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Hofmein, 29.05.2026

Kirche kann Zukunft nur gemeinsam gestalten

Die Zukunft der Kirche wird ökumenischer sein – oder sie wird an Wirksamkeit verlieren. Diese Überzeugung hat Bischof Dr. Georg Bätzing bei seiner Visitation der katholischen Region Taunus deutlich gemacht. Bei einem Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der evangelischen Dekanate Hochtaunus und Kronberg sagte der Limburger Bischof: „Wir werden nur wirksam sein können als Christinnen und Christen, wenn wir die Kooperationen suchen.“

Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Herausforderungen, vor denen beide Kirchen stehen: sinkende Kirchenbindung, weniger Ressourcen, gesellschaftliche Polarisierung und die Frage, wie die christliche Stimme in Gesellschaft und Politik hörbar bleibt. Zugleich wurde deutlich, wie viel ökumenische Zusammenarbeit in der Region bereits selbstverständlich gelebt wird – von gemeinsamen Gottesdiensten über die Jugendarbeit bis hin zu gesellschaftlichen Initiativen.

„Ich glaube, dass wir besonders stark sind und auch orientierend wirken können, wenn wir gemeinsam auftreten“, betonte Bätzing. Gerade in einer Region, die vielerorts evangelisch geprägt sei, komme der gemeinsamen christlichen Präsenz besondere Bedeutung zu.

Verständigungsorte für die Gesellschaft

Wichtig im Gespräch war die Frage, welchen Beitrag die Kirchen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten können. Die Dekanin des Evangelischen Dekanats Hochtaunus, Dr. Juliane Schütz, verwies auf die hohe Wertschätzung, die Kirchen nach wie vor in Politik und Gesellschaft erfahren.

Bätzing sprach von einem neuen Interesse gesellschaftlicher Akteure an den Kirchen. „Die Not ist auf vielen Seiten groß. Deshalb suchen Menschen nach Partnern, die Gesellschaft positiv mitgestalten wollen“, sagte er.

Geschätzt werde die Rolle der Kirchen als Orte des Dialogs. Christen könnten Räume schaffen, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen und gesellschaftliche Spannungen konstruktiv bearbeiten. „Wir haben viel mehr Möglichkeiten, Menschen miteinander in Verbindung zu bringen, als wir derzeit nutzen“, sagte der Bischof.

Gemeinsam über Gebäude und Ressourcen nachdenken

Ein weiteres zentrales Thema waren die Immobilienprozesse beider Kirchen. Die Teilnehmenden schilderten die emotionalen Herausforderungen, die mit Veränderungen bei Kirchen und Gemeindehäusern verbunden sind.

Bätzing warb dafür, zukünftige Entwicklungen stärker gemeinsam zu betrachten. „Eigentlich müssten wir in unseren Dörfern und Städten mindestens zu dritt schauen: Kirche, Kirche und Kommune“, sagte er. Ziel müsse es sein, Chancen für gemeinsame Nutzungskonzepte frühzeitig zu erkennen und keine Möglichkeiten zu verpassen.

Chancen in Schule und Jugendarbeit

Großes Potenzial sehen beide Konfessionen in einer engeren Zusammenarbeit in Schulen und der Jugendarbeit. Als gelungenes Beispiel wurde der konfessionell-kooperative Religionsunterricht genannt.

Kornelia Weber berichtete von ihren Erfahrungen als Religionslehrerin: „Wenn Kinder erfahren, was Erstkommunion bedeutet, was evangelische Kinder feiern oder welche Feste andere Religionen kennen, dann ist das ein großer Schatz.“

Auch gemeinsame Projekte in der Jugendarbeit sollen künftig weiterentwickelt werden.

Ökumene als gemeinsamer Weg

Für Bätzing ist Ökumene kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein gemeinsamer Weg. „Wir sind der Überzeugung, dass die Ökumene prozesshaft unterwegs ist“, sagte er. Einheit wachse durch gemeinsames Handeln, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Stephan Schnelle

Pressesprecher

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