Alle Meldungen

Zeitraum wählen:

bis

29.05.2017

Diaspora als Chance

Der katholische Bezirk Wetzlar stellt sich vor

Seit der Reformation wird der Wetzlarer Dom von katholischen und evangelischen Christen gleichermaßen genutzt, Foto: B. Fischer

WETZLAR/ LIMBURG. - Die katholischen und evangelischen Infostände stehen im Wetzlarer Dom dicht beieinander. Nichts Besonderes für die Menschen vor Ort, denn die Kirche wird seit der Reformation von katholischen und evangelischen Christen gleichermaßen genutzt, aber doch bezeichnend für das Leben der Christen in der Region. "Die Ökumene spielt für uns eine große Rolle und hat eine gute Tradition", erklärt Hermann Bernhard, Bezirksreferent des katholischen Bezirks Wetzlar.

Katholiken bilden Minderheit

Wetzlar ist einer von insgesamt elf Bezirken im Bistum Limburg. Er liegt im nordöstlichen Teil der Diözese und umfasst neben der Kreisstadt Wetzlar auch ländliche Regionen von Waldsolms im Süden bis Aßlar im Norden. Hier leben knapp 28.000 Katholiken. Mit einem Anteil von etwa 15 Prozent der Bevölkerung bilden sie eine Minderheit in der evangelisch geprägten Region. Von den Katholiken vor Ort werde das Leben in der sogenannten Diaspora mit großer Offenheit angenommen, sagt Bernhard: "Ich erlebe eine sehr positive Grundeinstellung und ein starkes Selbstbewusstsein bei den Menschen - gerade auch bei den ehrenamtlich Engagierten."

Chance für neue Wege

In der Diaspora sind viele Entwicklungen, mit denen sich die katholische Kirche derzeit auseinandersetzen muss, bereits angekommen, von sinkenden Mitgliederzahlen bis zu größeren räumlichen Entfernungen. Eine Chance, schon früh nach neuen Wegen zu suchen, findet Bernhard. "Seit Jeher liegen im Bezirk große Entfernungen zwischen den einzelnen Gottesdienstorten. Deshalb gibt es schon seit etwa 30 Jahren Gottesdienstbeauftagte. Das sind vom Bischof beauftragte Laien, die sonntags Wortgottesdienste leiten können." Auch Kooperationen über Pfarreigrenzen hinweg sind schon lange gängige Praxis. Ein Umstand, der die Umstrukturierung von zuvor 16 Kirchengemeinden auf mittlerweile drei sogenannte Pfarreien neuen Typs, erleichtert hat.

Religiöses Zuhause in der Dorfkirche

"Die Gottesdienstgemeinden stellen keinen großen Unterschied zu früher fest", sagt Bernhard und betont gleichzeitig die historisch bedingte Verbundenheit der Menschen zur Kirche vor Ort. Ein Großteil der Katholiken sei als Heimatvertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg in den Bezirk gekommen und habe sich dort auch ein neues religiöses Zuhause geschaffen. "Die meisten katholischen Kirchengebäude im Bezirk sind in der Nachkriegszeit gebaut worden. Die Menschen haben sich ihre Kirche wortwörtlich vom Munde abgespart und oft auch selbst beim Bau geholfen", erläutert der Bezirksreferent die enge Bindung an die Dorfkirche.

Starkes ehrenamtliches Engagement

Ehrenamtliches Engagement hat auch heute noch eine große Bedeutung im Bezirk Wetzlar. An den Wochenenden beispielsweise haben sich katholische und evangelische Engagierte zusammengetan und stehen den Touristen im Dom als Ansprechpartner zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützen Ehrenamtliche Projekte in der Altenarbeit, wie eine Theatergruppe für Frauen ab 60 Jahren, Fußwallfahrten, Theologische Gespräche und einen katholischen Wortgottesdienst, der einmal im Monat von ausgebildeten Gottesdienstbeauftragten in den Alten- und Pflegeheimen in Wetzlar angeboten wird.

Dienste und Einrichtungen tragen katholisches Leben

Getragen wird das katholische Leben ganz maßgeblich auch von den vielen Diensten und Einrichtungen im Bezirk, wie etwa der Katholischen Erwachsenenbildung, der Fachstelle für Jugendarbeit und dem Bezirkscaritasverband. Mit Angeboten wie dem Mehrgenerationenhaus und dem Quartiersmanagement in Wetzlar-Dalheim unterstützt die Caritas vielfältige Projekte in der Stadtteilarbeit. Einiges zu entdecken gibt es also für Bischof Dr. Georg Bätzing, der am Donnerstag, 1. Juni, in den Bezirk kommt. Bei so viel Vielfalt gibt es für Bezirksreferent Hermann Bernhard nicht nur eine einzelne Sache, die er dem Bischof von Limburg mitgeben möchte. "Bischof Georg soll die Chance haben, uns kennenzulernen", wünscht Bernhard sich. Die Chancen dafür stehen gut: Der Besuch startet um 8.30 Uhr mit einem Morgenlob im ökumenisch genutzten Wetzlarer Dom. (bf)


Foto