Bad Homburg, 29.04.2026
Lieblingstag bei Leih-Oma Gertrud
Ella (7) lebt mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder Linus (4) in Bad Homburg. Ihre Großeltern wohnen nicht in der Nähe: Ein Teil ist bereits verstorben, der andere lebt weit entfernt im Raum Hamburg. Dadurch gibt es nur wenig Kontakt, und eine regelmäßige Beziehung zu den Großeltern im Alltag ist kaum möglich.
Seit drei Jahren hat sich nicht nur etwas im Alltag von Ella und Linus verändert, sondern für die ganze Familie. Ihre Eltern haben im Kindergarten vom Projekt „Leih-Oma / Leih-Opa“ erfahren und sich bei Gemeindereferentin Verena Nitzling, der Projektleitung, beworben, um eine Leih-Oma oder einen Leih-Opa für ihre Familie zu finden. Das Projekt gehört zur Pfarrei St. Marien in Bad Homburg-Friedrichsdorf.
Gertrud (67) hatte sich ebenfalls bei der Projektkoordination gemeldet. Sie war gerade in Rente gegangen, hat keine eigenen Kinder und wollte etwas Gutes tun, Zeit schenken und das Gefühl haben, gebraucht zu werden.
Gemeinsam den Alltag bestreiten
Und dann trafen Ella, Linus und ihre Eltern auf Gertrud. Aus dem ersten Kennenlernen wurde schnell etwas Vertrautes. Aus der Idee, sich zu bewerben, wurde eine Begegnung, die bis heute lebendig ist. Gertrud wurde Teil ihres Alltags.
Über die gemeinsame Zeit und ihre Erfahrungen mit ihrer Leih-Oma erzählt nun Ella selbst, die sie „Leih-Oma Gertrud“ nennt. "Jeden Mittwoch ist bei uns ,Leih-Oma-Gertrud-Tag'. Entweder klingelt es am Nachmittag bei uns zu Hause und wir freuen uns, dass Leih-Oma Gertrud da ist, oder sie holt mich vom Hort ab. Dann holen wir gemeinsam Linus aus dem Kindergarten ab und gehen nach Hause. Auf dem Weg erzähle ich ihr alles, was in der Schule passiert ist. Sie hört zu und fragt auch, wie es mir geht. Manchmal gehen wir auf den Spielplatz oder spielen zu Hause. Leih-Oma Gertrud backt mit uns Kuchen, liest Bücher vor, baut mit uns Lego oder erzählt von früher, wie es war, als sie selbst ein Kind war. Meistens sind Linus und ich beide da. Es ist aber auch schön, wenn ich sie mal für mich alleine habe – zum Beispiel, wenn Linus zum Arzt muss. Linus hat die Leih-Oma für sich allein, wenn ich zum Beispiel auf einem Kindergeburtstag eingeladen bin.
Manchmal sind Linus und ich auch allein mit Leih-Oma Gertrud. Dann kann Mama in Ruhe einkaufen gehen und Papa ist noch auf der Arbeit. Oder unsere Eltern sind zu Hause und arbeiten im Homeoffice – und wir haben unsere Leih-Oma, mit der wir spielen können. Das Tolle ist: Leih-Oma Gertrud hat Zeit und ist einfach da. Mama und Papa müssen oft noch nebenbei etwas erledigen: „Gleich, Ella“ oder „Linus, warte kurz“. Auch zu Hause bei ihr waren wir schon. Sie hat zwar keine Spielsachen, aber wir haben uns mit Decken und Kissen eine Höhle gebaut.
Ich male ihr oft Bilder, die bei ihr am Kühlschrank hängen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Neulich war ihre Waschmaschine kaputt, da hat mein Papa sie repariert und ihr auch ihr neues Handy erklärt. Wir laden Leih-Oma Gertrud auch zu unseren Geburtstagen ein. Sie gehört inzwischen dazu. Manchmal unternehmen wir sogar am Wochenende etwas zusammen – mit Mama, Papa, Linus und meiner Leih-Oma Gertrud. An Ostern waren wir gemeinsam im Zoo.
Gerade ist sie zwei Wochen im Urlaub. Sie hat uns aber schon eine Postkarte geschickt. Ich freue mich schon, wenn sie nächste Woche wiederkommt. Dann verbringen wir wieder einen schönen Nachmittag zusammen. Neulich haben wir Frau Nitzling auf der Straße getroffen. Wir haben ihr erzählt, wie glücklich wir sind, dass wir Leih-Oma Gertrud gefunden haben. Sie sagte, dass viele Familien aus Bad Homburg und Friedrichsdorf noch warten und sich eine Leih-Oma oder einen Leih-Opa wünschen – und dass dringend neue Leih-Omas und Leih-Opas gesucht werden. So ist das mit unserer Leih-Oma Gertrud. Und ich finde, das ist etwas ganz Besonderes."
So wie bei Ella und ihrer Familie entstehen durch das Projekt neue Beziehungen, die den Alltag für beide Seiten bereichern. Ellas Erfahrung steht dabei beispielhaft für viele Familien und Leih-Großeltern im Projekt.
Drei Jahre Projekterfahrung zeigen etwas Wichtiges: Nicht alle Kinder haben Großeltern in der Nähe. Nicht alle Familien haben Unterstützung im Alltag. Aber durch dieses Projekt entstehen neue Beziehungen, die wachsen.
Interessierte Omas und Opas sowie Familien können sich an Verena Nitzling wenden, telefonisch unter 0157 75237770 oder per Mail an v.nitzling@badhomburg.bistumlimburg.de.