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Frankfurt, 04.06.2026

Vom wohltuenden Warten

Am Donnerstag hat Bischof Georg Bätzing gemeinsam mit einigen hundert Gläubigen und sicher auch dem ein oder anderen Zufallsgast Fronleichnam auf dem Frankfurter Römerberg gefeiert. Der würdevolle katholische Ritus sorgt dabei stets auch bei Außenstehenden für Interesse.

Den Wert eines gemeinsamen Mahls, die Vorfreude auf gemeinsames Essen, mithin das Warten auf einen besonderen Genuss, hat der Bischof von Limburg, Georg Bätzing, als wichtige menschliche Erfahrung von Gemeinschaft hervorgehoben. In seiner Predigt zum Fest Fronleichnam auf dem Frankfurter Römerberg, sagte er am Donnerstag, 4. Juni, so wie in der Familie das Warten „auf das gemeinsame Essen an einem Tisch und zur vereinbarten Zeit“ besondere Nähe untereinander entstehen lasse, so wolle die Mahlfeier, die Eucharistie, in jedem Gottesdienst die christliche Gemeinschaft stärken.

„Erst das Warten macht die Eucharistie zu einer kostbaren Feier“, sagte der Bischof vor mehreren hundert Gläubigen. Wichtige Elemente im Gottesdient seien deshalb das „nüchterne Warten“, das Hören auf Gottes Wort, die Fürbitten, die den Blick weiteten auf die Menschen, „denen Nötiges zum Leben fehlt“,   die Kollekte als Geld- und Gabenspende zur Unterstützung Bedürftiger, ebenso wie das große Dankgebet an Gott. Essen und nüchternes Warten gehörten, so der Bischof, zusammen und seien „wahrhaftig eine der größten menschlichen Kulturleistungen – sogar mit einem über alles Irdische hinausweisenden Zugewinn: Denn nichts, was uns hier satt macht, reicht für immer.“

Endlich werden alle genährt

So stehe auch die traditionelle Fronleichnamsprozession, die Bischof und Gläubige durch die Frankfurter Altstadt am Main entlang in den Kaiserdom St. Bartholomäus führte, für das „wohltuende Warten, Betrachten, Auskosten und Staunen über den Leib des Herrn“. Mit einem solchen Festmahl könnten „endlich alle mit dem Lebensnotwendigen genährt werden: mit Brot, Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit, liebevoller Annahme, mit Trost und Schutz.“ Damit sei die Fronleichnamsprozession eine „Demonstration des Glaubens und der Herzen“.

Zuvor hatte Christiane Moser-Eggs, Ko-Leiterin der katholischen Stadtkirche, die Gläubigen begrüßt und der Stadt Frankfurt gedankt, „dass wir öffentlich und vor aller Augen unseren Glauben bekunden dürfen“. Es sei alljährlich eine besondere Erfahrung, „wenn Christus in Gestalt des Brotes durch die Straßen in den Alltag der Menschen getragen“ werde. 

Hilfe für Kriegsgebiete

Die Kollekte des großen Fronleichnamsgottesdienstes, zu dem alle katholischen Kirchengemeinden der Frankfurter Innenstadt eingeladen hatten, war für die Caritas katholischer Gemeinden in Kriegsgebieten und für die Sozialarbeit der Kapuziner in Nordalbanien bestimmt.

Im Anschluss an Gottesdienst, Prozession und eucharistischen Segen im Dom feierten die Gläubigen bei Speisen, Getränken und Musik im benachbarten Pfarrgarten. Auch hier war oftmals Warten angesagt, bildeten sich doch rasch lange Schlangen an den Essens- und Getränkeständen. „Wie der Bischof gesagt hat: das Warten erhöht die Vorfreude und damit den Genuss“, meinte einer der Gäste lachend, als er endlich Teller und Gläser zum Tisch balancieren konnte, an dem schon Freunde und Bekannte auf das stärkende Mahl warteten.

Text und Bilder:
Doris Wiese-Gutheil

Hintergrund

Fronleichnam wird 60 Tage nach Ostern, also am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, gefeiert. Das katholische Hochfest erinnert an die Einsetzung der Eucharistie, die Mahlfeier, die die Gegenwart Jesu Christi in Brot und Wein im Gottesdienst lebendig werden lässt. Traditionell gehört zum Fest die Fronleichnamsprozession, eine eucharistische Prozession, in der das Allerheiligste, die geweihte Hostie, in einer kostbaren Monstranz unter einem schmuckvollen Baldachin durch die Straßen getragen wird. Sie gilt auch als öffentliches Bekenntnis des Christseins und Bild einer pilgernden Kirche, die mit Christus unterwegs ist. (dw)

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