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Limburg, 02.04.2026

Gründonnerstag – das Abendmahl

An Gründonnerstag trifft Jesus mit den Jüngern zusammen und feiert das letzte Abendmahl. Zentral ist dabei auch die Szene der Fußwaschung.

Gründonnerstag aus der Perspektive des Handtuchs

Ich hing gefaltet in der Kammer. Leinen, grob gewebt, so wie alle meinesgleichen – nützlich, wenn man mich braucht, unsichtbar, wenn nicht. Ein Handtuch hat keine Erwartungen. Man nimmt uns, man legt uns weg, das ist es.

Dann kam der Abend, der anders war.

Viele Menschen kamen zusammen. Sie setzten sich zu Tisch, wie es Sitte war und ich dachte: ein gewöhnliches Mahl. Brot, Wein, Stimmengewirr. Jemand würde mich vielleicht brauchen, um einen verschütteten Tropfen aufzuwischen. Das war meine Welt.

Dann stand er auf.

Ich habe Hände gesehen in meinem Leben – arbeitende Hände, hastige Hände, gleichgültige Hände. Seine Hände nahmen mich anders. Behutsam, fast als wäre ich etwas Kostbares. Er schlang mich um seine Hüften wie eine Schürze, füllte eine Schüssel mit Wasser und ich verstand noch immer nicht.

Bis er sich vor den Ersten kniete.

Ein Raunen ging durch den Raum. Ich spürte es – so wie Leinen das Zittern der Luft spürt. Denn das tat man nicht. Man kniete nicht vor seinen Freunden. Man kniete nicht vor Menschen, die man führte. Das war die Arbeit der Niedrigsten, das Fußwaschen, das Wegwischen des Staubs der Straßen – und er tat es. Kniend. Schweigend.

Einer wehrte sich lautstark. Petrus, sie nannten ihn so, ein breiter Mann mit einer Stimme wie ein Mühlstein: „Niemals wirst du meine Füße waschen.“ Die Worte standen im Raum wie Steine.

Er antwortete ruhig. Ich war zu nah, um nicht zu hören, um nicht zu verstehen: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Teil an mir.“

Dann gab Petrus nach. Wie ein Fels nachgibt, wenn das Wasser lang genug fließt.

Ich tat meine Arbeit. Fuß um Fuß – müde Füße, staubige Füße, Füße von Fischern und Zöllnern und Menschen, die jahrelang auf Schotter und Hitze gelaufen waren. Ich trocknete sie alle.

Auch die Füße von dem, den er dann anschaute. Judas. Ich weiß nicht, was ich spürte unter diesem Blick – ich bin ein Handtuch, ich sollte nichts spüren. Aber dieser Mann hatte kalte Füße. Nicht die Kälte der Nacht. Eine andere.

Er wusch sie trotzdem. Genau so. Genau so behutsam.

Als er mich ablegte, war ich schwer von Wasser und Staub aller. Er trocknete seine eigenen Hände zuletzt – ruhig, langsam, als wollte er den Moment festhalten.

Dann sprach er zu ihnen, lange, von Dingen, die ich nur halb verstand. Von Brot, das sein Leib sei. Von Wein, der sein Blut sei. Von einem, der ihn verraten würde noch in dieser Nacht. Die Menschen sahen sich an, fragten einander mit den Augen: „Bin ich es? Bin ich es?“

Ich lag in der Ecke und war nass und dachte an seine Hände.

Ein Handtuch erinnert sich nicht. Man wäscht es aus und es ist wieder weiß, wieder leer, wieder bereit.

Aber dieser Abend hat sich nicht auswaschen lassen.

Ich trage den Staub von den vielen Füßen noch immer. Und die Stille, die im Raum blieb, als er fertig war und sie alle ansah – diese Stille, die schwerer war als das ganze Wasser in meinen Fasern.

Er hatte ihnen gezeigt, was Größe ist.

Mit mir.

Felicia Schuld

Chefin vom Dienst, Redakteurin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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