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31.01.2017

"Stolz wie Bolle"

Bischof besuchte katholischen Bezirk Rhein-Lahn

Bei seiner Kennenlerntour durch den Bezirk Rhein-Lahn machte Bischof Georg Station im Kleiderladen "Sankt Martins Mantel" in Nassau. Hier feierte er mit den Ehrenamtlichen den ersten Geburtstag der ökumenischen Initiative. (Fotos: T. Steiger/Bistum Limburg)

RHEIN-LAHN.- "Herzlich Willkommen. Wir sind stolz wie Bolle, dass Sie heute hier sind", rief Uschi Thorn Bischof Georg Bätzing zu, als er bei seiner Kennenlerntour durch das Bistum Limburg am Freitag, 27. Januar, im katholischen Bezirk Rhein-Lahn Station machte und den ökumenischen Kleiderladen "Sankt Martins Mantel" in Nassau besuchte. Uschi Thorn ist eine von insgesamt 15 Ehrenamtlichen, die sich um den Laden und um die Menschen kümmern, die als Kunden zu ihnen kommen um günstige Kleidung oder auch Haushaltswaren zu kaufen. "Wir sind hier vom Stamme "Nimm" und geben das, was wir bekommen, gerne an Menschen, die es brauchen, weiter", berichtet Thorn beim Rundgang durch den Laden. Seit einem Jahr gibt es das Angebot in einer ehemaligen Gaststätte in der Kaltbachstraße in Nassau nun. Grund zu feiern, denn die Initiative, hinter der die ökumenische Flüchtlingsinitiative Nassau steht, und die von vielen Organisationen und Stellen unterstützt wird, hat sich in dieser Zeit bereits zu einer wahren Erfolgsgeschichte entwickelt. Davon ist auch Bischof Georg überzeugt: "Ich bin begeistert. Dieser Laden ist ein Leuchtturm mit Strahlkraft und zeigt, was an Solidarität wachsen kann." Auch an dieser Initiative werde deutlich, dass Vieles in Kirche und Gesellschaft ohne ehrenamtliches Engagement nicht möglich wäre.

Den demografischen Wandel gestalten

Den zweiten Halt auf seiner Tour durch den rheinland-pfälzischen Teil des Bistums machte der Bischof in Lahnstein. Hier besuchte er das Caritas-Altenzentrum St. Martin im Herzen der Stadt. Auch hier bereiteten die älteren Bewohnerinnen und Bewohner dem Bischof einen herzlichen Empfang. Der Bischof nutzte den Besuch auch, um sich über ein innovatives Generationen-Projekt zu informieren. "Wir wollen hier ein Zentrum im Altenzentrum verwirklichen, das offen ist für alle Menschen und Begegnung ermöglicht", erklären Astrid Haderlein und Michael Noack vom Quartiersmanagement. Das Projekt will den demografischen Wandel in der Stadt mitgestalten und dafür ein Netzwerk aus interessierten, engagierten Menschen und Akteuren aufbauen, die gemeinsam mit allen Bürgern an der Verbesserung der Lebensqualität in Oberlahnstein arbeiten. Es soll auch Angebote geben, die Menschen verschiedenen Alters mit den Bewohnern des Altenzentrums zusammenbringen. Um dafür auch die nötigen Räume bieten zu können, wird das Altenzentrum, das in den 1980er-Jahren gebaut wurde, umfassend umgebaut und an heutige Standards angepasst.

"Schön, wieder einmal hier zu sein", grüßte der Bischof die Kommunität der Franziskaner, die im Kloster Bornhofen, einem großen Wallfahrtsort im Bistum Limburg, wirken. Bischof Georg war zu seiner Zeit als Kaplan in Koblenz öfter mit Pilgergruppen beim Gnadenbild und kannte sich daher mit der Geschichte des Klosters bereits bestens aus. Die Franziskaner, die neben der Wallfahrtsseelsorge auch in der Pfarrseelsorge im Bezirk wirken, können etwa 300 Pilgergruppen mit etwa 40.000 Pilgern jedes Jahr im Kloster begrüßen. Im kommenden Jahr wird das Gnadenbild aus der Klosterkirche in die Pilgerhalle umziehen, da die Klosterkirche saniert wird.

Auf das schauen, was wächst

Am Nachmittag lernte Bischof Georg die Seelsorgerinnen und Seelsorger des Bezirks kennen. Er erfuhr, dass die Klöster (Arnstein, Bornhofen und Schönau) den Bezirk prägen und dass die Zukunft des Kloster Arnstein ein zentrales Thema ist und die Unterstützung des Bistums hier benötigt wird. Er erfuhr, dass die Seelsorge in den vielen Fachkliniken eine wichtige Aufgabe der Priester und pastoralen Mitarbeiter im Bezirk ist und dass es in vielen Bereichen gute, intensive ökumenische Kontakte gibt. Auch in der Pfarrseelsorge, in der katechetischen Arbeit, in der Schulseelsorge und in der Kirchenmusik ist der Bezirk vielfältig engagiert tätig." Auch in Ihrem Bezirk ist der Umbruch, den es in allen Bereichen der Kirche gibt, spürbar. Wir merken, dass wir Neues wagen müssen und wir spüren, dass uns ein "weiterso" nicht weiterbringt", sagte Bischof Georg. Es stecke viel Bewegung im Pfarreiwerdungsprozess, der neue Strukturen schaffe und, so hofft der Bischof, auch neue Ressourcen freisetze. Es brauche genau diese Ressourcen in der Arbeit, um an der Seite der Menschen zu sein. Das Alte nehme noch viel Raum und Zeit in der täglichen Arbeit ein und es müsse eine Neuorientierung geben. "Lassen Sie uns gemeinsam nach dem Neuen suchen, nach dem, was wächst und wachsen soll. Lassen Sie uns gemeinsam fragen, wie und wo Kirche entsteht", lud Bischof Georg die Seelsorger ein. Diese Einladung gilt auch dem Bezirkssynodalrat, mit denen sich der Bischof auch zu einem ersten Kennenlernen traf.

Gottesdienst und Begegnung

Wie lebendig die Kirche im katholischen Bezirk Rhein-Lahn ist, zeigte sich auch beim Gottesdienst in der Lahnsteiner Barbarakirche mit mehr als 800 Gläubigen aus dem gesamten Bezirk. "An Tagen wie diesen, wo die Kirche so voll ist wie heute, sollten wir uns über den Glauben nicht den Kopf zerbrechen, sondern ihn feiern", rief der Bischof der Gottesdienstgemeinde zu.

Bischof Georg ermutigte dazu, die Veränderungen und Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen, der eigenen Berufung zu folgen und Gegenwart und Zukunft mitzugestalten. "Von Lahnstein aus kann ich in meine Vergangenheit blicken, nach St. Josef, meiner Kaplanszeit in Koblenz. Die Vergangenheit gehört zu uns, aber Christen sind Menschen, die ihr Leben in allen drei Zeiten aufspannen. An die Vergangenheit können wir uns nur erinnern. Sie trägt mich und durchdringt mich. Aber die Vergangenheit darf uns nicht ausbremsen und lähmen. Wir haben Jesus nicht im Rücken, sondern als prächtige Zukunft vor uns. Die entscheidende Zeit für Christen ist die Gegenwart. Sie können wir gestalten. In der Gegenwart können wir Jesus erfahren, der uns Mut gibt", sagte Bischof Georg.

Die Kennenlerntour durch das Bistum setzt der Bischof am 15. Februar 2017 fort. Dann besucht der den katholischen Bezirk Westerwald und wird unter anderem in Montabaur zu Gast sein. (StS)


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