Frankfurt, 22.04.2026
Inspiration sucht sich ihre Räume
Ihr Kopf ist voller Ideen, doch noch muss Simone Krämer sich bremsen. Etwas, das ihr nicht leicht fällt, denn eigentlich würde sie am liebsten sofort loslegen und die ersten Veranstaltungen planen. Die Pastoralreferentin hat zum 1. März die Leitung des noch im Entstehen begriffenen Fachzentrums für Spiritualität übernommen, das von Frankfurt aus Angebote im ganzen Bistum bündeln soll. Eine Art Plattform, die alles rund ums Thema Spiritualität präsentiert, vernetzt und sichtbar macht. Dabei geht es einerseits um bereits Bestehendes wie Angebote rund um Pilger und Meditation. Andererseits will das Team selbst Ideen erarbeiten und auch andere qualifizieren, Formate zu gestalten und Menschen zu begleiten.
„Gerade bin ich eine Art Zettelwirtschafterin, weil ich mir dauernd Notizen mache“, sagt die neue Leiterin schmunzelnd. Denn auch wenn gerade noch alles in der Findungsphase ist – aktuell wird noch nach einem schönen, aussagekräftigen Namen für das neue Fachzentrum gesucht, eine Homepage entsteht und ab Oktober soll es dann auch inhaltlich richtig losgehen - darf ja auch schon darüber hinaus gedacht werden. Zum Glück, denn sich Formate für Menschen zu überlegen, die mehr von Kirche wollen, macht Simone Krämer und ihrem Team von Kreativen besonderen Spaß. Was wünschen sich Jüngere, was Ältere? Welche Formen tun wem gut? Ist eher eine fortlaufende Gruppe gefragt oder kommt ein nur wenige Tage andauerndes „Retreat“ besser an? „Oder arbeiten wir mit Räumen und Licht und Atmosphäre? Oder eher in der Natur? Eignen sich Silent-Disco-Kopfhörer für ein Outdoor-Angebot oder wäre spirituelles Yoga im Kirchenraum eine gute Idee? Wir denken gerade in alle Richtungen“, fasst Simone Krämer den aktuellen Stand zusammen. Ihre Hoffnung: „Es wäre schön, wenn unser Fachzentrum ein Spielraum, ein Labor, werden könnte, um solche Sachen auszuprobieren.“
Ideen, die zünden
Dass sie Ideen kreieren kann, die zünden, hat sie schon einmal an einem sehr aktuellen Beispiel gezeigt: Die Idee zur vielbeachteten Tiny Church, die gerade in Niederrad eröffnet wurde, stammt von ihr, als sie Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Jakobus war. Dass die kleine Kirche nun, viele Jahre später, endlich an den Start gegangen ist, macht sie glücklich und stolz, sagt Simone Krämer, die zuletzt rund fünf Jahre Referentin für Ehe- und Beziehungspastoral im Fachteam Lebensphasenbegleitende Seelsorge im Bistum war.
In einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen und wachsender Unsicherheiten suchen Menschen nach Orientierung, Deutung und innerem Halt. Hier möchten wir als Kirche im Dialog Angebote schaffen, die persönliche Glaubenswege ermöglichen und vertiefen. Quelle: Susanne Gorges-Braunwarth, Leitung des Fachbereichs Seelsorge und Entwicklung im Bistum Limburg
Das neue Fachzentrum, das sie nun leitet, ist eigentlich vor allem eine Art Verwaltungseinheit. Doch im Idealfall wird daraus durch viele Ideen und gute Inspiration ein Ideenlabor, von dem aus Impulse ins ganze Bistum ausgehen. Gebraucht wird ein solches Angebot allemal. „Viele Menschen sind auf der Suche nach Antworten, die sie woanders suchen als in unseren traditionellen Gottesdienstformaten“, sagt Simone Krämer nachdenklich. „Hier kann die Kirche doch einen Raum schaffen und Erfahrungen ermöglichen beziehungsweise Orientierung im Glauben anbieten. Die Menschen möchten etwas, das die Seele nährt und sie innerlich bewegt, etwas in ihnen zum Klingen bringt.“
Schmerzhafter Abschied
Im Fachzentrum aufgegangen ist das ehemalige Meditationszentrum in der Kettelerallee, das im Dezember verabschiedet wurde. Simone Krämer und ihrem Team, zu dem auch Schwester Kristina Wolf (MMS) aus dem ehemaligen Meditationszentrum gehört, wissen, dass das für viele Menschen eine Zäsur war. Auch, dass die Kirche Heilig Kreuz möglicherweise verkauft wird, stößt bei vielen auf Unverständnis und Kritik. Immerhin: „Alle Gruppen, die im Meditationszentrum und in der Kirche angesiedelt waren, haben bereits einen neuen Ort gefunden oder sind gerade dabei“, sagt Simone Krämer.
Die geistliche Begleitung im Bistum Limburg ist ans neue Fachzentrum angedockt, ebenso wie die Mediations-, Pilger- und Wallfahrtsangebote, Exerzitien und die spirituelle und geistliche Bildung. Anders als das vorherige Meditationszentrum, das neben eigenen Meditationsräumen auch über die benachbarte Kirche verfügen konnte, muss das neue Fachzentrum sich seine Orte suchen. In der Alten Mainzer Gasse 21 in der Innenstadt hat es drei Büroräume, doch die Veranstaltungen müssen anderswo stattfinden. In Kirchen, anderen Einrichtungen, mit denen Kooperationen denkbar sind, ohne Konkurrenz aufzubauen, in mietbaren Locations, vielleicht auch draußen. Fünf Mitarbeiter gehören zum Fachzentrum, eine weitere Verwaltungsstelle ist ausgeschrieben (hier gibt es weitere Infos dazu).
Zentrales Thema der Kirchenentwicklung
Auch aus Limburg schaut man mit Zuversicht auf das neue Fachzentrum in Frankfurt. „Ich bin überzeugt, dass wir damit ein zentrales Thema der Kirchenentwicklung und die Bistumsstrategie stärken werden“, sagt Susanne Gorges-Braunwarth, Leitung des Fachbereichs Seelsorge und Entwicklung, die dem Fachzentrum überstellt ist. „In einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen und wachsender Unsicherheiten suchen Menschen nach Orientierung, Deutung und innerem Halt. Hier möchten wir als Kirche im Dialog Angebote schaffen, die persönliche Glaubenswege ermöglichen und vertiefen.“ „Spiritualität fördern“ sei auch daher eines der fünf Wirkungsfelder, die das Leitbild des Bistums konkretisieren. „Indem wir Spiritualität stärken, schärfen wir auch unser Profil: als Kirche, die nicht nur handelt, sondern aus einer lebendigen Beziehung zu Gott heraus lebt und wirkt.“ Eine doppelte Ausrichtung ist konstitutiv für die Struktur der Fachzentren, so Gorges-Braunwarth: Sie entwickeln und erproben zeitgemäße Formen von Spiritualität für gemeindeferne Menschen am konkreten Ort und stellen zugleich ihre Expertise und Dienstleistung dem gesamten Bistum zur Verfügung, etwa durch Multiplikatorenschulungen, Fortbildungsformate Spiritueller Bildung oder auch bistumsweite Veranstaltungen wie generationsübergreifende Wallfahrten. „Indem wir die Vielfalt spiritueller Angebote, Traditionen und geistlicher Orte sichtbarmachen, leisten wir einen Beitrag zur Förderung der spirituellen Souveränität“, unterstreicht die Fachbereichsleiterin. „Zum Portfolio der Aufgaben im Fachzentrum zählt auch die Weiterentwicklung digital zugänglicher spiritueller Erfahrungen.“