutlich, dass Social Media ein Teil der Lebensrealität der Menschen ist und die Kirche dort auch stattfinden müsse. Es gebe bereits viele Kanäle zu ganz unterschiedlichen Themen und das mache Social Media so spannend. „Ich habe auf Instagram so viele Kanäle entdeckt und Impulse bekommen – das hat mich mehr Richtung Glauben gebracht als die Pfarreiarbeit vor Ort“, sagte eine der Teilnehmerinnen. Wichtig sei es, sagte Gutschner, sich bewusst zu machen, wer die Zielgruppe ist und immer wieder auszuprobieren. „Wir wollen nicht nur unsere eigenen Mitglieder ansprechen, sondern auch die, die auf der Suche sind“, erklärte sie. Es sei ein Stück Seelsorge im digitalen Raum.
Kirchliches Handeln muss glaubwürdig bleiben
Zudem nahm Jan Kuhn an einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Kirche als Hoffnungsquelle in einer säkularisierten Welt – Welche Bedeutung kann die Kirche heute haben?“ teil. Mit auf dem Podium saßen Ralph Brinkhaus, Mitglied des Bundestags, der Würzburger Bischof Franz Jung, Christina Kumpmann, Exegetin und geistliche Leiterin des Netzwerks Christsein.heute und Jan Loffeld, Pastoraltheologe aus den Niederlanden. Die Diskussion machte deutlich, dass Kirche auch unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen Räume für Sinnsuche, Gemeinschaft und Hoffnung eröffnen kann. Zugleich ging es darum, wie kirchliches Handeln glaubwürdig bleiben und Menschen in unterschiedlichen Lebensrealitäten erreichen kann.
Mehr Inklusion in der Kirche
Bei der Werkstatt „Gottesdienste für alle. Praktische Hilfen für mehr Inklusion in unserer Kirche“ gaben Jochen Straub, Seelsorger für Menschen mit Behinderung im Bistum Limburg, und Anja Fecke, Diözesanbeauftragte für Seelsorge für und mit Menschen mit Behinderung im Erzbistum Paderborn, praxisnahe Einblicke in eine inklusivere Liturgie. Die Veranstaltung setzte ein deutliches Zeichen für einen inklusiven Katholikentag und zeigte, wie Kirche allen Menschen offen und zugänglich begegnen kann. Im Mittelpunkt standen niedrigschwellige Ansätze für Gottesdienste, Materialien in leichter Sprache sowie konkrete Anregungen für die pastorale Praxis in den Pfarreien.
Straub betonte: „Möglichst niederschwellig Menschen einzuladen, ihr Recht auf Religion zu leben – unabhängig, ob behindert oder nicht behindert –, das ist für mich der entscheidende Punkt.“ Und er ergänzte mit Blick auf die Praxis: „Ich glaube, die Teilnehmenden nehmen drei Dinge mit: Erstens, inklusive Liturgie ist einfach und muss keine Angst machen. Zweitens, sie kann sogar Freude bereiten und hat mit Freude am Glauben zu tun. Drittens, es gibt ganz konkretes Handwerkszeug und Materialien, an denen man sich orientieren kann.“
Kirche und Sexualität
Katharina Döring vom Fachteam Lebensbegleitende Seelsorge im Bistum Limburg leitete einen Workshop zum Thema „Sexualität – ein Teil von uns allen. Von ihr wissen und über sie sprechen“. „Im Mittelpunkt stand die Dimensionen der Sexualität – Lust, Fruchtbarkeit, Identität und Beziehung“, erklärte Döring. „In der sexuellen Bildung gehen wir davon aus, dass uns die so genannte allgemeine Lebensenergie tagtäglich von Geburt an begleitet und uns auch in allen Lebenslagen Kraft gibt.“ Fruchtbarkeit könne dabei bedeuten, Kinder zu bekommen, es sei jedoch genauso fruchtbar, Menschen zu befähigen und so zur Gemeinschaft beizutragen. Im Workshop ging es vor allem darum, sich mit den Dimensionen der Sexualität auseinanderzusetzen und darüber auszutauschen.
Einsamkeit betrifft alle Generationen
Einsamkeit stand bei einem Workshop mit Sonja Sailer-Pfister, Fachteam Diakonische Seelsorge im Bistum Limburg, im Mittelpunkt. „Das Thema Einsamkeit gewinnt eine immer größere Bedeutung und gesellschaftliche Resonanz. Einsamkeit ist nicht nur ein Thema und ein Problem für Menschen im höheren Alter, sondern betrifft alle Generationen vor allem die Altersgruppe zwischen 19 und 27“, sagt Sailer-Pfister. Es ging im Workshop um eigene Erfahrungen und Beobachtungen. Besonders kontrovers wurde der Zusammenhang von Social Media und Einsamkeit diskutiert. „Wichtig ist, dass in Zukunft Begegnungsorte geschaffen werden, Orte, an dem man Menschen trifft. Dies kann durchaus auch digital, über Apps organisiert werden“, sagte Sailer-Pfister. Organisiert wurde der Workshop vom Bundesforum für katholische Seniorenarbeit, ein Zusammenschluss der Beauftragten und Referentinnen und Referenten der Bistümer für Altenpastoral, Altenpflegepastoral, Altenheimseelsorge, Seniorenarbeit oder Demenz.
Vielfalt in der Kirche
Die Vielfalt in der Kirche thematisierten queere Christinnen und Christen bei einem gemeinsamen Gottesdienst. Gebete, Texte und Musik griffen Themen wie Zugehörigkeit, Hoffnung und Gemeinschaft auf. Queere Christinnen und Christen erzählten von ihren Erfahrungen und es ging um die Frage, wie Kirche ein Ort sein kann, an dem Menschen in ihrer Vielfalt angenommen und begleitet werden. Clara Vogel und Thomas Klima von der Jugendkirche Kana in Wiesbaden gestalteten den Gottesdienst musikalisch.