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14.02.2017

"Eine Region im Wandel"

Mobilität und Tradition prägen den Bezirk Westerwald

Klöster und Wallfahrten sind auch für den Bezirk Westerwald wichtig. Das Kloster Marienstatt lockt viele Besucher an. Foto: Bistum Limburg(2)/Winkler(1).

MONTABAUR.- Die Spannung zwischen Mobilität und Tradition kennzeichnet den katholischen Bezirk Westerwald. Mit Blick auf die Katholikenzahl ist er der zweitgrößte Bezirk des Bistums und der einzige, der vollständig in Rheinland-Pfalz liegt. Hier leben insgesamt 95.000 Katholiken auf einer Fläche von mehr als eintausend Quadratkilometern. Es ist eine ländliche Region mit kleineren Strukturen. "Die Menschen fühlen sich in ihren Ortschaften wohl und sind mit ihren Kirchen und Kapellen stark identifiziert", erklärt Bezirksreferent Stephan Geller. Er sieht darin auch einen Grund dafür, dass die Zahl der Kirchenaustritte im Westerwald geringer und die Zahl der Gottesdienstbesucher höher ist als im Bistumsvergleich. "Der Westerwälder ist halt treu", lächelt Geller. Dennoch sei im Westerwald die Zeit nicht einfach stehen geblieben. "Wir leben hier auch nicht auf einer Insel der Glückseeligen, wie manch einer meint", ergänzt Bezirksdekan Heinz-Walter Barthenheier und macht deutlich: "Der Westerwald entzieht sich den gesellschaftlichen Megatrends nicht." Zwar habe die Kirche und ihre Traditionen noch einen festen Platz im Leben der Menschen, aber die Kirchenbindung lasse auch hier nach. "Die Volkskirche, wie wir sie uns vorstellen und wie sie sich manch einer immer noch wünscht, gibt es auch hier nicht mehr", sagt Barthenheier.

Kein Grund für Resignation

Für Resignation gebe es aber keinen Grund. In den neun Pfarreien neuen Typs, die es seit Jahresbeginn im Bezirk gibt, und mit denen die große Strukturreform zunächst abgeschlossen ist, seien erste Aufbrüche erkennbar. Stark sei das Engagement etwa im Bereich der Kindertagesstätten, in der Caritas (der Bezirkscaritasverband ist der drittgrößte im Bistum), in der Seelsorge für Menschen mit Behinderung, in der Jugendarbeit und in der ökumenisch organisierten Notfallseelsorge. "Wir fragen uns hier im Westerwald überall, was es heißt, Kirche auf dem Land zu sein?", erklärt Barthenheier. Isoliert könne die Kirche nicht mehr wirken. "Wir müssen uns stärker einmischen und einbringen. Dafür haben wir hier wirkliche Chancen, denn unsere Kirchen und Kapellen sind in vielen Ortschaften die letzten offenen Institutionen", sagt Stephan Geller, "Institutionen, die den Menschen noch sehr wichtig sind und auch die Landschaft prägen." Ein großes Thema für den Westerwald ist die Mobilität. Viele junge Familien hätten in der Region eine Heimat gefunden und schätzten das Leben auf dem Land. Zum Arbeiten ziehe es sie jedoch jeden Tag ins Rhein-Main-Gebiet oder auch in den Großraum Köln-Bonn. Die gute ICE-Anbindung mache dies möglich. In der Mobilität sehen Barthenheier und Geller eine Realität, die in der Pastoral viel mehr Beachtung finden müsste.

Ehrenamtliche sind größte Schätze

Drei Ordensgemeinschaften sind besonders eng mit dem Westerwald verbunden und haben ihr Mutterhaus oder wichtige Klöster in der Region: Die Armen Dienstmägde Jesu Christi wirken von Dernbach aus weltweit und engagieren sich stark im Bereich der Caritas. Die Zisterzienser, die in der Abtei Marienstatt leben und eine spirituelle Ausstrahlung haben, die jedes Jahr tausende von Pilgerinnen und Pilger fasziniert. Und auch die Barmherzigen Brüder von Montabaur. Prägend für das ganze Bistum ist das Karlsheim, die Jugendbegegnungsstätte in Kirchähr, in der viele Jugendgruppen Jahr für Jahr zu Gast sind. Prägend sind die traditionsreichen Wallfahrten, die nach Marienstatt, Wirzenborn oder Kamp-Bornhofen führen. "Einer unserer größten Schätze jedoch sind die vielen Ehrenamtlichen, die sich in den Pfarreien und an den verschiedenen Kirchorten engagieren", ergänzen Geller und Barthenheier. Dieses Engagement führen die beiden auch auf die Mentalität der Menschen zurück. Westerwälder seien direkt in der Kommunikation, offen in ihrer Meinung, herzlich (wenn sie einen kennen) und verlässlich. Es sei fast so, wie in der Hymne auf den Westerwald beschrieben: "O, du schöner Westerwald über deine Höhen pfeift der Wind so kalt; jedoch der kleinste Sonnenschein, dringt tief ins Herz hinein". (StS)

Bischof Georg Bätzing besucht am 15. Februar 2017 den Bezirk Westerwald. Weitere Informationen zum Programm.


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