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21.02.2017

Katholiken bilden selbstbewusste Minderheit

Bischof Georg kommt in den Bezirk Lahn-Dill-Eder

Die You!gendkirche in Haiger ist ein Leuchtturmprojekt für den Bezirk Lahn-Dill-Eder. Zu den kreativen Gottesdiensten kommen 120 bis 150 Jugendliche. Fotos: Sven Haber(1)/C. Mann/Bistum Limburg

DILLENBURG/HERBORN.- "Wir sind ein selbstbewusster Bezirk mit einer starken Struktur in den Kleinstädten Dillenburg, Herborn und Biedenkopf und gehören ganz selbstverständlich zum Bistum Limburg dazu", sagt Bezirksdekan Michael Niermann. "Und wir sehen uns auch nicht so am Rand, wie man das bei einem ersten Blick auf die Bistumskarte vielleicht denken könnte", fügt der Herborner Pfarrer beinahe kämpferisch zu. 20.800 Katholiken leben im nördlichsten Bezirk der Diözese Limburg. Mit 1150 Quadratkilometern ist Lahn-Dill-Eder nicht nur flächenmäßig am größten, in der Region liegt mit Biedenkopf künftig auch die größte Pfarrei des Bistums. Doch in der evangelisch geprägten Gegend machen die Katholiken mit einem Anteil von 10,8 Prozent nur eine Minderheit aus.

Bewusste Entscheidung für katholischen Glauben

Natürlich ist es in der Diaspora nicht einfach, meint Bezirksreferentin Maria Becker. "Ich muss auch schon mal 20 Kilometer fahren, um einen katholischen Gottesdienst besuchen zu können", erklärt die Gemeindereferentin. "In der Diaspora kommen viele Entwicklungen, mit denen sich die katholische Kirche in Deutschland auseinandersetzen muss, bereits jetzt zum Tragen", sagt sie mit Blick auf sich verändernde kirchliche Realitäten, sinkende Mitgliederzahlen, älter werdenden Gottesdienstbesuchern. Auch weil es Angebote von der evangelischen Kirche und vielen Freikirchen gebe, müssten sich Menschen in der Diaspora sehr bewusst für den katholischen Glauben entscheiden.

Bindung an Dorfkirchen ist stark

Die bereits abgeschlossenen Pfarreiwerdungen von St. Petrus in Herborn und Herz Jesu in Dillenburg sowie die aktuell laufende im Pastoralen Raum Biedenkopf seien "schwierige Prozesse" gewesen, erklärt Pfarrer Niermann. "Es geht da ja nicht nur um einen Rechtsakt, sondern auch um das Empfinden der Gläubigen." Der Bezirk stehe nun vor der Herausforderung, das kirchliche Leben vor Ort sicherzustellen. "Die Nähe zu den Menschen ist das wichtigste", sagt Niermann entschieden.

Dabei müsse auch die historisch bedingte starke Bindung der Katholiken zu den Dorfkirchen gesehen werden. "Der größte Teil der Katholiken ist durch die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 in den Bezirk gekommen", erklärt Maria Becker. Schon bald sei der Wunsch gewachsen, sich auch ein neues "katholisches Zuhause" zu schaffen. Viele Kirchen seien noch recht jung. "Sie haben für die Menschen hier eine große Bedeutung, weil viele mit einem hohen Maß an Eigenleistung und finanziellen Einsatz errichtet wurden."

Ökumene besitzt besonderen Stellenwert

Maria Becker blickt trotz der besonderen Diasporasituation zuversichtlich in die Zukunft: "Wir machen in den neuen Pfarreien auch gute Erfahrungen", sagt die Gemeindereferentin. Menschen im Bezirk seien bereit, über die Pfarreigrenzen hinaus zu denken und sich als Ehrenamtliche einzubringen. Es gebe gute Ansatzpunkte für ein stärkeres Zusammenarbeiten in der Zukunft. Ermutigend sei auch der begonnene Weg der lokalen Kirchenentwicklung in der Pfarrei Herz Jesu Dillenburg.

Mut machen Maria Becker auch die gewachsenen ökumenischen Initiativen. Zum ökumenischen Mittagstisch in Dillenburg und Haiger kommen rund 25 bis 50 Menschen, um ein warmes Mittagessen in Gemeinschaft für einen kleinen Preis zu sich zu nehmen. Auf Wunsch gibt es dort seelsorgliche Begleitung und Beratung durch die Caritas. Getragen wird diese Initiative von Ehrenamtlichen aus unterschiedlichen Konfessionen. Es gibt den ökumenischen Pilgerweg, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Wiederkehrende Veranstaltungen, wie das Ökumenische Sofa in Herborn und Ökumenische Bibelabende in Sinn zeigen, wie selbstverständlich das ökumenische Miteinander im Bezirk gelebt wird. Und die traditionelle Wallfahrt des Bezirks am 1. Mai nach Niederweidbach ist nur möglich, weil die evangelische Gemeinde seit vielen Jahren die ehemalige katholische und heute evangelische Marienkirche bereitstellt.

Leuchtturmprojekt You!gendkirche Haiger

Auch ein anderes Leuchtturmprojekt zeichnet sich durch seine ökumenische Weite aus: die You!gendkirche Haiger. Zu den besonderen Gottesdiensten mit fetziger Musik und stimmungsvoller Atmosphäre kommen rund 120 bis 150 junge Menschen. "Das sind Gottesdienste mit absolutem Tiefgang", erklärt Pastoralreferent Michael Wieczorek vom Leitungsteam. Bei dem Projekt geht es aber um mehr, als nur einen Gottesdienst für Jugendliche anzubieten: Jugendliche beschäftigen sich mit Bibeltexten, gestalten kreativ die Liturgie und bringen sich und ihre Themen ein, erleben Spiritualität: "Der Gottesdienst ist das Ziel, aber auch der Weg ist das Ziel", sagt Wieczorek. "Bis zum letzten i-Punkt stammt der Gottesdienst aus der Feder der Jugendlichen." Jede Woche trifft sich das Vorbereitungsteam für zwei Stunden und spinnt an neuen Ideen. "Wir haben uns bewusst für die Vesper als liturgischen Rahmen entschieden. Die Vesper ist ideal, sie bietet viel Gestaltungsspielraum. Außerdem können katholische Jugendliche auch ihre evangelischen Freunde einladen und mitbringen", erklärt der Pastoralreferent. Die You!gendkirche ist für Wieczorek mehr als nur ein erfolgreiches Projekt: "Gott tut da was. Das ist ein Geschenk. Da kommen junge Menschen, die über ihren Glauben reden, auskunftsfähig werden und selbstbewusst im Leben stehen."

Weitere Informationen zum Bezirk unter https://lahn-dill-eder.bistumlimburg.de/home.html

Weitere Informationen zu den Bezirksbesuchen unter https://www.bistumlimburg.de/bezirksbesuche.html


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