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22.10.2017

Wenn Religionen in Frankfurt feiern

Großer Besucherandrang beim ersten Tag der Religionen im Römer

Buntes Treiben beim ersten Tag der Religionen im Frankfurter Römer (Fotos: Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt)

FRANKFURT.- Als erstes fallen die Kopfbedeckungen ins Auge: die bunten Turbane der Sikhs, die kunstvoll gebundenen Kopftücher der Musliminnen, die Kippa der jüdischen Männer, die Schleier der katholischen Ordensfrauen. Dann schweift der Blick über die Leckereien, die es an jedem Stand zu geben scheint, Schmalzgebackenes, gefüllte Datteln, Gebäck und Süßes aus allen Teilen der Welt. Dazu erklingen Gesänge in fremden Sprachen, Gesprächsfetzen auf Deutsch dringen ans Ohr. Der erste Tag der Religionen im Frankfurter Römer ist ein Fest für alle Sinne.

„Vor allem ist es ein Fest, das zeigt, wie einfach es sein könnte, wenn alle Menschen – egal welcher Hautfarbe, Religion, Herkunft, Bildung – miteinander reden und feiern“, sagt Ursula Schulz, die mit vielen hundert Neugierigen an diesem regnerischen Sonntag, 22. Oktober, in die Wandelhallen des Römers gekommen ist. Und in der Tat, die Feste stehen im Vordergrund: Die Muslime erklären, was es mit Eid-ul-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan, auf sich hat, die Christen, was ihnen Pfingsten bedeutet, die Juden sprechen über Rosch ha-Schana, den jüdischen Neujahrstag, und bei den Buddhisten erfahren Interessierte etwas über die innere geistige Reinigung am höchsten buddhistischen Feiertag Vesak.

Alle zeigen ihre wichtigsten Feiertage 

Organisiert wurde der Tag der Religionen auf Einladung der Stadt Frankfurt vom Frankfurter Rat der Religionen, der damit den Startschuss gab für eine Veranstaltungsreihe, bei der in den kommenden Jahren aktuelle religionspolitische Themen öffentlich diskutiert werden sollen. Beim Auftakt stellen die neun im Rat der Religionen vertretenen Religionen – Ahmadiyya-Islam, Baha’i-Religion, Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, Judentum, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Sikh-Religion – ihre wichtigsten Feiertage vor. Auf einer Bühne und an dicht umlagerten Ständen informieren und diskutieren sie über alles, was an ihren Religionen ungewöhnlich, fremd, heilig, erklärungsbedürftig oder bedeutsam ist.

Sylvia Weber, Dezernentin für Integration und Bildung, betont in ihrem Grußwort, Religionsgemeinschaften, die kleinen wie die großen, seien Teil der Vielfalt unserer Stadtgesellschaft und böten vielen Frankfurtern eine persönliche Heimat. Mit dem Tag der Religionen werde diese Vielfalt sichtbar und der Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft gestärkt.

Für Joachim Valentin, Vorsitzender des Rates und Direktor des katholischen Bildungszentrums Haus am Dom, zeigt sich, dass das multikulturelle Frankfurt in besonderer Weise auch eine multireligiöse Stadt ist: „Mit ihren Feiertagen, ihren Speisen, ihrer Gemeinschaft tragen die Religionsgemeinschaften viel zur Kultur in der Stadt bei.“ Vor allem die kleineren Gruppierungen seien in der Stadt aber nur selten sichtbar, ihnen biete eine solche Veranstaltung ein gutes Podium, sich und ihren Glauben vorzustellen. Der Rat der Religionen sei der Stadtregierung außerordentlich dankbar, dass sich seine Mitglieder an einem so prominenten Ort wie dem Römer mitten in der Stadt präsentieren könnten. „Wir wollen gerne zur Sichtbarkeit von Religion in Frankfurt beitragen“, versichert Valentin im Blick auf künftige, ähnliche Begegnungs- und Gesprächsmöglichkeiten. (dw)

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