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09.02.2017

Guck mal, die Sing-Oma!

Fachverband stellt Beispiele von Kirchenentwicklung in Kitas vor

Beim Dialogforum im Priesterseminar wurden Beispiele lokaler Kirchenentwicklung in Kitas vorgestellt (Foto: Tobias Steiger / Bistum Limburg)

LIMBURG.- Wenn plötzlich zehn Senioren inmitten einer Kinderschar stehen oder die ganze Gemeinde zum Ostermontags-Gottesdienst anstatt in die Kirche zur Kita kommt, dann sind das Beispiele lokaler Kirchenentwicklung im Bistum Limburg. Diese Projekte wurden beim Dialogforum "Und jetzt auch noch Charisma!" am 7. Februar von der diözesanen Arbeitsgemeinschaft des Verbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK-Diözesan-AG) vorgestellt.

Kitas sind Orte kirchlichen Lebens

"Die Kitas sind heute mehr denn je Orte kirchlichen Lebens", betonte der Vorsitzende der AG, Pfarrer Alfred Much. Und wo Leben sei, käme auch etwas in Bewegung. So zum Beispiel in der Kita und Familienzentrum St. Hildegard in Limburg. Einmal in der Woche singen hier Senioren mit den Kindern Lieder und tanzen dazu. Das Generationen übergreifende Projekt nennt sich "Canto elementar" und läuft schon im vierten Jahr. "Die Kinder nehmen die Älteren ganz selbstverständlich hin, haben viel Spass mit ihnen und begrüßen sie auch immer herzlich mit einem 'Guck mal, da kommt die Sing-Oma!'"

Die Kita Rabanus Maurus in Oestrich-Winkel lädt am Ostermontag die Gemeinde in die Kindertagesstätte ein. Hier wird ein Wortgottesdienst gefeiert. Die Kita wird zum Kirchort. Durch die Angebote in den Kitas können neue Räume für die Familienpastoral geöffnet werden. Davon ist Sigrid Pörtner, Leiterin der Abteilung Familie und Generationen im Bistum Limburg, überzeugt. "Wir bieten mit diesem niederschwelligen Angebot aber auch der Gemeinde eine Chance, dass sie sich zu neuen Glaubenserfahrungen öffnet", so Pörtner weiter.

Glaube wird in Kitas lebendig

Kirche neu denken ist Thema lokaler Kirchenentwicklung. Martin Klaedtke, Koordinator für den Kirchenentwicklungsprozess, macht den 50 anwesenden Erzieherinnen Mut, eigene Begabungen mit einzubringen und sich dabei von Gott inspirieren zu lassen. Pfarreien seien Räume, wo Kirche sich entwickelt, wo Glaube lebendig werden könne und wo Netzwerke entstünden, so Klaedtke weiter. "Die Kitas werden zu Kirchorten, in denen das Leben mit all seinen Facetten zu Hause sein kann."

"Zu diesen Facetten des Lebens gehört auch der Tod", ergänzt Frau Watzl. Sie ist Leiterin der Krippe und Kita in Sulzbach. "Als ein sterbenskranker Tageskindervater mit dem Wunsch zu uns kam, seinen eigenen Beerdigungskaffee in der Kita feiern zu dürfen, haben wir dem zugestimmt. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod sind Kinder, Eltern, Erzieherinnen und die Gemeindeseelsorger zu einem großen Team geworden." Watzl schilderte, dass die Aufarbeitung der Erfahrungen mit Tod nur so möglich wurde und auch Eltern und Erzieherinnen gestärkt aus dem Prozess hervorgegangen sind. "Es war eine schöne Erfahrung, dass wir mit unserer Kita Teil des Gemeindelebens geworden sind", so Watzl abschließend. (ts)