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09.08.2013

Fuchs "verleiht Flügel"

Flughafenseelsorge ist Ruhepol zwischen Ankunft und Abflug

FRANKFURT - Vorbei an Ankunft- und Abflugschaltern, Rolltreppen hoch und runter, vorbei an ratternden Gepäckbändern, der Blick auf Hinweis- und Orientierungsschilder gerichtet, um zielloses Umherirren zu vermeiden. Überall Cafés und sich tummelnde, wartende Passagiere auf mehr oder minder bequemen schwarzen Ledersesseln. Draußen drückt die Hitze, drinnen herrschen angenehme 20 Grad - dank Klimaanlage und guter Lüftung. Hier schlummert vor sich hin, wer müde ist; hier liest, wer informiert sein will. Via Smartphone werden aktuelle Nachrichten weitergereicht, schnell noch Gespräche mit Freunden, Familie oder Geschäftspartnern geführt. Stimmengewirr liegt wie ein Teppich über der Szenerie. Noch heißt es warten. Warten auf den Check-in. Warten auf Informationen wie und wann es weitergeht. Im Fokus: Die Schautafeln mit Ankunfts- und Abflugszeiten.

Im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens, Abflughalle B, herrscht rege Betriebsamkeit. Bedürfnisse und Wünsche der Passagiere sind hier so unterschiedlich wie ihre unzähligen Gepäckstücke, die täglich transportiert werden. Die Arbeit am Flughafen ist zuweilen schweißtreibend, erfordert Höchstleistung. Schichtarbeit und körperliche Schwerstarbeit bei der Flugzeugabfertigung belasten. Die dauernde Hektik kann fahrig machen, zuweilen sogar krank. Hier heißt es einen "kühlen Kopf" bewahren, um im Trubel des Flughafenbetriebs nicht unterzugehen.

Kurzes Durchatmen und Innehalten verspricht um kurz vor 9.00 Uhr eine angenehme Frauenstimme aus einem Lautsprecher: Sie lädt Passagiere und Mitarbeiter zum Gottesdienst ein. Treffpunkt ist die Kapelle auf der Empore. Gegenüber der größten Sitzgruppe führt eine Treppe nach oben. Je höher man steigt, desto stiller wird es. Das Stimmengewirr bleibt zurück, die rege Betriebsamkeit nimmt ab.

150.000 Menschen reisen täglich über "Ankunft" und "Abflug". 70.000 Menschen haben am Flughafen ihren Arbeitsplatz. Zur heiligen Messe kommen an diesem Morgen acht Personen. "In Relation zum Durchgangsverkehr nicht viele. Aber hier zählt nicht die große Menge der Passagiere, sondern die Qualität von Ruhe und Stille, um im Trubel der Geschäftigkeit kurz Innezuhalten und Durchzuatmen", sagt Pater Rolf Fuchs. Seit vier Jahren ist der Pater Flughafenseelsorger. Vor seiner Zeit in Frankfurt war Pater Fuchs unter anderem Erzieher und Religionslehrer am Aufbaugymnasium der Pallottiner in Immenstaad am Bodensee. Von 1984 bis 1988 war er Dekanatsjugendseelsorger in Friedberg/Augsburg. Außerdem war er Regens des gemeinschaftseigenen Pastoraltheologischen Instituts. Nach den Patres Johannes John, Walter Maader und Werner Bock ist er der vierte Pallottiner, der die Katholische Flughafenseelsorge in Frankfurt betreut.

Fuchs grämt sich nicht, dass die täglichen Gottesdienste unterschiedlich angenommen werden. "Manchmal zählen wir unter der Woche 12 Teilnehmer, an Sonntagen wiederum oft bis zu 30 Personen", erklärt er. Allen Besuchern gemeinsam ist, dass ihre Zeit zwischen Ankunft und Abflug begrenzt ist. Deshalb dauert eine Messe in der Kapelle der Flughafenseelsorge in der Regel etwa 25 Minuten. Vor oder nach dem Gottesdienst besteht die Möglichkeit, noch eine Kerze anzuzünden, vor dem Tabernakel zu beten oder seine Anliegen in ein Fürbittenbuch einzutragen. Auch die persönliche Begegnung mit dem Seelsorger ist möglich. Viele haben einfach das Bedürfnis, ins Gespräch zu kommen: Über ihre Beziehung, ihre Familie, berufliche Probleme, Krankheit - über all´ das, was das Leben an Facetten zu bietet hat. "Wir haben ein offenes Ohr für alle Nöte, mag die Zeit auch noch so knapp sein", betont Pater Fuchs.

Bei der Bewältigung seiner vielfältigen Aufgaben ist Pater Fuchs nicht allein. Unterstützt wird er von Pater Aloyse Essono, der aus Kamerun stammt. Seit 2002 arbeitet auch noch Sabine Schremb als Sekretärin des Flughafenseelsorgeteams. Sie entlastet die beiden Seelsorger bei der Büroarbeit.

Größere Katastrophen hat das Team der Flughafenseelsorge - Gott sei Dank - noch nicht erlebt. Meistens sind es lebensnahe kleine Katastrophen, die den Arbeitsalltag bestimmen. Da geht beispielsweise wichtiges Gepäck verloren, die Freundin hat Schluss gemacht, weil sie die räumliche Distanz zunehmend stört oder die gebuchte Mitfahrmöglichkeit ist nicht gekommen, eine Verständigung auf Deutsch ist unmöglich und Vieles andere mehr. Hier greifen seelsorgerliche Kurzgespräche, mit deren Hilfe akute Krisenintervention betrieben wird.

Manchmal ist auch einfach nur die Angst vor dem Flug ein Thema: "Rudimentäre Flugangst, ist sich Pater Fuchs sicher, ist bei 99 Prozent der Passagiere vorhanden". Die Angst könne er den Ratsuchenden nicht nehmen. Vielmehr sehe er es als seine Aufgabe an, die Gäste mit der Angst zu konfrontieren und sie versöhnlich zu stimmen. "Angst hat jeder mal" sagt Pater Fuchs. Wichtig sei es, sich von dem Gefühl des Hilflos-Ausgeliefertseins in der Maschine nicht unterkriegen zu lassen. In der Flughafenkapelle - dem geistlichen Herzstück des Flughafens - können die "Angst-Passagiere" auch mal ein Stoßgebet gen Himmel richten, um ihren Ängsten Luft zu machen. Das entlastet und gibt Vertrauen. Manchmal kommen die Menschen nach turbulenten Flügen in die Kapelle, um Danke zu sagen, dafür, dass die Landung gut "über die Bühne" ging.

Ein wenig zur Bühne wird die Kapelle bei Großereignissen wie dem Weltjugendtag in Rio. In diesem Jahr waren neben den deutschen Teilnehmern auch eine italienische Gruppe aus Florenz und eine chinesische Gruppe aus Hong-Kong zu Gast. "Deren liturgische Gesänge versetzten die Kapelle stimmungsvoll in Schwingung", sagt Pater Fuchs. In dieser Woche "wurde der Altar nicht kalt", betont er, was so viel heißen soll, wie: Die Gottesdienste waren zu dieser Zeit gut besucht, ihre etwa 20 Stuhl-Reihen voll besetzt.

Pater Fuchs vermittelt den Eindruck großer Präsenz und Einfühlungsvermögens. Seine Haltung: wertschätzend und achtsam. Seine Devise: "Es kann nicht leben, wer nicht liebt!". Diese Liebe ist es, die er den Menschen am Flughafen weitergeben will. Auch wenn es nur kurze Momente der Begegnung sind, ihn macht es zufrieden, wenn er Menschen schnell helfen kann. Dann, wenn die Orientierung plötzlich doch verloren geht und auch das beste Hinweisschild keine Lösung und keinen Halt mehr bietet. Und Fuchs gesteht schmunzelnd: "Schnell fokussieren, wenn Eile geboten ist, ist eine meiner Stärken." Eine Fähigkeit, die Passagier und Mitarbeiter am Flughafen im wahrsten Sinne des Wortes "Flügel verleiht". (SFi)

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