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24.02.2017

Viel Lebendigkeit und Glaubenskraft

Bischof Georg Bätzing besucht katholischen Bezirk Lahn-Dill-Eder

Viele schöne Begegnungen erlebte Bischof Georg bei seinem Bezirksbesuch in Lahn-Dill-Eder. Fotos: J.Sommer/C.Mann/Bistum Limburg.

HERBORN/DILLENBURG.- Bischof Georg Bätzing hat die Gläubigen aufgerufen, wie der Apostel Petrus Jesus als Sohn Gottes zu bekennen: "Du bist der Sohn Gottes. Das ist die Wahrheit, die wir zu bezeugen haben mit unserem Leben", sagte der Limburger während seiner "Kennenlerntour" durch den katholischen Bezirk Lahn-Dill-Eder am Mittwoch, 22. Februar 2017. Mehrere hundert Gläubige waren zu dem Gottesdienst mit anschließender Begegnung im Pfarrsaal von St. Petrus Herborn gekommen.

"Für wen haltet ihr mich? Das ist doch auch heute wieder die Frage", sagte der Bischof in seiner Predigt. Christen dürften sich nicht mit einer christlich geprägten Gesellschaft zufrieden geben. Vielmehr müssten sie wie die Apostel durch das eigene Leben Jesus als den Sohn Gottes bezeugen.

Der Bischof dankte für die vielen Begegnungen mit den Menschen des Bezirks während seiner Stippvisite. "Ich spüre: Ich bin Jesus vom Morgen bis zum Abend begegnet in anderer Gestalt", sagte Bätzing.

Große Zuversicht, viele Hoffnungen

Der Limburger Bischof besuchte die Kleinstädte Biedenkopf, Dillenburg und Herborn. In Biedenkopf feierten rund 110 Gläubige mit dem Bischof ein Morgengebet. "Ich bin sehr überrascht, dass an einem Mittwochmorgen so viele zusammenkommen. Das sagt mir: Hier ist viel Lebendigkeit und viel Glaubenskraft." Wenn es gelinge, die Kirchen der Region als Stätten des Gebets für die Menschen offen zu halten, sei die Zukunft der Kirche gesichert.

Dass es im Bezirk Lahn-Dill-Eder trotz der nicht einfachen Diasporasituation große Zuversicht gibt, zeigte das Gespräch am Vormittag mit Priestern, Gemeinde- und Pastoralreferenten sowie Mitarbeitern der Fachstellen. Für Menschen, egal ob alt, jung, krank, gesund, geflüchtet, vertrieben oder hier geboren, für die Jugendkirche, für eine Wiederentdeckung von Spiritualität, für neue Initiativen und Gebetsschulen, die Ökumene, die Glaubensverkündigung und für Christus wollten die rund 30 kirchlichen Mitarbeiter auch in Zukunft da sein. Von der positiven Grundstimmung und dem selbstverständlich gelebten ökumenischen Miteinander mit Christen anderer Konfessionen zeigte sich Bischof Georg Bätzing im Gespräch beeindruckt: "Das ist ein Schatz der Diaspora, der hier seinen Ort hat", sagte der Bischof. Der Limburger Hirte ermutigte die Mitarbeiter auch künftig ihren Dienst als Befähigung von Menschen zu verstehen: "Was ist denn unser Dienst? Befähigen. In der ganzen Breite, nicht nur im Gebet und im Gottesdienst", sagte Bätzing.

Ökumenisches Miteinander wird selbstverständlich gelebt 

Diese ökumenische Weite im Bezirk Lahn-Dill-Eder war für Bischof Georg auch am Nachmittag erlebbar. Beim Ökumenischen Mittagstisch im Pfarrsaal der katholischen Pfarrei Herz Jesu Dillenburg sprach der Bischof das Tischgebet und kam dann mit ehrenamtlichen Helfern und den Besuchern - meist ältere oder bedürftige Menschen - ins Gespräch. Seit rund zehn Jahren besteht der Mittagstisch in dieser Form. Evangelische und katholische Partner tragen das Angebot, das Bedürftigen eine warme Mahlzeit ermöglichen will. Mehrere Teams von Ehrenamtlichen wechseln sich beim Kochen ab.

Im KleiderTREFF in Dillenburg sprach Bätzing mit Caritasmitarbeitern und Engagierten in der Flüchtlingsarbeit. 2015 wurde der kleine Laden von sechs evangelischen, katholischen und freikirchlichen Partnern ins Leben gerufen. "Hier wurde weit über die Kirchturmgrenzen hinausgedacht", erklärt Isabel-Theres Spanke, Caritas-Mitarbeiterin und Koordinatorin des KleiderTREFFs. Besonders dankbar seien die Ehrenamtlichen über zwei Geflüchtete, die einen Bundesfreiwilligendienst in der Einrichtung leisten. "Von diesen beiden Stellen geht so viel Engagement und Kompetenz aus", sagte Spanke. Seitdem Fatima und Fahrid beim KleiderTREFF arbeiteten, habe sich auch die Kommunikation mit den Geflüchteten stark verbessert. Beiden droht die Abschiebung: "In Afghanistan ist immer noch Krieg", sagt Fahrid auf Nachfrage von Bischof Georg. Die Ingenieurin Fatima ergänzt: "Wir leben in ständiger Angst vor einer Abschiebung."

"Was macht ein Bischof eigentlich?" - Diese Frage einer evangelischen Seniorin im Haus Elisabeth in Dillenburg konnte der Bischof gleich selbst beantworten. Bei dem Besuch segnete der Bischof die älteren Menschen und versprach wiederzukommen. Bätzing schaute trotz engen Zeitplans auch in der Kindertagesstätte St. Nikolaus sowie beim Konvent indischer Schwestern vorbei. Mit den Kindern puzzelte der Limburger Hirte. Peter Bittermann, Geschäftsführer des Hauses, überreichte Bätzing einen Stein aus schwarzem Lahn-Marmor aus dem Altar der alten Kapelle des Hauses als Geschenk und Erinnerung für den Besuch.

Große Herausforderungen im Bezirk

Beim Treffen mit synodalen Vertretern am Abend wurde auch kontrovers über die schwierigen Herausforderungen gesprochen, vor denen der Bezirk steht. Die demografische Entwicklung bereitet große Sorgen. Die Generation der Vertriebenen, die nach dem Weltkrieg 1945/1946 in den Bezirk kamen und einen Großteil der Katholiken ausmachten, sei alt geworden, zeigte Bezirksdekan Michael Niermann auf. Gleichzeitig würden nur noch wenige Kinder katholisch getauft. Auch bei der geplanten Pfarreiwerdung der Pfarreien St. Petrus Herborn und Herz Jesu Dillenburg sowie der Frage nach dem Erhalt der Kirchenbauten gibt es großen Gesprächsbedarf. "Die Strukturen sind nur die eine Seite. Sie sind nichts, wenn es uns nicht gelingt, sie mit Leben zu füllen", sagte Bätzing. Kirche sei keine Immobiliengesellschaft, sondern eine "mobile apostolische Gesellschaft". "Ich möchte Menschen ermutigen: Schaut auf eure Kirche, trefft euch darin und betet." Kirche lebe dort, wo sich Menschen treffen und zusammenkommen. (clm)

Der Bezirk Lahn-Dill-Eder ist mit 1.149 Quadratkilometer der größte der elf katholischen Bezirke im Bistum Limburg. In den Pfarreien Herz Jesu Dillenburg, St. Petrus Herborn und dem Pastoralen Raum Biedenkopf leben etwa 20.500 Katholiken. Sie bilden mit 10,8 Prozent der Gesamtbevölkerung eine Minderheit.

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