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Limburg, 24.04.2026

Mit dem Flirtkorb im Supermarkt

Der rosa Einkaufskorb ist zum Flirten da. Trotzdem greift Pfarrer Andreas Fuchs beim Einkaufen regelmäßig zum "Flirtkorb".

Ein Freitagmorgen in Wirges, zehn Uhr. Im Hüter-Einkaufszentrum, einem Supermarkt, ist schon reger Betrieb. Viele Leute schieben ihre Einkaufswagen durch die Gänge. Bewaffnet mit einem rosafarbenen Korb geht an diesem Freitag auch Pfarrer Andreas Fuchs aus der Pfarrei St. Bonifatius Wirges zum Einkaufen. Ein rosafarbener Korb? Den stellt der Einkaufsmarkt zur Verfügung. Dieser Korb signalisiert, dass die Person, die mit ihm einkaufen geht, bereit ist, angesprochen zu werden. „Flirtkorb“ steht darauf. Personen im echten Leben kennenzulernen, das ist das Ziel. Auf einem großen Roll-Up wird das System erklärt. „Heute schon geflirtet?“ ist darauf zu lesen. Der Korb sei mehr als nur ein Einkaufshelfer, er sei ein kleiner Liebesbote. Der echte Moment zähle.

Ein Pfarrer mit einem Flirtkorb? „Eigentlich ist es ein Flirtkorb, aber dieser Flirtkorb zeigt ja, dass die Person auf Kontakte aus ist. Jetzt muss ich nicht flirten, aber der Korb zeigt dem Gegenüber, da ist jemand, der ist ansprechbar. Ist also auf Kontakte aus,“ erklärt Andreas Fuchs. „Und genau das möchte ich signalisieren. Ich möchte nicht flirten mit den Leuten, aber was Gutes sagen schon. Also Leuten Komplimente machen oder zuhören oder einfach was Gutes mit auf den Weg geben. Ich glaube, das verträgt der rosa Korb dann auch.“

Der Wunsch, dass Menschen einander begegnen

Seit Sommer 2025 gibt es die rosa Körbchen im Supermarkt. Fuchs hat die Aktion bei der Segnung der neuen Geschäftsräume zum ersten Mal wahrgenommen. „Die Betreiber des Supermarkts bieten ein Angebot, bei dem Menschen einander begegnen können. Das ist ja genau das, was ich als Vertreter der Kirche auch möchte, dass Menschen einander begegnen. Und wenn ich dann für Begegnung sorge, indem ich einfach solch einen Korb nehme, wenn ich sowieso einkaufen gehe, dann fühle ich mich im wahrsten Sinne des Wortes ansprechbar oder auf Begegnung aus.“

Beim Obstregal geht es um die anstehende Reise des Pfarrers, etwas weiter hinten, beim Gemüse, trifft er auf einen älteren Herrn, der seit langer Zeit mal wieder allein einkaufen muss. Hier und da ist Thema, wann er welchen Gottesdienst hält. Oftmals sei es der Smalltalk mit den Menschen, aber zwei Mal habe er sich auch schon im Nachhinein mit den Personen zu einem Gespräch getroffen. „Es kam zu einem ersten Kontakt durch den rosa Korb, aber man hat deutlich gemerkt, dass es im Supermarkt nicht das richtige Setting für das Gespräch ist – wo jeder vorbeiläuft und zuhören kann.“ Es könne aber auch mal sein, dass man sich „festschwätze“. „Dabei geht es aber nicht um tiefgreifende Glaubensgespräche, sondern eher die Dinge, die die Menschen gerade so bewegen“, sagt Fuchs.

Die erste Runde mit dem rosa Körbchen

Andreas Fuchs ist bekannt. Und als er das erste Mal das rosa Körbchen zur Hand genommen hat, war es für ihn schon ein komisches Gefühl, erzählt er. „Ich habe gedacht: Spricht dich denn einer an jetzt oder ist da hinterher noch jemand auf ein Date aus oder so. Aber das war es wahrhaftig und wirklich nicht. Dafür bin ich dann wahrscheinlich auch in der kurzen Zeit, in der ich in der Pfarrei bin, dann doch schon sehr bekannt. Es führte aber zu interessanten Blicken bei dem ein oder anderen, zumindest als das neu war.“

Zwei Reaktionen hat der Pfarrer bei seiner ersten Runde mit Flirtkorb identifiziert. „Die eine Reaktion bestand im Gucken, das Fixieren des Korbes und dann der Blick, der nach oben wanderte ins Gesicht, und dann ein Lächeln oder ein schnelles Wegschauen, wenn ich dann auch den Menschen angeguckt habe, der mir auffiel, weil er so an mir hochschaute“, erzählt Fuchs. Die zweite Reaktion sei eher eine spaßige gewesen. „‘Herr Pfarrer, was wollen sie denn mit dem rosa Korb, ich denke, es gibt den Zölibat.‘ Das war die andere Reaktion, aber auch immer mit einem Lächeln und das ließ sich ja dann ganz leicht erklären“, sagt er.

Zeit für’s Gespräch ist immer eingeplant

Wann immer Andreas Fuchs einkaufen geht, nimmt er diesen Flirtkorb zur Hand. Damit zeigt er einmal mehr, dass er ansprechbar ist und hat für seine Einkäufe auch mehr Zeit eingeplant. Wann genau der Pfarrer im Supermarkt anzutreffen ist, das ist jedoch Glückssache. Bestimmte Einkaufszeiten hat er nämlich nicht. Und wenn es mal schnell gehen muss, dann nutzt er die „Randzeiten“, gibt er zu. Wenn nicht so viele Menschen unterwegs sind, dann ist er häufig schneller mit dem Einkauf fertig.

Felicia Schuld

Chefin vom Dienst, Redakteurin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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