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12.05.2017

Sozial & ökumenisch

26.000 Katholiken leben im Bezirk Untertaunus

Am 18. Mai kommt Bischof Georg Bätzing in den Bezirk Untertaunus. Dort gibt es Kirchen mit bemerkenswerten Geschichten - wie die Kirche von Daisbach. Einst war das Fachwerkhaus ein Wohn- und Amtshaus. (Fotos: Lanz/Bistum Limburg)

IDSTEIN/BAD SCHWALBACH/ TAUNUSSTEIN.- Sozial, ökumenisch und "zwischen den Welten" - mit diesen Worten beschreibt Bezirksreferent Markus Raile "seinen" Bezirk, den Untertaunus. In der Region im westlichen Teil des Taunus leben derzeit etwa 26.000 Katholiken, das sind rund 23 Prozent der Bevölkerung. Drei Verkehrswege durchziehen den Bezirk Untertaunus wie Lebensadern: Die sogenannte Bäderstraße, die von Bad Ems nach Wiesbaden führt und an der zahlreiche Kurorte liegen, die "Aarstraße", die sich von Taunusstein nach Bad Schwalbach und von dort in Richtung Diez zieht und die A3, die an Niedernhausen und Idstein vorbeiführt.

"Ganz stark im Untertaunus sind die Caritas und das soziale und politische Engagement", erklärt Raile. Dies spiegelt sich unter anderem im Einsatz für Bedürftige und Flüchtlinge, in der pax-christi-Bewegung und in lokalen Arbeitskreisen Asyl im Bezirk wider. An Menschen in finanzieller Not richten sich ökumenische Einrichtungen wie der Netz-Shop in Laufenselden oder der Caritasladen in Bad Schwalbach, die Kleidung und Haushaltsgegenstände für wenig Geld abgeben. Möglich sind solche Angebote nur nur durch das Engagement vieler Ehrenamtlicher. In Taunusstein-Bleidenstadt werden seit 2006 schwerstkranke und sterbende Patienten im Caritas Palliativzentrum St. Ferrutius versorgt. In einem ehemaligen Kloster untergebracht ist das Hospiz unmittelbarer Nachbar der Kirchengemeinde und des katholischen Kindergartens. Bewohner und Mitarbeiter des Hospizes erleben das Haus so als eine Insel mitten im Leben.  

Mandela, Martinis und die Landesgartenschau

Wichtige Themenfelder sind im Untertaunus Ökumene, Jugendarbeit und Kirchenmusik. In Aarbergen-Michelbach gibt es einen großen und aktiven Pfadfinderstamm und die Jugendkirche Kana ist im Bezirk mit zahlreichen Angeboten vertreten. Unter anderem organisiert sie, zusammen mit dem evangelischen Dekanat, das Schülercafé Mandela in Taunusstein. Eine besonders herausragende Stellung hat die Kirchenmusik rund um Bezirkskantor Franz Fink im Idsteiner Land. Hier werden Chorsänger von den Kleinsten im Kinderchor St. Martin über zumeist jugendliche Sänger im Kammerchor "Martinis" bis hin zu dem starken Kirchenchor St. Martin vereint. Der Kirchenchor war im vergangenen Jahr auch an der Uraufführung von "Laudato si" im Limburger Dom beteiligt. Darüber hinaus gibt es eine Singschule, ein Orchester, ein Barock-Consort und eine Schola.

"Ökumene spielt eine große Rolle bei uns", sagt Raile. "Wir arbeiten eng und gerne zusammen". Auch im Blick auf die Landesgartenschau im kommenden Jahr in Bad Schwalbach sind nach seinen Worten nun die Weichen für einen ökumenischen Auftritt gestellt. "Das ist eine gute Chance, uns zu präsentieren und Menschen zu begegnen", freut sich Raile auf die Großveranstaltung von April bis Oktober 2018.

Pfarreiwerdung und lokale Kirchenentwicklung

"Vieles ist hier im Bezirk gerade im Aufbau und Umbau. Zu Beginn des Jahres wurde die Pfarrei neuen Typs St. Martin im Idsteiner Land gegründet", erklärt er. Dass dies gut gelungen sei, so Raile, sei auch Verdienst von Pfarrer Kirsten Brast, der zwei Pfarreiwerdungen in Wiesbaden mitbegleitet und jetzt hier wichtige Akzente gesetzt habe. "Nun macht sich der Pastorale Raum Bad Schwalbach auf den Weg". Pfarrer Stefan Schneider, seit mehr als einem Jahr dort im Amt, werde den Prozess ebenfalls erfolgreich umsetzen, zeigt sich der Bezirksreferent zuversichtlich. "Das Leben in den Kirchorten soll in jedem Fall erhalten bleiben", sagt er. Vor Ort spiele die lokale Kirchenentwicklung eine wichtige Rolle. Dabei gehe es darum, wie sich kirchlich-spirituelles Leben entwickeln und Neues wachsen könne. Derzeit gliedert sich der Bezirk in die neu gegründete Pfarrei St. Martin Idsteiner Land und den Pastoralen Raum Bad Schwalbach mit zehn Pfarreien.

Im Wohnhaus oder Kinosaal Gottesdienst gefeiert

Bis auf wenige Ausnahmen haben die katholischen Kirchen im Bezirk keine lange Geschichte, da das Gebiet im Zuge der Reformation evangelisch geworden war. Erste Orte, an denen der katholische Ritus wieder erlaubt wurde, waren Daisbach und Bad Schwalbach.

Besonders die Geschichte Daisbachs ist dabei bemerkenswert. Der Ort bekam mit dem katholischen Freiherr Graf von Galen, der die Herrschaft über den Ort im 17. Jahrhundert käuflich erwarb, wieder einen katholischen Amtmann, in dessen Wohnhaus fortan katholische Messen gefeiert wurden. Katholiken aus anderen Orten kamen zu den Gottesdiensten, obgleich sie von der evangelischen Landesbehörde mit zehn Gulden Strafe belegt wurden. Die "Daisbacher Gottesdienste" sorgten insgesamt für Unruhe in der Region. Letztlich verkaufte von Galen Daisbach an das Haus Nassau-Usingen, allerdings wurde im Kaufvertrag das Recht auf Ausübung des katholischen Glaubens sichergestellt.

Eine weitere ungewöhnliche Kirche ist St. Bonifatius in Michelbach. Die Kirche im Wald ist nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden - vor allem für Heimatvertriebene, die zuvor im Speisesaal der Passavant-Werke und in einem Kinosaal Messe feiern mussten. In Erinnerung dieser Umstände sind die Kirchenbänke dort wie Kinostühle gebaut worden.

Bischof Georg Bätzing hat im Dezember 2016 seine Kennenlern-Reise durch das Bistum gestartet. Auf jeweils eintägigen Stippvisiten besucht er die elf Bezirke, in die die Diözese gegliedert ist. 

Hier gibt es Infos zu den bisherigen Bezirksbesuchen.  (fl)


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