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27.09.2012

Es braucht Christen, die bleiben!

Bischof Tebartz-van Elst predigt im Hohen Dom zu Fulda

FULDA/LIMBURG - In Zeiten, in denen die katholische Kirche manchem Gegenwind ausgesetzt ist, braucht es nach den Worten von Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst Christen, die in der Kirche bleiben und treu zum Glauben stehen.

In der Predigt in der Schlussandacht der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Hohen Dom zu Fulda am Donnerstag, 27. September, erinnerte der Bischof von Limburg an das Zeugnis des heiligen Bonifatius. Er sagte: "Wer sich an das Grab des Hl. Bonifatius begibt, begreift, dass seine Mission die Grundlage ist für ein Bekenntnis zu Jesus Christus und seiner Kirche gerade in stürmischen Zeiten." Bonifatius habe die Erfahrung von Gegenwind gekannt und gewusst, dass innere Erneuerung nicht mit äußeren Strukturen und Strategien zu erreichen sei. "Auch in der Krise, die die Kirche heute zu bestehen hat, ist bei manchen Christen die Versuchung groß, sich vom Wind der Meinungen verwehen zu lassen, auszutreten oder sich zurück zu ziehen. Gerade in solchen Stürmen brauchen wir Menschen mit der Festigkeit von Felsen in der Brandung", so Tebartz-van Elst.

Der Bischof von Limburg rief zu einer "Wachsamkeit für die notwendige Kritik an der Kritik" auf. Zurzeit sei erlebbar, wie Meinungen gemacht würden und wie schwer es sei, sich mit gebotener Einsicht und notwendiger Differenzierung den wirklichen Problemen zu stellen. "Wo es eine Hegemonie des Verdachtes und pauschaler Verurteilung gegenüber der Kirche gibt, kann notwendige Umkehr und zaghafter Aufbruch erstickt werden", sagte Tebartz-van Elst. Läuterung brauche die Luft der Liebe, damit eine neue Leidenschaft für Gott und die Menschen keimen könne. Weil Hysterie zur Apathie führe, brauche die Gesellschaft ein Klima der Verständigung. Nur wo Gott beim Namen genannt werde, könnten auch die Wunden der Kirche so ausgesprochen werden, dass Heilung in Gang komme. Aus dem Tonfall der Diagnose ergebe sich die Nachhaltigkeit der Therapie. Aus der Lauterkeit gebotener konstruktiver Kritik, erwachse die Läuterung zur gottgewollten Erneuerung. Dieser Zusammenhang ermögliche einen, für die Gesellschaft so notwendigen Wandel von manchmal verleumderischer Hysterie zu einer bewegenden Empathie. "Hysterie verunsichert und lähmt. Besonnenheit ordnet und orientiert. Nur in diesem Tenor kann ein Dialog entstehen, der so aufeinander hören und miteinander sprechen lässt, dass Ursprüngliches im Glauben der Kirche wieder neu zu fließen beginnt", sagte der Bischof.

Der Hl. Bonifatius habe auch um die Versuchung gewusst, das Schiff der Kirche zu verlassen und auszutreten. Wo Menschen sich vordergründig dazu entschieden, eine Freundschaft, eine Gruppe oder eine Aufgabe aus Unzufriedenheit aufzukündigen, spürten sie oft erst mit der Zeit, dass dies vielleicht dem ersten Ärger Luft gemacht habe, der Seele aber doch keinen Frieden gegeben habe. "Nur wer bleibt, kann verändern! Wer geht, fehlt, wenn es darum gehen muss, unserem Glauben wieder ein lebendiges Gesicht zu geben. Diese innere Stärke, zu bleiben, wo andere gehen, zeichnet wahre Jüngerschaft aus", so Tebartz-van Elst. Zu bleiben, wo andere gehen, sei das stärkste Zeichen einer Freundschaft, von dem Menschen und von dem die Kirche zu allen Zeiten lebe.

Christen, die sich der Strömung, dem Mainstream einer säkularen Gesellschaft überließen, würden irgendwann untergehen. "Das Evangelium Jesu Christi, unser Glaube, versteht sich wie eine Gegenstromanlage in einer säkularen Gesellschaft. Sie fordert heraus und kräftigt das Stehvermögen von Menschen, die für Gott eintreten wollen", so der Bischof. Missionarischer Glaube brauche Christen, die bereit seien, in dieser Verantwortung zusammenzustehen, damit der Kurs der Kirche im Glauben Orientierung geben könne. "Nicht zusehen, sondern hinsehen; nicht kritisieren, sondern engagieren; nicht lamentieren, sondern motivieren: Diese Mentalität des Hl. Bonifatius zeigt, welchen Mut zur Mission die Kirche auch heute braucht", so Tebartz-van Elst. Heilige seien deshalb nie Menschen der Vergangenheit, sondern immer Zeugen für die Zukunft der Kirche. (StS)

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