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05.12.2016

In Wiesbaden ist die Weltkirche Zuhause

Viele Katholiken anderer Muttersprachen prägen die Stadtkirche

In Wiesbaden ist die Weltkirche Zuhause, Foto: Halisch

WIESBADEN. - Sozial engagiert, mit lebendiger Ökumene, einer regen kulturellen Bildungsarbeit und international geprägt durch einen hohen Anteil von Katholiken anderer Sprachen: So vielfältig präsentiert sich die katholische Kirche in Wiesbaden. Rund 54.200 Katholiken leben hier, davon haben 11.140 eine andere Muttersprache. Insgesamt machen die Katholiken rund 21 Prozent der gesamten Einwohnerzahl der hessischen Landeshauptstadt aus. In den drei Pfarreien St. Bonifatius, St. Peter und Paul und St. Birgid mit ihren 23 Kirchorten und den fünf muttersprachlichen Gemeinden sind 17 Priester, ein Diakon und 36 Gemeinde- und Pastoralreferenten tätig. Stadtdekan und damit zugleich Pfarrer der Pfarrei St. Bonifatius ist seit September 2015 Pfarrer Klaus Nebel.

Das katholische Herz der Stadt

Die St. Bonifatiuskirche, die mit ihren zwei markanten Türmen die Silhouette der Stadt mitprägt, ist zugleich die katholische Stadtkirche von Wiesbaden und - obwohl erst 1845 bis -49 erbaut - eines der ältesten Gotteshäuser der Stadt. Hier und im benachbarten Roncalli-Haus schlägt das katholische Herz der Stadt. Seinen Namen verdankt das 1972 eingeweihte Haus Papst Johannes XXIII., der mit bürgerlichem Namen Roncalli hieß. Im Sinne des von ihm eröffneten II. Vatikanischen Konzils wollen die hier beheimateten Einrichtungen mit ihren rund 130 Mitarbeitenden die Anliegen, Themen und Sorgen der Menschen heute aufgreifen.

Im Stadtbüro laufen die Fäden für die Arbeit auf Stadtebene zusammen, innerkirchlich unter anderem in der Geschäftsführung für die synodalen Gremien mit den gewählten Vertretern der Katholiken. Das Stadtbüro begleitet die Gespräche der Kirchen mit dem Magistrat, organisiert die Treffen der evangelisch-katholischen Synode (EKsyn) und vertritt die katholische Kirche im Bündnis für Demokratie.

Ökumene hat großen Stellenwert

Ein traditionell großes Gewicht hat in Wiesbaden die Ökumene. Projekte wie die Nacht der Kirchen, der Wiesbadener Adventskalender, Andachten im Rahmen des Sternschnuppenmarktes und Kirchenführungen werden in großer Selbstverständlichkeit gemeinsam mit der evangelischen Kirche veranstaltet. Auch die Theatergemeinde Wiesbaden ist in ihrem Vorstand ökumenisch besetzt. Dem Austausch mit allen christlichen Konfessionen in der Stadt dient die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirche (ACK) Wiesbaden. Hier sind 14 christliche Konfessionen vertreten, die gemeinsam einen Beitrag zum besseren gegenseitigen Verstehen und zur Integration leisten.

Engagement für Flüchtlinge

Soziales Engagement ist selbstverständlicher Bestandteil der katholischen Kirche in der Landeshauptstadt. Dazu gehört ein starker Caritasverband, zuständig auch für Rheingau und Untertaunus, mit rund 1.300 hauptamtlichen Mitarbeitern. Früh ist auf die Nöte und Bedürfnisse geflüchteter Menschen reagiert worden. Bereits vor über zwei Jahren ist eine syrische Familie mit sieben Kindern in ein Pfarrhaus eingezogen, inzwischen leben rund 20 Geflüchtete in kirchlichen Wohnräumen. Darüber hinaus gibt es in den Pfarreien Familiencafés und Treffpunkte, Angebote zum Deutschlernen, Begegnungsabende und Fortbildungsangebote für Haupt- und Ehrenamtliche.

Auf neuen Wegen ist in diesem Zusammenhang die Katholische Erwachsenenbildung unterwegs, die sich für ein innovatives Projekt den Hessencampus Wiesbaden und die Goethe-Universität als Partner ins Boot geholt hat. Zum zweiten Mal wird derzeit ein mehrmonatiger Kurs veranstaltet, in dem die Sensibilität für die Religion der Flüchtlinge im Mittelpunkt steht, die nicht als Problem, sondern als Ressource erkannt und genutzt werden soll. Auch Vertreter muslimischer und christlich-orientalischer Gemeinden nehmen daran teil.

Mit kulturellen Angeboten präsent

Eine Besonderheit der Stadtkirche ist der kulturelle Schwerpunkt: Der Fachbereich "Kirche und Kultur" wirkt mit Ausstellungen, Führungen und künstlerischen Wettbewerben in die Stadtöffentlichkeit hinein, um über bildende und darstellende Kunst, Musik und Literatur zum Austausch und zum Gespräch "über Gott und die Welt" anzuregen. Mit der in der Kirche Maria Hilf beheimateten Jugendkirche Kana, 2005 von Bischof Franz Kamphaus initiiert, gibt es einen eigenen attraktiven Ort für die Ansprache von jungen Leuten. Kultstatus haben inzwischen die Lichtinstallationen, die den Kirchenraum in ungewohnte Farben tauchen. Regelmäßig werden Jugendgottesdienste und Projekte vor Ort angeboten, aber auch spezielle Veranstaltungen für Schulen und Schüler.

Die Pfarrei St. Bonifatius ist zum 1. Januar 2012 aus den acht Innenstadtgemeinden gegründet worden und damit eine der ersten beiden Pfarreien "neuen Typs" im Bistum Limburg. Hier leben 22.136 Katholiken (Stand aller Zahlen: 2015). Pfarrkirche ist die St. Bonifatius-Kirche, Pfarrer und Stadtdekan Klaus Nebel. Sein Stellvertreter ist Pfarrer Stephan Gras.

Die Pfarrei St. Peter und Paul wurde zum 1. Januar 2013 aus acht katholischen Pfarreien des Wiesbadener Westens gegründet. Die Pfarrkirche St. Peter und Paul liegt im Stadtteil Schierstein. Zur Pfarrei gehören 18267 Katholiken. Pfarrer Knud W. Schmitt leitet die Pfarrei.

Zum ersten Januar 2014 ist die neue Pfarrei St. Birgid gegründet worden. Sie setzt sich zusammen aus den früheren katholischen Pfarreien des Wiesbadener Ostens. Die Pfarrkirche St. Birgid liegt in Bierstadt. Leiter der Pfarrei ist Pfarrer Frank Schindling. Auf dem Pfarrgebiet leben 13802 Katholiken.

Das Roncalli-Haus (Friedrichstraße 26-28) ist Sitz des Katholischen Stadtbüros, des Caritasverbandes Wiesbaden-Rheingau-Taunus, der Erwachsenenbildung, des Fachbereichs "Kirche und Kultur", der Religionspädagogik, der Familienbildungsstätte und des Gesamtverbandes der Katholischen Kirchengemeinden. Außerdem ist hier eine Kindertagesstätte der Caritas untergebracht. (rei)