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12.09.2017

Den Perspektivwechsel wagen

Tag der Pfarrgemeinderäte im Zeichen der Kirchenentwicklung

Mehr als 80 Mandatsträger aus den Synodalen Gremien im Bistum waren beim Tag der Pfarrgemeinderäte dabei und haben sich intensiv mit der Frage befasst wozu die Kirche heute da ist.

LIMBURG.- Lebhaft, intensiv und inspirierend. So lässt sich die Stimmung beim Tag der Pfarrgemeinderäte in der 59. Limburger Kreuzwoche am besten zusammenfassen. Mehr als 80 Mandatsträgerinnen und Mandatsträger aus den synodalen Gremien waren zum ersten Tag der Themenwoche am Sonntag, 10. September, nach Limburg gekommen und stellten sich in sechs verschiedenen Workshops der Frage: Wozu sind wir als Kirche da? Eine Frage, die eng mit einem grundlegenden Perspektivwechsel verbunden ist und die im Kontext der Kirchenentwicklung eine zentrale Bedeutung hat.

"Wir sind zum Perspektivwechsel eingeladen und aufgerufen", machte Ingeborg Schillai, Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung in ihrem Grußwort deutlich. Die Frage nach dem Wozu sei sehr alt und begleitet die Kirche seit ihrer Gründung. Der Blick in die Geschichte zeige, dass sehr unterschiedliche Antworten auf diese Frage gefunden worden seien. Das habe die Kirche anschlussfähig an die jeweiligen Sorgen und Nöte der Menschen gemacht.

Mutige Menschen mit einem glühenden Herz

Bei allen Herausforderungen, die es ohne Zweifel auf dem Weg der Kirchenentwicklung gebe, sei sie dennoch guten Mutes, wenn sie an die Veränderungen in der Kirche und für die Kirche denke: "Mir ist dabei immer wichtig zu betonen, dass die Frage, was heute von uns als Kirche gebraucht wird, nichts von dem abwertet, was früher gut war. Ich will auch nichts missen von meiner katholischen Sozialisation", sagte Schillai. Sie sehe aber, dass dieses Modell jungen Menschen von heute keine Heimat mehr biete und dass andere keinen Weg mehr zur Kirche finden oder sie daher verlassen. "Ich habe Hoffnung und Vertrauen, dass wir mit dem bewussten Suchen und Ringen nach neuen Wegen für Glaube, Verkündigung und Gemeinschaft gute Antworten finden werden", so Schillai. Die synodalen Gremien vor Ort könnten hier einen wichtigen Beitrag leisten. Bei allem Neuen was entsteht, sollten alle Initiativen und Bemühungen durch das Vertrauen in die Führung und die Leitung des Geistes Gottes begleitet sein. Gott sei es, der wachsen lasse.

Schillai ist davon überzeugt, dass Gott seine Kirche führt, und stets das gibt, was eine lebendige Kirche mit einem lebendigen Volk Gottes brauche. Aus ihrer Sicht seien dies mutige Menschen mit einem glühenden Herz für die Sache Jesu.

 

Ein Perspektivwechsel, der die ganze Diözese umgreift

Prälat Dr. Günther Geis dankte in seinem Grußwort den Mitgliedern in den verschiedenen synodalen Gremien für ihren verantwortungsvollen und verlässlichen Einsatz. "Jede und jeder von Ihnen bringt sich nach Kräften mit seinen besonderen Begabungen ein, um dem Leben der Kirche vor Ort Gestalt und Profil zu verleihen", sagte Geis. Die Befassung mit dem Prozess der Kirchenentwicklung im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass es hier nicht um einen Prozess unter vielen gehe, sondern um einen Basisprozess, um einen Perspektivwechsel, der die ganze Diözese und alle Orte kirchlichen Lebens, die Pfarreien, die Gremien und die Strukturen der Bischöflichen Verwaltung umgreife und zu notwendigen Veränderungen führen müsse.

Workshops und Impulse

Der Tag der Pfarrgemeinderäte bot vor allem Raum zum Austausch über die Veränderungen und die Situation in den Pfarreien vor Ort. Ziel war es hier, den Blick nach vorn zu richten und über inhaltliche Fragen ins Gespräch zu kommen. Es ging darum, Impulse zu bekommen, wie ein Perspektivwechsel im Pfarreiwerdungsprozess, auf der Ebene des Bezirks und im Betrachten der Heiligen Schrift gelingen kann. Impulsgeber waren Rolf Karg, PGR-Vorsitzender der Pfarrei St. Jakobus Frankfurt, Claudia Schultheis aus dem Vorstand des Bezirkssynodalrates im Bezirk Hochtaunus und Pfarrer Ludwig Reichert vom Refugium Hofheim, dem Exerzitienhaus für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Pastoral und Caritas im Bistum Limburg.

Weitere Aspekte der Kirchenentwicklung lernten die Teilnehmer dann in den insgesamt sechs verschiedenen Workshops kennen und nutzten die Runden für einen intensiven thematischen Austausch. Im Workshop "Charismenorientierung in der Gremienarbeit" mit Birgit Henseler aus dem Team Kirchenentwicklung ging es darum, wie die Gaben und Fähigkeiten der Gemeindemitglieder noch mehr in den Alltag der Pfarrei zur Entfaltung gebracht werden können. "Charismenorientierung ist ein Begriff, der sich zunächst nicht von selbst erschließt und sperrig ist. Wenn jedoch klar ist, worum es geht, kann damit gut weitergearbeitet werden. Neu ins Bewusstsein gerückt ist mir, dass wir uns im Alltag der Pfarrei nicht nur auf die Charismen der Gremienmitglieder verlassen sollten, sondern auch über den Tellerrand der Gremien schauen sollten", sagte Wiegand Otterbach aus der Pfarrei St. Peter und Paul im Kannenbäckerland nach dem Workshop. Neue Methoden auf das Wort Gottes zu hören und es in den Sitzungsalltag einzubauen hat Hildegard Winheim aus der Pfarrei St. Martin Idsteiner Land im Workshop "Geistliche Basis für Gremienarbeit mit Maria Becker, Thomas Weinert und Stephan Geller kennengelernt. "Es war unheimlich fruchtbringend und ich hoffe, dass es uns vor Ort immer mehr gelingt, unser Tun in den Gremien am Wort Gottes auszurichten", erzählt Winheim. Rebecca Wachendörfer aus der Pfarrei St. Jakobus in Frankfurt war beim Workshop "Ortsausschuss als Chance: Kirche vor Ort gestalten" mit Jacqueline Schlesinger dabei. Besonders bereichernd fand Sie den Austausch im Workshop, in dem deutlich wurde, dass das Zusammenspiel zwischen Pfarrgemeinderat und Ortsauschuss nicht überall reibungslos läuft. Daher plädierte die Gruppe dafür, geduldig und kommunikativ weiterzuarbeiten, das gegenseitige Verständnis zu fördern und danach zu fragen, was jedes Gremium für ein gelingendes kirchliches Leben und die Weitergabe des Glaubens tun könne. In weiteren Workshops ging es um die Frage, wo Kirche den Menschen mit ihren Anliegen und Nöten begegnet. Margurit Assmann und Lisa Gerdom berichteten hier von den "Frankfurter Hilfenetzwerken". Susanne Gorges-Braunwarth nahm in ihrem Workshop die Möglichkeiten und Chancen von Netzwerkarbeit in Kirche und Pfarrei in den Blick. Martin Klaedtke stellte sich der herausfordernden Frage "Mit welchem Kirchenbild sind wir unterwegs?"

Der Tag der Pfarrgemeinderäte war der erste Thementag der Limburger Kreuzwoche. Am Dienstag geht die Veranstaltungswoche mit dem Tag der Religionspädagogik weiter. Zusätzliche Informationen gibt es im Internet unter www.kreuzfest.bistumlimburg.de. (StS)

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