Frankfurt, 15.04.2026
Zu Gast beim Frankfurter Presseclub
In zentrales Thema des Gespräches war der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland. Für Bätzing ist klar: Ohne echte Beteiligung werde Kirche keine Zukunft haben. „Synodalität ist Beteiligung als echte Partizipation, ist Transparenz, ist Rechenschaft, ist gemeinsame Beratung und Entscheidung“, sagte er. Und weiter: „Das, was alle angeht, soll von allen entschieden werden.“ Zugleich betonte der Bischof die spezifisch katholische Dimension: „Am Ende ist es immer der Bischof, der Recht setzt und einen Beschluss in Recht umsetzt“, erklärte Bätzing. Diese Spannung zwischen gemeinsamer Beratung und bischöflicher Verantwortung sei kein Widerspruch, sondern konstitutiv für die katholische Kirche. Im Bistum Limburg habe sich dieses Modell bewährt: „Ich habe noch nie einen Beschluss nicht angenommen – weil ich Teil der Diskussion bin.“
Die nächsten zehn Jahre werden entscheidend
Deutlich wurde auch: Der strukturelle und inhaltliche Wandel der Kirche wird sich weiter beschleunigen. „Die Volkskirche, wie wir sie kennen, gibt es nicht mehr“, sagte Bätzing. Für das Bistum Limburg bedeute das konkrete Einschnitte: „Wir werden unseren Haushalt strukturell um etwa 30 Prozent reduzieren müssen – das sind rund 100 Millionen Euro im Jahr“, stellte Bätzing klar. Gleichzeitig sieht der Bischof darin auch eine Chance zur Konzentration auf den Kernauftrag. „Wir müssen uns künftig stärker darum kümmern, dass das christliche Zeugnis in einer säkularen Welt verständlich zu Gehör gebracht wird“, so der Bischof.
„Kein Blabla – es muss die Herzen treffen“
Besonders eindrücklich sprach Bätzing über die Bedeutung der Verkündigung. Gute Predigten seien entscheidend für die Qualität von Gottesdiensten: „Man muss mit dem Evangelium gelebt haben – und dann etwas davon weitergeben. Dann trifft man die Herzen von Menschen.“ Predigen sei für ihn ein hohes Privileg – und zugleich große Verantwortung.
Mit Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen äußerte sich Bätzing besorgt über den wachsenden Einfluss populistischer Kräfte. „Das ist eine hochgefährliche Situation“, sagte er mit Blick auf Wahlerfolge der AfD. Besonders kritisch sieht er die Vereinnahmung religiöser Begriffe, denn es werde versucht, den christlichen Glauben für völlig unchristliche Ziele zu okkupieren. Sein klares Kriterium: „Wo Menschen in mehr oder weniger wertvoll eingeteilt werden – da ist eine Grenze überschritten.“ Zugleich plädierte er für Dialog statt Abschottung. „Wir sind gut im Positionieren – aber nicht gut genug darin, mit Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagte Bätzing.
Nicht Parteipolitik – aber Orientierung
Auf die Frage nach politischem Einfluss antwortete Bätzing differenziert: „Wir machen keine Parteipolitik. Aber in Fragen des Menschenbildes positionieren wir uns.“ Dabei gehe es nicht um Macht, sondern um Orientierung. „Menschen erwarten von uns, dass wir uns äußern – gerade, wenn etwas auseinanderläuft“, so der Bischof.
Auch die digitale Transformation nahm Bätzing in den Blick – wenn auch selbstkritisch. „Wir ahnen noch gar nicht, wie sehr KI unsere Glaubenswelt verändern wird.“ Zugleich warnte er vor vorschnellen Erwartungen: „Eine Predigt aus ChatGPT – das ist im Moment eher grottenschlecht.“