Limburg
Wir haben einen, der mitfühlen kann
Mit Blick auf die vielen Kriegen, Krisen und persönlichem Leid warnte der Bischof von Limburg vor einer zunehmenden „Mitgefühlsmüdigkeit“ in der Gesellschaft.
„Zu viel, es ist einfach zu viel“, sagte Bätzing angesichts der zahlreichen Krisenherde weltweit. Noch ein neuer Krieg, anhaltende Gewalt in verschiedenen Regionen der Welt und das Leid unzähliger Menschen – all das überfordere viele. „Es ist einfach zu viel, um innerlich Anteil zu nehmen“, so der Bischof.
Er beschrieb damit ein Gefühl, das viele Menschen kennen: eine zunehmende emotionale Distanz gegenüber dem Leid anderer. „Bei solcher Abstumpfung gegenüber dem Leid anderer spricht man von ‚Compassion fatigue‘ – Mitgefühlsmüdigkeit“, erklärte Bätzing. Diese äußere sich in Gleichgültigkeit, innerer Leere und dem Rückzug aus dem Mitgefühl. Nicht wenige seien des vielen Elends müde. Sie machten innerlich dicht und schotteten sich ab.
Jesus bleibt mitfühlend - selbst im Leiden
Dem stellte der Bischof das Beispiel Jesu Christi gegenüber. Gerade in den Stunden seines Leidens zeige sich eine Haltung, die bis heute herausfordere. „Wenn ich den Passionserzählungen glauben darf, dann hat Jesus selbst in den bittersten Stunden seines Leidens das Mitleiden nie aufgegeben“, sagte Bätzing.
Er erinnerte an konkrete Szenen aus der Passion: Bereits bei seiner Verhaftung habe er sich schützend vor seine Jünger gestellt und auf dem Kreuzweg habe er Mitgefühl gezeigt, in dem er sagte: „Töchter Jerusalems, weint nicht über mich; weint über euch selbst und eure Kinder.“ Selbst am Kreuz bleibe diese Haltung bestehen. „Wie wach und fürsorglich wendet sich der Gefolterte seiner Mutter und dem Jünger Johannes zu“, so der Bischof. Und mit Blick auf den mitgekreuzigten Verbrecher hob er hervor: „Unübertroffen mitfühlend ist das erlösende Versprechen: ‚Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein‘.“
Aus dieser Perspektive sei die christliche Botschaft eine Einladung zur Hoffnung. „Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen“, zitierte Bätzing den Hebräerbrief. Jesu Haltung sei dabei kein Zufall, sondern habe eine klare Quelle. „Worin liegt sein Geheimnis?“ fragte der Bischof und gab selbst die Antwort: im tiefen Vertrauen auf Gott. Jesus habe sein Leben und Leiden bewusst in Gottes Hände gelegt: „Herr, mein Gott bist du. Bei dir habe ich mich geborgen. In deine Hände lege ich meinen Geist.“
Jesus hat sein Leiden nicht gewählt. Er folgte seiner Berufung, Menschen für einen gütigen, barmherzigen, mitfühlenden Gott zu gewinnen Quelle: Bischof Georg Bätzing
Große Liebe und die Bereitschaft zu leiden
Jesu Weg sei untrennbar mit seiner Sendung verbunden. „Jesus hat sein Leiden nicht gewählt. Er folgte seiner Berufung, Menschen für einen gütigen, barmherzigen, mitfühlenden Gott zu gewinnen“, so der Bischof.
Mit Blick auf die Gegenwart ermutigte der Bischof dazu, die eigene Müdigkeit nicht zu verdrängen, sondern bewusst wahrzunehmen. „Wir dürfen ehrlich zugeben, wie ermüdet wir sind, zu matt und zu kraftlos, um die nötige Empathie aufzubringen“, sagte Bätzing.
Gleichzeitig eröffne der Glaube einen Weg, neu Kraft zu schöpfen. Er verwies auf die Bedeutung von Gebet, Stille und innerer Sammlung. „Es empfiehlt sich, die Leidenschaft Jesu für andere im Gebet einzuüben: Aufmerksamkeit, Besinnung, Schauen und Lauschen“, riet der Bischof.
Gebet als Ausdruck weltweiter Verbundenheit
Die Großen Fürbitten der Karfreitagsliturgie seien mehr als ein traditioneller Bestandteil des Gottesdienstes. „Sie sind Ausdruck unserer mitfühlenden Sorge“, erklärte Bätzing und ergänzte: „Wir beten nicht nur für uns, sondern für die vielen, die anders sind, anders leben, anders glauben, anders leiden als wir.“ Dieses Gebet stifte eine tiefe Verbundenheit über alle Grenzen hinweg.