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21.09.2017

Mehr als trocken Brot

30 Jahre Frühstücksstube in Frankfurter Gemeinde

Ein richtiges Buffet zum Jubiläum (Fotos: Wiese-Gutheil/Kath. Stadtkirche Frankfurt)

FRANKFURT.- 9 Uhr 30, Zeit fürs Frühstück: montags und donnerstags heißt das für Nicole Hagedorn und Hannelore Nitzsche Freunde treffen und unter Menschen kommen, übers Wetter reden oder über persönliche Dinge und dazu ein reichhaltiges gesundes Frühstück mit Brötchen, Käse und Wurst oder Schinken und einem großen Pott Kaffee genießen. Zwischen 30 und 50 Höchster Bürger sitzen meist an den fein gedeckten Tischen und lassen sich das Frühstück schmecken. Sie sind zweimal die Woche zu Gast in der Frühstücksstube St. Josef der katholischen Pfarrei St. Josef in Höchst.

Am diesem Donnerstag, 21. September, lockt ein üppiges Buffet. Der schön dekorierte Saal im Untergeschoss des Pfarrheims ist noch voller als sonst, denn es wird gefeiert. Seit 30 Jahren gibt es die Frühstücksstube, ursprünglich gegründet für wohnungslose Menschen, die in Höchst in großer Zahl auf der Straße lebten oder im Bahnhof übernachteten. Mittlerweile haben viele Gäste zwar ein Dach über dem Kopf, aber Arbeitslosigkeit, chronische Krankheit oder eine Mini-Rente lassen es kaum zu, dass sie sich ausreichend und gesund ernähren.

Nicole Hagedorn etwa sitzt im Rollstuhl und ist früh verrentet. Die 36-Jährige schwärmt von der Frühstücksstube. Hier hat sie neue Freunde gefunden, die ehrenamtlichen Helfer sind für sie wie eine Familie. Und tatsächlich, als sie versucht, an das Buffet zu gelangen, sind sofort andere da und reichen ihr Teller und Besteck, fragen nach einem besonderen Wunsch und füllen ihre Kaffeetasse, fröhliches Gelächter und gute Gespräche inklusive.

Lichtblick für Einsame

Auch Hannelore Nitzsche ist froh, wenn sie montags und donnerstags hierher kommen kann. Die 78-jährige Höchsterin ist schon lange verwitwet. Sie kommt kaum noch aus dem Haus, ihre Rente ist winzig. Da sind die Vormittage in der Frühstücksstube ein Lichtblick in der Einsamkeit.  

50 Cent zahlen die beiden Frauen, ebenso wie die anderen Gäste, als Eigenanteil, 20 Cent kostet eine zweite Tasse Kaffee. Für die meisten hier ist das viel Geld, trotzdem sind sie froh, einen kleinen Obolus beisteuern zu können. „Zuhause gäbe es nur trocken Brot und man hat ja auch seinen Stolz“, sagt eine der älteren Frauen in der Runde: „Die Ehrenamtlichen machen es uns so schön hier.“ Und die teilen auch ohne Zögern Papiertüten aus, damit sich die Gäste noch ein Brot schmieren können für später. „Die Menschen kommen zum Teil mit einem riesigen Hunger“, erzählt Gisela Bräuer, eine Frau der ersten Stunde. 

Seit das erste Frühstück, damals noch im Kirchensälchen von St. Josef, am 26. Januar 1987 ausgeteilt wurde, ist sie dabei. Und auch jetzt, mit 73 Jahren, hat sie immer noch ein Auge auf die Tischdekoration und die liebevoll hergerichteten Platten, auf dass es an nichts fehlt. Aber wie Franz-Karl Klug, Pastoralreferent in St. Josef und zuständig für die karitativen Aktivitäten der Gemeinde, sagt, ist es nicht schwer, Ehrenamtliche für die Frühstücksstube zu gewinnen. „Die Leute bekommen so viel zurück an Dankbarkeit und Freude, dass es einfach Spaß macht, hier zu arbeiten,“ weiß er.  

Spenden machen soziale Angebote möglich

Und auch die Spendenbereitschaft ist groß, sodass die Gemeinde ihre sozialen Angebote stemmen kann. Neben der Frühstücksstube gehören dazu unter dem Etikett „CaJo“ – Caritas St. Josef - ein Hilfenetz für Senioren und eine allgemeine Sozialberatung. Die Lebensmittelausgabe, die die Gemeinde viele Jahre in eigener Regie führte, ist mittlerweile an die Frankfurter Tafel übergeben worden. Von dort kommen aber wiederum die meisten Lebensmittel für die Frühstücksstube, sodass Franz Schumann, einer der Ehrenamtlichen, morgens nur kurz nachschaut, ob noch irgendetwas fehlt, das nachgekauft werden müsste.  

Hans Günter Neidel, der Vorsitzende des Caritasausschusses von St. Josef, beziffert das Budget für alle CaJo-Angebote auf etwa 20.000 Euro im Jahr. Mehr als ein Drittel dieser Summe komme von Spendern und Sponsoren, aus der alljährlichen Weihnachtssammlung bei den Gemeindemitgliedern, aber auch von ortsansässigen Firmen, erzählt Pastoralreferent Klug. Zurzeit lebe man zwar von den Rücklagen, aber die soziale Arbeit sei ein Schwerpunkt in St. Josef: „Und Weihnachten kommt der nächste Spendenaufruf“, sagt er mit einem Augenzwinkern. (dw)

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