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12.08.2017

Gemeinsam von Gladenbach nach Bicken

Dritte Etappe der Fußwallfahrt durchs Bistum Limburg

Von Gladenbach nach Bicken führte die dritte Etappe der Fußwallfahrt. (Fotos: pe/Bistum Limburg)

Eine Reportage von Pauline Erdmann

GLADENBACH/BICKEN/LIMBURG.- „Ich gehe mit als Dank. Ich war schwer krank und die Ärzte hatte keine Hoffnung mehr, so dass ich mich auf meinen Tod vorbereitet habe. Doch nun bin ich geheilt und das ist ein Geschenk Gottes.“ Eine Aussage, die bewegt und unter die Haut geht.  Doch es war nicht die einzige Aussage, die mich an dem Tag berührte und noch zwei Tage später beschäftigte. Sie stammte von der Ordensschwester Anila Jose (SH) aus Rüdesheim. Obwohl es morgens, bei der dritten Etappe der Fußwallfahrt, noch kühl war, beeinflusste dies nicht die gute Laune der Pilger. „Die Anstrengung ist zweitrangig, interessant sind die Gespräche“, so Reinhold Ahrens aus Battenberg. Er hat die Strecke der ersten Tagesetappen ausgewählt und ist vorab verschiedene mögliche Routen gelaufen.

Es war Halbzeit. Start der Etappe war die Kirche Maria Königin in Gladenbach. Nachdem wir den Wald erreicht hatten, hörte ich unterschiedliche Vogelgesänge und nahm den Geruch von Pilzen war. Ingrid Dahlen zeigte auf die Bäume „Schau mal, Pauline, wie schön maigrün die Blätter sind und die Sonnenstrahlen den Wald durchdringen“. Sie hat bereits mehrfach an der Fußwallfahrt teilgenommen. Und auch auf dem Jakobsweg ist sie bereits mehrere Etappen bis nach Santiago de Compostela gelaufen. Die 81- Jährige freut sich besonders, dass auch drei Ordensschwestern aus Rüdesheim seit einigen Jahren bei der Fußwallfahrt dabei sind und zu der inzwischen immer stärker wachsenden Gemeinschaft gehören.

Bereits zum fünften Mal findet die Fußwalfahrt durch das Bistum statt

Am Mittwoch, 9. August, dem dritten Tag der diesjährigen Fußwallfahrt, ging es von Gladenbach nach Biedenkopf. 25 Dauerpilger sind bei der fünften Fußwallfahrt des Bistums Limburg dabei und werden von bis zu 90 Tagespilgern begleitet. Eine Strecke von ungefähr 150 Kilometern steht dieses Jahr auf dem Programm. Von Battenberg über Biedenkopf , Gladenbach, Bicken, Dillenburg, Driedorf, Fussingen nach Limburg an der Lahn. Unter dem Motto „Aus der Peripherie zum Zentrum, aus der Zerstreuung in die Sammlung“ machten sich die Pilger in sechs Etappen, vom 7. August bis zum 12. August, auf den Weg.

„Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man das Ziel erreicht hat“, schwärmte Inge Dahlen. Doch das konnte ich mir am Morgen noch nicht vorstellen. Es war meine erste Fußwallfahrt und auch wenn ich nur als Tagespilger mitging, wusste ich nicht, wie ich 25 Kilometer schaffen sollte. Insgesamt war meine Laune an dem Morgen nicht die Beste, doch das änderte sich schnell, als ich sah, mit welcher Freude die Pilgergruppe sich begrüßte.

Fürbittenbuch als kleiner Wegbegleiter

Neben dem Pilgerbuch mit Gebeten, Schriftexten und Gesängen, gab es noch einen weiteren Gegenstand, der die Pilger auf ihren Weg begleitete. Ein kleines buntgemustertes Notizbuch. Es handelte sich um das Fürbittenbuch, indem schon viele Seiten beschrieben waren. Jeden Tag können die Pilger ihre Anliegen und Fürbitten in das Buch schreiben. Die Fürbitten werden im Anschluss einer Tagesetappe, im Gottesdienst von einem Freiwilligen vorgetragen. An diesem Tag kam Stefanie Kaiser auf mich zu und fragte mich, ob ich die Fürbitten vorlesen wolle, was ich lächelnd bejahte.

Auf der Etappe hatte man eine grandiose Aussicht auf Niederweidbach und die umliegenden Dörfer. Was jedem sofort in den Blick fiel, war der Aartalsee, der zugleich auch Zeichen dafür war, dass es nun nicht mehr lange bis nach Bicken, dem Tagesziel, dauern würde. „Ab hier sind es nur noch fünf bis sechs Kilometer“, verkündete Joachim Stowasser aus Breitscheid. Er war zuvor die Strecke, zusammen mit Pfarrer Dr. Christof May, der jedes Jahr die Fußwallfahrt initiiert, abgefahren und wusste genau, welche Herausforderungen noch in den nächsten Tagen auf die Pilgergruppe zukommen würden.

Es liegt an uns, was wir aus unserem Leben machen

Der Großteil war geschafft und es fühlte sich an, als sei man erst ein paar Schritte unter Freunden spazieren gegangen. Es ist die Gemeinschaft, die über die Woche entsteht, und das Wiedersehen einiger Dauerpilger. Der Austausch über die Sorgen und Gedanken, die jeder mit sich rumträgt, schweißen zusammen. Sie helfen dabei, neuen Mut und neue Kraft zu schöpfen. Das fiel auch mir auf: Obwohl mich am Morgen noch keiner kannte, fühlte es sich an, als würde ich schon ewig dazugehören. „Pilgern und Exerzitien sind keine Tankstellen, sondern ein Nebeneffekt“, so May bei einem der Impulse. Es sei wichtig, dass sich Berufstätige, mit ihrem Ballast auseinandersetzen, denn das helfe zu entspannen, runterzufahren und raus aus dem Alltag zu kommen. Pilgern und Exerzitien allein helfen aber nicht und seinen dabei ein Nebeneffekt.

 „Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand“ (Ex 12,11), so lautete das Tagesmotto. Damit sollte uns verdeutlicht werden, dass uns alles im Leben geschenkt werde. Gott gebe uns nur den Ballast mit, den er uns auch zutraut, zu bewerkstelligen. Es liegt an uns, was wir aus unserem Leben machen und welchen unnötigen Ballast wir hinter uns lassen können, erklärte Pfarrer May.

Welches unnötige Gepäck tragen wir mit uns herum?

Bei herrlichem Sonnenschein ging es runter zum Aartalsee. Die Pilgergruppe suchte sich ein schattiges Plätzchen unter einem Baum, mit Blick auf den See, auf dem ein Segler seine Runden drehte. Abseits vom Trubel, las Wolfgang Stowasser das Emmaus-Evangelium vor. Danach sollte sich jeder einen - ihm noch unbekannten - Partner suchen. Die Aufgabe war, sich in 30 Minuten darüber auszutauschen, was einen bewegt. Diesen Austausch erlebte ich als einen sehr intensiven, der erneut von der Gemeinschaft geprägt war, welche innerhalb kürzester Zeit entstanden war. Es wurde sich über persönliche Geschichten, Gedanken und Erlebnisse ausgetauscht. Die Offenheit der Pilger faszinierte mich.

Auf einem Weg der Stille sollte man sich überlegen, welches Gepäck jeder in seinen Alltag integrieren möchte und welchen Ballast jeder in seinem Leben abwerfen könnte. Was braucht es auf dem Pilgerweg unseres Lebens? Welches unnötige Gepäck tragen wir mit uns herum, was hat sich in den letzten Jahren angesammelt? Fragen, die mich selbst zwei Tage nach dem Pilgerweg noch beschäftigen und nicht mehr loslassen.

„Am ersten Tag war es schon heftig, da hatten wir uns noch ein bisschen verlaufen, und dann waren es am Ende schon 30 Kilometer“, scherzte Regina Koob aus dem Bezirksbüro Lahn-Dill-Eder, als wir uns auf der Zielgeraden befanden.

Für mich war dieser Tag ein besonderes Ereignis. Die Erfahrungen, die ich machen durfte, die persönlichen Gespräche, das Gemeinschaftsgefühl, die Impulse, Gebete und Andachten möchte ich nicht mehr missen. Am Ende des Tages war ich stolz, die Tagesetappe geschafft zu haben und musste mir selber eingestehen, dass die Zeit wie im Fluge verging. Selbst die 25 Kilometer erschienen mir während des Pilgerns kürzer, doch in meinen Knochen bekam ich die Etappe am darauffolgenden Tag zu spüren. (pe)

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