Wiesbaden, 01.06.2026
Schafe, Seifenblasen und klare Botschaften
Wenn jemand Schafsträume nicht leiden kann, dann ist er sicher kein guter Hirte. Und wenn er sich in die Mittagspause verabschiedet, sobald der Wolf kommt, geht das erst recht nicht. Diese Erfahrungen machten jedenfalls drei Schafe im ökumenischen Familiengottesdienst der Jugendkirche KANA in Maria Hilf am Sonntag, 31. Mai 2026. In den Schafspelzen steckten Schauspielerinnen des Galli-Theaters, die das Stück vom guten Hirten aufführten. Ein wirklich guter Hirte verstecke sich nicht, wenn der Wolf komme, sondern beschütze sein Herde, waren sich die Schafe einig.
„Dieser Gott meint es gut mit uns und setzt sich für uns ein“, sagte Thomas Klima, Leiter der Jugendkirche, über das Gleichnis vom „Guten Hirten“. Die Bibelgeschichte passe zum CSD-Motto „Kein Schritt zurück“, sagte Jugendbildungsreferentin Clara Vogel, denn der Familiengottesdienst war Auftakt des PRIDE-Familientags an der Jugendkirche.
Vorlesestunde mit Drag-Queen Chardonnay von Tain
Nach einigen Schauern am Morgen zeigten sich pünktlich zur Eröffnung des Bühnenprogramms die ersten Sonnenstrahlen im Hof der Jugendkirche. „Wir lächeln den Regen jetzt einfach weg“, forderte Jugendbildungsreferent Eric Tilch Klein und Groß auf und kündigte die Band „Funkenwerk“ vom Bethanien Kinder- und Jugenddorf an, die mit rockigen Klängen ihrem Publikum ordentlich einheizte. Mit Seifenblasen, einer Handpuppe und lustigen Kinderliedern zog Drag-King Willi Gundheiß die Kinder in seinen Bann, ebenso wie Drag-Queen Chardonnay von Tain, die den kleinen Gästen auf der Bühne aus Bilderbüchern vorlas. Das Kinderprogramm rundete der Mitmach-Auftritt von Andi ab.
Zwischendurch tobten die Kinder auf der Hüpfburg oder drehten auf dem Pferdekarussell ihre Runden. Bei der Katholischen Familienbildung (KFB) wurden Armbänder geknüpft oder man ließ sich im Hof schminken, bastelte oder drehte am Glücksrad. Es wurde gegrillt und der SkF bot Kuchen und Kaffee an. Den Familientag organisiert hatten das Queere Zentrum, KANA, die KFB und Warmes Wiesbaden.
Menschen im Bistum beziehen Stellung
Premiere hatte beim Wiesbadener CSD die Banneraktion „queer & katholisch“. Auf den 15 Rollups sind Statements Ehren- und Hauptamtlicher des Bistums zum Thema Vielfalt abgedruckt, etwa von Ronja Röhr, BDKJ-Diözesanvorsitzende: „Mein Glaube gründet in der Überzeugung, dass Gottes Liebe niemanden ausschließt. Alle Menschen sind gewollt, wie sie sind. Queeres Leben gehört selbstverständlich zur Kirche und Gesellschaft und verdient volle Gleichwürdigkeit und Sichtbarkeit.“
Bereits einen Tag zuvor war ein Teil der Rollups nach dem CSD-Umzug am KANA-Stand am Schlachthof zu sehen. „Wir wollten als kirchlicher Stand sichtbarer werden“, sagt Eric Tilch. Dass Kirche Stellung beziehe, sei gut aufgenommen worden. Als nächstes sind die von KANA initiierten Rollups beim CSD in Wetzlar zu sehen.