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02.06.2017

"Hier brennt das Feuer des Glaubens"

Bischof besuchte katholischen Bezirk Wetzlar

Bischof Georg Bätzing besuchte den katholischen Bezirk Wetzlar. Um ein Gefühl von den Entfernungen zwischen den einzelnen Kirchorten zu bekommen, trat er kräftig in die Pedale und fuhr die Lahn entlang von Wetzlar nach Dorlar. (Fotos: Bistum Limburg)

WETZLAR.- "Hier brennt das Feuer des Glaubens. Hier weht der Geist Gottes und hier geben die Gläubigen Zeugnis für Christus. Das habe ich heute bei meinem Besuch im katholischen Bezirk Wetzlar erfahren": So fasst Bischof Dr. Georg Bätzing seine Eindrücke am Ende seiner Stippvisite im nordöstlichen Teil des Bistums Limburg zusammen. Zwölf Stunden machte der Limburger Bischof am Donnerstag, 1. Juni, auf seiner Kennenlerntour durch die Diözese Halt im Bezirk Wetzlar. Dabei kam er zum Gebet und zum Gottesdienst mit den Gläubigen zusammen, lernte die Seelsorgerinnen und Seelsorger der Region kennen, traf sich im Mehrgenerationenhaus der Caritas mit den Superintendenten der beiden evangelischen Kirchenkreise, die es im Gebiet des Bezirkes gibt, und mit dem Landrat. Der Bischof fuhr mit dem Fahrrad von Wetzlar an der Lahn entlang nach Dorlar, um ein Gefühl für die Weite in der Diaspora zu bekommen, und sprach mit dem Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Anna Biebertal sowie mit dem Bezirkssynodalrat. Besonders wichtig war ihm jedoch die Begegnung mit den Gläubigen aus dem Bezirk.

Weite Wege, engagierte Ehrenamtliche und gute Ökumene

"Der Bezirk hat schon etwas Heimatliches für mich. Ich kenne den Wetzlarer Dom und die Stadt seit meiner Jugend und weiß um die gelebte Ökumene in der Region", erklärte Bätzing. Für ihn ist genau dieses ökumenische Miteinander ein Schatz. Im Gespräch mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern erfuhr der Bischof viel über die verschiedenen pastoralen Schwerpunkte in den verschiedenen Pfarreien des Bezirkes, über Einsatzorte und Professionen. Als prägend für den Bezirk Wetzlar wurden von den Hauptamtlichen die weiten Wege zwischen den verschiedenen Kirchorten, die vielen engagierten und selbstbewussten Ehrenamtlichen, die begeisterungsfähigen Jugendlichen und die guten, breiten ökumenischen Erfahrungen benannt. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger nutzten ihr Treffen mit dem Bischof auch dafür, dem Bischof ihre Fragen zu stellen. So erfuhren sie, dass sich der Bischof für einen profilierten konfessionell und kooperativen Religionsunterricht einsetzt und das Engagement der Kirche an Schulen, in der Ausbildung von Religionslehrern für unverzichtbar hält. Sie erfuhren auch, dass der Bischof bei der Weitergabe des Glaubens immer die Freiheit des Einzelnen im Zentrum steht, da der Glaube Profil brauche und immer Bekenntnis sei.

Eine ganz besondere Diasporasituation

Von Wetzlar ging es dann mit dem Fahrrad an der Lahn entlang nach Dorlar. Hier traf sich der Bischof zunächst mit dem Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Anna Biebertal. Zu dieser etwa 257 quadratkilometergroßen Pfarrei gehören insgesamt 35 Ortschaften und sechs Kirchorte, was zu einer "ganz besonderen Diasporasituation" führt. In der Pfarrei gebe es kein natürlich gewachsenes Zentrum, daher sei Mobilität von zentraler Bedeutung. Die Haupt- und Ehrenamtlichen in der Pfarrei setzen Schwerpunkte unter anderem in den Bereichen Ökumene, Erwachsenenbildung und Flüchtlingsarbeit. Der Bischof bekam auch einen Einblick in das Engagement der Pfarrei in der Familienpastoral und der Arbeit des innovativen Familienzentrums. Hier sind alle Familien, egal welcher Herkunft oder Konfession herzlich willkommen und es bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zur Mitgestaltung. "Mich beeindruckt, wie Sie hier die herausfordernde und spannende Situation der Diaspora gestalten und nach vorne schauen", lobte der Bischof.

Bezirk ist Kompetenzzentrum für Wort-Gottes-Feiern

Im Bezirk Wetzlar haben sich Haupt- und Ehrenamtliche lange mit dem Thema der Wort-Gottes-Feiern befasst. Diese besondere Gottesdienstform wird von bischöflichen Beauftragten und nicht von einem Priester geleitet. "Bereits Ende der 1970er Jahre gab es im Bezirk die ersten Ausbildungskurse zu diesem wichtigen Thema. Der Bezirk Wetzlar ist also ein Vorreiter und Kompetenzzentrum für Wort-Gottes-Feiern", erklärte Bezirksreferent Hermann Bernhard. Etwa 60 bischöfliche Beauftragte gebe es im Bezirk und aus den Gottesdienstordnungen der Pfarreien sei diese besondere Liturgieform nicht mehr wegzudenken. Genau deshalb setzte auch der Bezirkssynodalrat dieses Thema auf die Tagesordnung des Treffens mit dem Bischof und wollte eine Positionierung von ihm dazu. "Ich habe als Student selbst in meiner Heimatgemeinde Wort-Gottes-Feiern gehalten und habe wertvolle Erfahrungen damit gesammelt", erzählte der Bischof. Deshalb habe er ganz grundsätzlich keine Probleme mit dieser Gottesdienstform. Für ihn ist das gemeinsame Gebet das Fundament des Glaubens. "Wir müssen unsere Kirchen mit unserem gemeinsamen Gebet füllen. Das muss unser Ziel sein und darf nicht nur sonntags stattfinden", so der Bischof. Wo das gemeinsame Gebet versickere, versickere auch der Glaube. Für den Bischof gibt es aber auch eine unauflösliche Verbindung zwischen dem Sonntag und der Eucharistiefeier. "Bitte helfen Sie, dass dieser Zusammenhang in unseren Pfarreien bestehen bleibt", so Bischof Bätzing.

Höhepunkt der Stippvisite war das Pontifikalamt in der Pfarrkirche St. Anna in Braunfels, das der Bischof mit mehreren hundert Gläubigen feierte. In der Predigt machte er deutlich, wie wichtig es für den Glauben ist, die Erfahrung zu machen, von Gott geliebt zu werden. Wer diese Erfahrung nicht mache, dem falle es schwer, zu glauben. Es gebe dann aber häufig eine Sehnsucht, ja eine Art Heimweh nach Gott. Daher sei es wichtig, den Mut zu haben, über die "Essentials" des Glaubens zu sprechen und deutlich zu machen, dass Gott in der Welt wirkt und alle Menschen liebt. "Wir müssen auf Gottes Wirken vertrauen und uns unter das Wort Gottes stellen", sagte der Bischof. Im Evangelium stecke die wahre Perspektive. Wer aus dem Wort Gottes lebe, der setze sich für andere ein und der spreche authentisch vom Glauben. "Dann wird das Feuer des Glaubens auf andere überspringen und dann ist mir um die Kirche nicht bang", sagte der Bischof. (StS)

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