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19.07.2017

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Bistum Limburg veröffentlicht Jahresabschlüsse 2016

Haushalt 2016: Bistum Limburg veröffentlicht den Jahresbericht. (Foto: F. Schuld/Bistum Limburg)

LIMBURG.- Die Bilanz der Körperschaft Bistum Limburg weist zum 31. Dezember 2016 ein Volumen von 1,05 Milliarden Euro aus. Das sind etwa 41 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Insgesamt 958 Millionen Euro der Bilanzsumme sind im Anlagevermögen der Körperschaft gebunden. Dies geht aus dem Jahresbericht 2016 hervor, den das Bistum am Mittwoch, 19. Juli 2017 veröffentlicht hat. Der Jahresbericht umfasst die Körperschaften Bistum Limburg, Bischöflicher Stuhl zu Limburg und Limburger Domkapitel sowie die rechtlich selbständige Schulstiftung des Bistums Limburg.

Generationengerechtigkeit ist Maßstab bei der Verwendung des Jahresergebnisses

Aus dem positiven Jahresergebnis des Bistums Limburg können insgesamt gut 51 Millionen Euro verwendet werden. "Die aktuelle wirtschaftliche Situation gibt uns Raum zur Gestaltung. Der Umgang damit verlangt in besonderer Weise Verantwortungsbewusstsein nicht nur für das 'heute' sondern - mehr noch - für zukünftige Generationen", erklärt Gordon Sobbeck, Finanzdezernent und Ökonom der Diözese. Er rechne damit, dass die Erträge aus der Kirchensteuer in Zukunft strukturell bedingt deutlich sinken werden. Wirtschaftliche Zukunftsvorsorge sei daher auch weiterhin eine zentrale Aufgabe.

Fünf Millionen Euro führt das Bistum der Schulstiftung zu. Der Eine-Welt-Fonds wird um weitere 2,5 Millionen Euro aufgestockt. Die Caritasstiftung bekommt eine Zuwendung von 500.000 Euro. Je eine Million Euro wurden für die Arbeit an einer Willkommenskultur für Flüchtlinge sowie den Weg der Kirchenentwicklung bereitgestellt. Die Baustiftung erhält 13,9 Millionen Euro. Die pfarrlichen Baurücklagen werden mit 14,1 Millionen Euro gestärkt. "Wir sehen es als unsere Verantwortung an, den zurückliegenden, gegenwärtigen und zukünftigen Instandhaltungsbedarf der Gebäude besonders in den Blick zu nehmen und haben deshalb hier einen Schwerpunkt in der Ergebnisverwendung gesetzt. Dies trägt dem Gedanken einer generationengerechten Haushaltspolitik in besonderer Weise Rechnung" betont Sobbeck. Derzeit werden im Rahmen eines Bistumsprojektes sukzessive alle Immobilien der Kirchengemeinden systematisch erfasst und bewertet. Dabei zeigt sich an vielen Gebäuden ein deutlicher Instandhaltungsstau. "Wir werden in Zukunft weitere Vorsorge treffen müssen, um die langfristig für die pastorale Arbeit benötigten Gebäude in einem angemessenen Zustand zu erhalten" so Sobbeck weiter. Zur nachhaltigen Stärkung der wirtschaftlichen Substanz ist zudem das Kapital um 13,4 Millionen Euro aufgestockt worden.

Vorsorgeposten werden fortgeführt und ausgebaut

"Konsequente Zukunftsvorsorge hat im Bistum Limburg Tradition. Bereits vor Jahrzehnten haben die Verantwortlichen im Diözesankirchensteuerrat und in der Verwaltung begonnen, Vorsorge für zukünftige Verpflichtungen zu treffen. Ein Ergebnis ist beispielsweise in vollständig kapitalgedeckter Versorgungsfonds", betont Finanzdezernent Sobbeck. Auf der Passivseite der Bilanz ist daher der Versorgungsfonds mit einem Gesamtvolumen von etwa 206 Millionen Euro ausgewiesen. Dieser Fonds sichert die Altersversorgung von Geistlichen, Beamten und Pfarrhaushälterinnen. Die Bewertung dieses zentralen Vorsorgepostens erfolgt vollständig nach den handelsrechtlichen Vorschriften. Darüber hinaus werden die im vergangenen Jahr gebildeten Zinsausgleichsrücklagen fortgeführt, um auf das anhaltend niedrige Zinsniveau zu reagieren.

Vorsorge ist auch mit einer Baustiftung getroffen, die mittlerweile auf ein Volumen von etwa 222 Millionen Euro angewachsen ist. Darüber hinaus werden kontinuierlich Rücklagen und Rückstellungen für Baumaßnahmen in den Pfarreien und auf diözesaner Ebene gebildet. Diese Positionen sind in der Bistumsbilanz 2016 mit rund 144 Millionen Euro enthalten. Ziel ist es, die Finanzierung von Baumaßnahmen der Kirchengemeinden und des Bistums sicherzustellen. Das weltkirchliche Engagement des Bistums wird durch die Erträge des Eine-Welt-Fonds, dessen Kapital inzwischen rund 36 Millionen Euro beträgt, zum größeren Teil von der Kirchensteuer unabhängig gemacht. Zudem bestehen weiterhin haushaltsrechtliche Rücklagen von rund 101 Millionen Euro sowie eine Clearing-Schwankungsreserve von rund 54 Millionen Euro, die weitere Risiken abdecken.

120 Millionen Euro aus der Kirchensteuer für Seelsorge in den Pfarreien zur Verfügung gestellt

Fast 330.000 Euro fließen jeden Tag aus den Kirchensteuereinnahmen in die Arbeit der Seelsorge in den Pfarreien vor Ort. Insgesamt standen im Jahr 2016 etwa 214 Millionen Euro aus Kirchensteuern zur Verfügung. Davon werden etwa 120 Millionen Euro (56 Prozent) für die Seelsorge in den Pfarreien verwendet.

Für den Bereich Immobilien, Infrastruktur, Leitung, zentrale Aufgaben, Verwaltung und synodale Arbeit wurden rund 24 Millionen Euro des Kirchensteueraufkommens verwendet. In den Bereich Schule und Bildung flossen rund 16 Millionen Euro und in den Bereich Soziale Aufgaben ebenfalls rund 16 Millionen Euro. Für überdiözesane und weltkirchliche Aufgaben wurden etwa 11 Millionen Euro verwendet und in die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien flossen etwa 9 Millionen Euro des Kirchensteueraufkommens. Insgesamt rund 7 Millionen Euro stehen für die Seelsorge in besonderen Situationen, für überpfarrliche Seelsorge und die Arbeit in den Bezirken zur Verfügung. Die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz erhalten für den Kirchensteuereinzug etwa 6 Millionen Euro und für den Bereich Liturgie, Kirchenmusik, Museen und Kultur werden knapp 4 Millionen Euro verwendet.

Jahresabschluss des Bischöflichen Stuhls

"Die Arbeit in der Vermögensverwaltung des Bischöflichen Stuhls war in den vergangenen Jahren weitgehend von Aufarbeitung, beispielsweise die vollständig erfolgte Rückabwicklung der Geschehnisse rund um das ehemalige St. Georgswerk, geprägt. Zwischenzeitlich haben wir auch bei dieser Körperschaft die Maßnahmen zur Substanzstärkung und Sicherung der Zukunftsfähigkeit ganz wesentlich vorantreiben können und der Jahresabschluss 2016 bildet das auch ab" resümiert Finanzdezernent Sobbeck. Bereits mit der Veröffentlichung der Jahresabschlüsse 2015 im August 2016 wurde darüber informiert, dass der Bischöfliche Stuhl im Jahr 2016 insgesamt 16 vermietete Wohnimmobilien veräußert hat. Dadurch konnten Risiken, die sich aus der Verpflichtung zum Erhalt ergaben, ebenso wie bestehende Verbindlichkeiten abgebaut und Finanzanlagen mit planbaren ordentlichen Erträgen erworben werden.

"Der Jahresabschluss 2016 des Bischöflichen Stuhls ist von dieser Vermögensumstrukturierung maßgeblich geprägt. Die insgesamt 16 Wohnimmobilien konnten zu einem höheren Preis veräußert werden als in der Bilanz bewertet. Dadurch ergab sich ein so genannter Buchgewinn von 14,5 Millionen Euro, der das Jahresergebnis erheblich positiv beeinflusst hat", erläutert Finanzdezernent Sobbeck.

Die Veräußerung der Immobilien zum Gesamtpreis von 31 Millionen Euro erfolgte in einem sogenannten strukturierten Bieterverfahren. Daneben waren verschiedene kirchenrechtliche Vorgaben zu berücksichtigen, unter anderem die Zustimmung der zuständigen Gremien der diözesanen Vermögensverwaltung.

"Der aus der Veräußerung der Immobilien resultierende Mittelzufluss wurde in Finanzanlagen investiert. Durch den transparenten Ausweis des Buchgewinns aus dem Verkauf der Immobilien wurden die stillen Reserven des Anlagevermögens des Bischöflichen Stuhls, die als Risikobudget eine zentrale Rolle einnehmen, vollständig bilanziell aufgedeckt. Wir haben daher aus dem Buchgewinn eine Rücklage in Höhe von 3 Millionen Euro gebildet, um für etwaige zukünftige Kursschwankungen Vorsorge zu treffen", macht Sobbeck deutlich.

Die Bilanzsumme des Bischöflichen Stuhls beträgt zum 31. Dezember 2016 etwa 83 Millionen Euro, wovon 77 Millionen Euro Anlagevermögen darstellen. Die Ergebnisrechnung weist einen Überschuss von etwa 11 Millionen Euro aus. "Auf den ersten Blick mag das hohe positive Ergebnis des Bischöflichen Stuhls überraschen. Dieser Überschuss ist jedoch durch die Sondereffekte im Zusammenhang mit der Vermögensumstrukturierung entstanden. Rechnet man diese Effekte heraus, ergibt sich ein Defizit von etwa 300.000 Euro. Dies entspricht der derzeit strukturellen Ergebnissituation dieser Körperschaft", erklärt Sobbeck.

"Im Jahr 2016 ist mit der Veräußerung der 16 Wohnimmobilien die größte Einzelmaßnahme zur Neustrukturierung des Vermögens des Bischöflichen Stuhls zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht worden. Diese Arbeiten werden auch in den nächsten Jahren fortgesetzt und sich weiter in den zukünftigen Jahresabschlüssen niederschlagen. Der Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung der Körperschaft wird noch Zeit in Anspruch nehmen. Erst auf längere Sicht wird ein vollständiger Abbau des strukturellen Defizits möglich sein.", fasst Finanzdezernent Sobbeck die aktuelle Situation und den Ausblick zusammen.

Domkapitel - Schulstiftung

Die Bilanzsumme des Limburger Domkapitels weist insgesamt 5,6 Millionen Euro auf und ist größtenteils (5,2 Millionen Euro) im Anlagevermögen gebunden. Die Summe der laufenden Erträge wird mit rund 2,5 Millionen Euro beziffert, die laufenden Aufwendungen betragen etwa 2,1 Millionen Euro. Etwa 1,1 Millionen Euro davon sind Personalaufwendungen, unter anderem für die Betreuung und Ausbildung der Limburger Domsingknaben, des Limburger Domchores und der Mädchenkantorei. Darüber hinaus werden Domküster und Domorganist ebenso abgebildet wie die Gestellungsleistungen für die Domschwestern.

Die Schulstiftung des Bistums Limburg als rechtsfähige kirchliche Stiftung des bürgerlichen Rechts ist durch eine weitere Zustiftung des Bistums Limburg von 5 Millionen Euro in der Bilanzsumme auf fast 57 Millionen Euro angewachsen; das Vermögen besteht nahezu vollständig aus Finanzanlagen. "Von den Erträgen, die das Vermögen der Schulstiftung erwirtschaftet, profitieren sowohl die Katholischen Schulen im Bistum Limburg als auch das Bistum. Die Diözese wird durch laufende Zuschüsse finanziell entlastet und die Schulen durch gezielte projektbezogene Förderung in ihrer weiteren Profilierung unterstützt", sagt Sobbeck.

Wirtschaftliche und inhaltliche Informationen

Der Jahresbericht 2016, der alle Jahresabschlüsse sowie die Prüfungsbescheinigungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beinhaltet, folgt in seiner Gestaltung der Neukonzeption des Vorjahres. Neben wirtschaftlichen werden dabei auch wichtige inhaltliche Bereiche in den Blick genommen. Als ein inhaltliches Thema wird die Berücksichtigung ethisch-nachhaltigen Kriterien in der Kapitalanlage des Bistums Limburg im Jahresbericht aufgegriffen. "Wohlwissend, dass der notwendige Abwägungsprozess zwischen ethischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit durchaus spannungsreich ist, möchten wir die handlungsleitenden Kriterien transparent offen legen", sagt Sobbeck.

Durch jährlich wechselnde Themenschwerpunkte zeigt sich ein buntes Bild zum kirchlichen Leben im Bistum Limburg.

Jahresbericht 2016

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