Alle Meldungen

Zeitraum wählen:

bis

24.01.2017

Leben, wo andere Urlaub machen

Bischof Georg besucht am 27. Januar den katholischen Bezirk Rhein-Lahn

Zum Bezirk Rhein-Lahn gehören das Rheintal von Kaub bis nach Lahnstein, das Lahntal mit Bad Ems und Nassau sowie das "Blaue Ländchen" um Nastätten herum. Fotos: clm/Bistum Limburg.

LAHNSTEIN.- "Wir leben dort, wo andere Urlaub machen", sagt Bezirksdekan Armin Sturm und lächelt. Unrecht hat der Lahnsteiner Pfarrer nicht. Der katholische Bezirk Rhein-Lahn, den Bischof Georg Bätzing am 27. Januar auf seiner "Kennenlerntour" besucht, ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes "Oberes Mittelrheintal". Der weltberühmte Loreleyfelsen und mittelalterliche Burgen, etwa die Marksburg bei Braubach, locken Touristen aus der ganzen Welt an. Auf dem Rheinsteig und dem linksrheinischen Jakobsweg sind Wanderer und Pilger durch die atemberaubend schöne Landschaft unterwegs. 502 Quadratkilometer ist der katholische Bezirk im rheinland-pfälzischen Teil des Bistums Limburg groß. Neben dem rechten Rheintal von Kaub im Süden bis Lahnstein im Norden gehört auch das Lahntal mit dem ehemaligen Kaiserbad Bad Ems und der Fürstenstadt Nassau sowie das evangelisch geprägte "Blaue Ländchen" um Nastätten zum Bezirk.

Im Bezirk ist Volkskirche noch lebendig

26.000 Katholiken leben hier in zwei Pfarreien neuen Typs Sankt Martin Lahnstein und Sankt Martin Bad Ems/Nassau sowie dem Pastoralen Raum Mittelrhein. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt 35 Prozent. "Bei uns ist die Volkskirche noch erfahrbar", erklärt Bezirksdekan Sturm. "Allerdings macht der bundesweite Trend auch bei uns nicht Halt: Die Bindung an die katholische Kirche schwindet." Es werde schwieriger Ehrenamtliche zu finden, die Teilnehmerzahlen an Wallfahrten und den Gottesdiensten nähmen ab. Sturm blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: "Nach den Strukturreformen, die im Bezirk 2021 abgeschlossen sein werden, können wir uns schon jetzt mehr mit der Lokalen Kirchenentwicklung beschäftigen und nach neuen Wegen suchen, das Evangelium im Heute zu verkünden." Das innovative "Generationen-Projekt Lahnstein" von Caritas und Kirchengemeinde sowie die vielen Initiativen rund um die Betreuung und Begleitung von Geflüchteten - beispielsweise der Kleiderladen Martins Mantel in Nassau - machten Hoffnung.

Klöster und Wallfahrtsorte prägen

Wie kaum ein anderer Bezirk im Bistum Limburg prägen Klöster und Wallfahrtsorte den Bezirk. Mit Arnstein thront ein imposant gelegenes ehemaliges Prämonstratenser-Kloster in der Nähe von Nassau über der Lahn. Das von Franziskaner geleitete Bornhofen am Rhein mit seiner spätgotischen Pietà und Schönau bei Strüth im "Blauen Ländchen" sind weitere besondere spirituelle Orte, die die Region in der Vergangenheit bis heute kennzeichnen. Viele Gläubige feiern während der Wallfahrtszeit zwischen Mai und September Gottesdienste an den Orten.

Dass die Arnsteiner Patres Ende 2018 den Bezirk wegen Überalterung der Gemeinschaft verlassen werden, bedauert Bezirksreferent Stephan Geller. Für fast 100 Jahre lebten Mitglieder der in Frankreich gegründeten Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens in dem alten Prämonstratenser-Kloster. In Lahnstein unterhielten die Patres bis 2007 das katholische Johannes-Gymnasium. Zum Kloster gehört auch eine Jugendbegegnungsstätte. "Ich bin sehr gespannt, was dann werden wird", sagt Geller.

Eine echte Bistumsheilige

Auch eine der Bistumsheiligen kommt aus dem Bezirk Rhein-Lahn: Elisabeth von Schönau. 1147 trat sie im Alter von 12 Jahren in das Benediktinerinnenkloster Schönau ein und lebte dort bis 1165. Ab 1152 hatte die junge Frau Visionen, die sie weithin bekannt und zu einer gefragten Beraterin in Mitteleuropa machen sollten. Unter dem Limburger Bischof Peter Joseph Blum wurde Elisabeth in das Verzeichnis der Bistumsheiligen aufgenommen. 2015 feiert das Bistum den 850. Todestag von Elisabeth mit einem Jubeljahr. Im Mittelalter noch bekannter als Hildegard von Bingen gehört Elisabeth von Schönau zu den bedeutendsten Visionären und Mystikern dieser Zeit.

Kirchenmusikalischer Schwerpunkt in Bad Ems

Den Glanz vergangener Tage lässt Bezirkskantor Lutz Brenner musikalisch aufleben. Das ehemalige Kaiserbad Bad Ems bildet einen kirchenmusikalischen Schwerpunkt im Bezirk. Seit 60 Jahren gestaltet der St. Martins-Chor Gottesdienste und Konzerte. Mit einem Jubiläumsjahr und Gästen aus ganze Deutschland feierte der aus 80 Sängerinnen und Sängern bestehende Chor sein 60-jähriges Bestehen. Brenner lädt außerdem Organisten aus ganz Deutschland und der Welt zu den Internationalen Orgelkonzerten ein. Orgelfans aus der ganzen Region kommen dann in die Lahnstadt.

Kinderherzen schlagen höher bei Stadtranderholung

Seit 1966 gibt es die Stadtranderholung Scheune Braubach. Der katholische Bezirk begeistert Generationen von Kindern und Jugendlichen mit seiner Freizeit. Fast 450 Kindern nehmen in den sechs Wochen an der Ferienfreizeit teil. Fußballturniere, Survivaltouren, Hütten bauen oder Nachtwanderungen organisieren Ehrenamtliche für die Kinder aus der Region. "Die Aktion ist zu einem Selbstläufer und einem Aushängeschild für uns geworden", freut sich Stephan Geller, der die Stadtranderholung koordiniert. "Der Dank gebührt besonders den vielen Ehrenamtlichen. Ohne sie wäre das Projekt für uns nicht zu stemmen." (clm)


Foto