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05.12.2017

Netzwerke bieten Mehrwert

Fachtag im Wilhelm-Kempf-Haus zum Thema "Pastoral vernetzt"

Die Arbeit in Netzwerken bieten große Chancen. Kirchliche Entscheider müssen aber einen Perspektivwechsel wagen. Foto: clm/Bistum Limburg.

WIESBADEN.- Das Arbeiten in Netzwerken bietet für katholische Pfarreien und Einrichtungen großes Potential und die Chance, Kirche in der Gesellschaft sichtbarer zu machen. Dies wurde bei einem Fachtag am 4. Dezember im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden deutlich. 40 Praktiker aus unterschiedlichen Seelsorge-Bereichen kamen zu dem Treffen unter dem Motto "Pastoral vernetzt", um sich über kirchliche Netzwerkarbeit auszutauschen, sich über die Steuerung und Moderation von Netzwerken zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Zu der Veranstaltung hatten das Pastoral-Theologische Institut in Mainz sowie die Abteilung "Pastoral in Netzwerken" im Bischöflichen Ordinariat in Limburg eingeladen.

Netzwerken ist keine Modeerscheinung

"Die katholische Kirche erlebt gerade einen Umbruch. Das Bild von einer Pfarrei als Pfarrfamilie aus den 70er und 80er Jahren trägt nicht mehr", erklärte Barbara Hucht, Religionspädagogin und Gemeindeberaterin aus dem Bistum Paderborn. Die zunehmend größer werdenden Pfarreien und Pastoralen Räume müssten heute als sich selbstorganisierende Netzwerke gedacht werden. Netzwerken sei kein "Spleen" oder Modeerscheinungen, sondern "eine Form zu arbeiten, die wir in der Kirche gut gebrauchen könnten", ist Hucht überzeugt.

Dass es in verschiedenen Bistümern bereits unterschiedliche Formen von Netzwerkarbeit gibt, wurde bei der Vorstellung mehrerer kirchlicher Projekte deutlich. Dechant Clemens Grünebach aus dem Bistum Trier berichtete von positiven Erfahrungen in der Pfarrei St. Franziskus Hermeskeil. Die Pfarrei neuen Typs, die 2016 aus acht traditionellen Pfarreien und 15 Ortschaften im Bistum Trier gegründet wurde, ist in zahlreichen Netzwerken engagiert und mit kirchlichen und nicht-kirchlichen Akteuren - etwa in einem Familiennetzwerk oder für ein Mehrgenerationenhaus - in Kontakt. Neue Gemeindeteams gestalteten das kirchliche Leben vor Ort mit. Grünebach machte Mut, Neues zu wagen und alte Denkmuster hinter sich zu lassen. "Im Netzwerk gibt es größere Chancen zur Profilierung kirchlichen Engagements." Gewohnte Rollenbilder veränderten sich zwar, in größeren Räumen sei dieser Perspektivenwechsel aber unumgänglich.

Ehrenamtliche benötigen Unterstützung

"Netzwerke funktionieren dann, wenn wir, die Ehrenamtlichen, sagen dürfen, was wir sehen, und sie, die Hauptamtlichen, uns unterstützen", machte Margurit Assmann, ehrenamtliche Caritasbeauftragte der Pfarrei St. Johannes Aposteln in Unterliederbach deutlich. Bereits 1992 gründeten Engagierte einen Verein, um sozialkaritative Projekte umsetzen und fördern zu können. Heute gibt es mit Hilfe des Caritasverbandes Frankfurt in der Pfarrei Beratungsangebote, Kleiderläden, eine schulbegleitende Jugendarbeit und ein Nachbarschaftsbüro, das sich der Förderung bürgerschaftlichen Engagements verschrieben hat. Besonders stolz ist Assmann darauf, dass die in Unterliederbach entwickelte Idee eines Netzwerkes in der Nachbarschaftshilfe in ganz Frankfurt umgesetzt wurde. "Wir haben es in Unterliederbach entwickelt und jetzt gibt es in Frankfurt 30 Hilfe-Netzwerke."

Die Wohlfühlblase hinter sich lassen

Dass moderne Lobbyarbeit ohne Netzwerkarbeit nicht funktionieren kann, betonte Stefan Rostock von der 1991 gegründeten Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisation Germanwatch. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich mit gegründeten Netzwerken und Allianzen für globale Gerechtigkeit, den Schutz des Klimas und ein nachhaltiges Wirtschaftssystem ein. "Für uns ist wichtig: Ein Netzwerk muss ein Ziel haben. Nur ein Ziel hält alles zusammen", betonte Rostock. Nur mit einem Ziel könne das Netzwerk Wirkung entfalten und allen Partnern einen Mehrwert bieten. Rostock ermutigte die Netzwerker, die kirchliche "Wohlfühlblase" hinter sich zu lassen. "Kompetenzen sind viele da. Aber es fehlt der Mut hinauszugehen."(clm)

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