Ehlhalten, 29.07.2026
Vom ganzen Ort getragen
In der Pfarrscheune in Ehlhalten spielt sich die ganze Vielfalt des dörflichen Gemeindelebens ab. Hier wird gemeinsam gefeiert und getrauert, hier wird gespielt, musiziert, diskutiert und gebetet. Es gibt Ausstellungen, Vorträge und Seniorennachmittage. „Das ist unser ganz großer Stolz, dass wir unseren gesamten Ort hier bei uns mit eingebunden haben“, freut sich Albert Kretschmer über den guten Zuspruch der Pfarrscheune in der beschaulichen Taunusgemeinde. Er ist Mitglied im Verwaltungsrat der Pfarrei St. Elisabeth Hofheim-Kriftel-Eppstein und verantwortlich für die Gebäude in Ehlhalten.
Anlaufstelle für den ganzen Ort
Was vor 25 Jahren als katholisches Gemeindezentrum geplant war, hat sich zu einer unentbehrlichen Anlaufstelle für den gesamten Ort entwickelt. Bis Mitte der 1990er Jahre tagte der Ortsausschuss in der Sakristei von St. Michael. „Das war zu klein und zu wenig für unsere lebendige Gemeinde“, erzählt Lucia Kretschmer, Vorsitzende des Ortsausschusses. Als 1997 die alte Scheune im Rathausweg verkauft wurde, griff die Gemeinde mit Unterstützung des Bistums und des Programms „Dorferneuerung“ zu. Es wurden Spenden gesammelt und viel ehrenamtliche Eigenleistung in das Gebäude gesteckt.
Statt eines Fördervereins wurde ein Zweckkonto in der Pfarrei eingerichtet. Das Ehepaar Kretschmer wollte seine Energie lieber in das Gemeindeleben stecken, statt in die Verwaltung eines Vereins. „Die Pfarrei muss natürlich mitziehen. Vor allem das Büro“, sagt Albert Kretschmer. „Wir versuchen immer alles pragmatisch zu lösen“, fügt seine Frau hinzu.
Alle packen mit an
Mittlerweile werde die Pfarrscheune von ganz Ehlhalten getragen, sagen die beiden. Rund zwei Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner – unabhängig von ihrer Konfession – unterstützen das gemeinschaftliche Leben. Falle einer der Verantwortlichen aus, sei schnell Ersatz gefunden, weil allen die Pfarrscheune als Treff- und Gemeinschaftsraum wichtig sei.
„Alles, was rund um das Gemeindeleben in einem Dorf dazugehört, findet hier bei uns im Gemeindehaus statt“, so Albert Kretschmer. In den Räumen gibt es eine Kinder- und Jugendbibliothek, die auch zu Spieleaktionen und Lesestunden einlädt. Im Saal, in dem 60 Leute Platz haben, finden Vorträge der Erwachsenenbildung, Fastnachtsfeiern, Musikproben, Senioren- und Familientreffen sowie Gottesdienste, aber auch private Familienfeiern und Trauerkaffees statt. Es gibt einen Jugend- sowie einen Besprechungsraum und eine voll ausgerüstete Küche. Auf dem Platz vor der Pfarrscheune beginnt der St. Martinsumzug, dort finden auch das Adventssingen, der Dämmerschoppen und das Stehcafé nach dem Gottesdienst statt.
Viele schöne Erinnerungen verbindet das Ehepaar Kretschmer mit der Pfarrscheune. Als 2016 die Kirche renoviert wurde, habe alles in der Pfarrscheune stattgefunden und super funktioniert, sagt Alber Kretschmer. Vom Kerwegottesdienst mit den Kerweborsch bis zur Weihnachtsmesse mit geliehener Krippe sei alles gut abgelaufen. Vor zwei Jahren wurde ein Treppenlift eingebaut, der jetzt einen barrierefreien Zugang zum Saal in den ersten Stock ermöglicht. Damals habe ein 98-jähriges Gemeindemitglied stolz die erste Testfahrt gemacht.
Krippenausstellung stößt auf großes Interesse
Ein besonderes Highlight und die Verwirklichung eines Traums war für Lucia Kretschmer die Krippenausstellung im letzten Jahr. Die Ortsausschussvorsitzende liebt Krippen und besitzt einige davon. Beim Besuch einer Krippenausstellung im Westerwald habe sie sich gedacht, das könne man doch auch in der Pfarrscheune machen. Auf dem Kirchenspeicher wurde noch eine hundert Jahre alte Krippe gefunden und restauriert, ein weiteres Ausstellungsstück kam sogar aus Südtirol. Eigentlich sollte die Ausstellung nur an drei Wochenenden geöffnet werden, doch der Andrang war enorm.
Zuerst meldete sich eine Kindergartengruppe an, Pfarrer Helmut Gros kam mit den Jugendlichen und auch die Messdienerinnen und Messdiener schauten vorbei. Aus der gesamten Pfarrei von Kriftel bis Langenhain kamen Gemeindemitglieder, weitere Gruppen meldeten sich an, so dass in der letzten Woche an jedem Tag geöffnet war. „Mit einem solchen Zustrom hatten wir nicht gerechnet“, gesteht Lucia Kretschmer, die für nächstes Jahr wieder eine Ausstellung plant.
Derzeit wird die alte Scheune aus dem Jahr 1631 restauriert. Balken im Fachwerk werden ausgetauscht, der Putz muss erneuert werden. Der Giebel erhält eine Schieferverkleidung als Nässeschutz. Ende September soll alles fertig sein, dann strahlt die Pfarrscheune für die Menschen in Ehlhalten in neuem Glanz und der Martinsumzug kann vor der gewohnten Kulisse starten.