14.05.2012
Teilhabe am Leben in der Stadt
GEISENHEIM. Herzen mit guten Wünschen von der katholischen Kirchengemeinde, die UN-Konvention für Menschen mit Behinderung, ein Eberbacher Kreuz, das in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung aus Rebenholz hergestellt wurde, ein Schlüssel als Symbol für neue Möglichkeiten und natürlich aktuelle Zeitungen und eine Flasche Riesling ? dies alles und noch mehr fand Platz in zwei Kisten, die spätere Generationen an einen besonderen Tag erinnern sollen. Sie wurden eingemauert in den Grundstein für das Wohnhaus für Erwachsene, das das St. Vincenzstift in Geisenheim errichtet. Eine ganz besondere Beigabe hatten sich auch die Mitglieder des Heimbeirates des St. Vincenzstiftes ausgedacht: Sie legten eine Zahnbürste in die Kiste, weil die Zahnbürste das erste sei, was man einpacke, wenn man umzieht. Der gemeinsame Segen durch Pfarrerin Schneider von der evangelischen und Pfarrer Georg Franz von der katholischen Gemeinde soll die Bauarbeiten und alle Beteiligten begleiten.
Mitte 2013 werden in den drei Wohngemeinschaften des Hauses je acht Personen ihr neues Zuhause beziehen. Tagsüber arbeiten sie in Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Rüdesheim und Aulhausen oder besuchen tagesstrukturierende Angebote. Eine solche Tagessstätte wird in einem Anbau an das neue Wohnhaus eingerichtet. „Viele Menschen mit Behinderung wünschen sich, in einer Stadt zu wohnen und als Bürger der Stadt am ganz normalen Leben teilnehmen zu können. Das neue Gebäude liegt ideal für die künftigen Bewohner, die leicht die Innenstadt erreichen können und kurze Wege zum Rheinufer haben. Die Bewohner werden begleitend unterstützt, sei es beim Einkaufen, bei der Gestaltung der Freizeit, bei Kontakten untereinander, in die Gemeinde, mit Nachbarn, in Vereinen, bei Ausflügen “ erläuterte Geschäftsführer Dr. Dr. Caspar Söling das Konzept.
"Neben dem Wunsch nach unterschiedlichen Wohnmöglichkeiten kommen wir damit auch dem Auftrag aus der UN-Konvention für Menschen mit Behinderung nach, die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen.“, sagte Sölling. Bereits seit einigen 20 Jahren leben Menschen mit Behinderungen in Außenwohngruppen des St. Vincenzstift oder im Betreuten Wohnen in Rheingauer Gemeinden. „Das Neue an diesem Wohnangebot ist, dass Menschen mit hohem Hilfe- und Unterstützungsbedarf jetzt auch gemeindenah wohnen können.“
Die künftigen Bewohner und Mitarbeiter in der Zollstraße 24 möchten offenes und einladendes Haus gestalten. Begegnungen und Treffen mit den Bürgern sind dabei genauso gewünscht wie die Frage der Nachbarn nach Mehl oder Butter für den kurzfristig geplanten Kuchen. Erste Kontakte sind schon geknüpft, auch in die Gemeinde hinein. Vor der Grundsteinlegung hatten Bewohnerinnen und Bewohner des St. Vincenzstiftes den Gottesdienst im Geisenheimer Dom mit gestaltet. Wünsche der Gemeindemitglieder begleiteten diese Grundsteinlegung, an der auch zahlreiche Gemeindemitglieder teilnahmen.
Auch im Kinder- und Jugendbereich geht das St. Vincenzstift in die Regionen: So wurden in den vergangenen drei Jahren drei regionale Kinderhäuser eröffnet, zwei in Rüdesheim, eines in Offenbach. Ein weiteres Kinderhaus befindet sich in Hofheim in Bau und wird im Herbst 2012 bezugsfertig sein.