Kategorien &
Plattformen
Filme als Kampfansage gegen Rechts
Filme als Kampfansage gegen Rechts
© Bistum Limburg/Reichwein

Filme als Kampfansage gegen Rechts

Gute Filme können Werte und Wahrheiten vermitteln und damit Ängste überwinden und Brücken bauen. Davon ist die Drehbuchautorin und Dramaturgin Dr. Gabriela Sperl überzeugt. In ihrem Festvortrag zur Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit am Sonntag, 11. März, im hessischen Landtag hielt sie ein entschiedenes Plädoyer dafür, den aktuellen Tendenzen von Angstmache, Fremdenfeindlichkeit, Ressentiments und Antisemitismus durch Wissen und Bildung Einhalt zu gebieten. Filme erreichten Menschen emotional, stellten Empathie her und leiteten einen Dialog ein. Politik und Medien müssten die anstehenden großen sozialen Verwerfungen offener kommunizieren, forderte die renommierte Produzentin von  Fernsehfilmen wie „Tannbach“ oder „Mitten in Deutschland: NSU“.

Von dem grassierenden Gefühl von Verunsicherung und Bedrohung hatte in ihrer Begrüßungsansprache auch die Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Wiesbaden (GCJZ), Mechthild Kratz gesprochen. Rechte Parteien nützten diese Stimmungslage aus, um Hass zu schüren gegen Juden, Muslime, Fremde. Die Medien müssten zu Aufklärung und Wissensvermittlung beitragen, auch in Formaten wie Theater, Literatur und Film. Dass rechtes Gedankengut zunehmend Anklang in der Bevölkerung finde, darauf verwiesen in ihren Grußworten auch der Vizepräsident des Hessischen Landtags, Wolfgang Greilich und die Stadtverordnetenvorsteherin.  Angesichts von Populismus, Rassismus und offenem Antisemitismus „haben wir in Deutschland allen Grund, darüber entsetzt und beschämt zu sein“, sagte Christa Gabriel, die energisch dazu aufrief, „dieser unseligen Entwicklung etwas entgegen zu stellen“.

Das Jahresthema der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit – „Angst überwinden – Brücken bauen“ - thematisierte in seinem Grußwort der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden, Dr. Jacob Gutmark. Er sprach dabei von einer Ambivalenz beim Brückenbauen zwischen Euphorie und Angst. Auch der stellvertretende Stadtdekan Pfarrer Stephan Gras griff das Bild mit Blick auf den Papst als „größtmöglichen Brückenbauer“ auf. Wo Brücken fehlten, würden sich Menschen fremd, warnte er und hob das Verbindende zwischen den Christen in der Landeshauptstadt und der Jüdischen Gemeinde hervor: „Das ist weit mehr als das, was uns trennt“. Abschließend wünschte er allen Menschen den Mut, beharrlich Unterschiede auszugleichen, statt auf ihnen zu beharren.

Sperl stellte in ihrer Ansprache auch das Spielfilmprojekt „Love, Europe“ vor, das sie als „Kampfansage“ gegen rechts motivierte europakritische Tendenzen versteht. Zwei der jungen Nachwuchstalente, die sie dafür europaweit geworben hat, waren in Wiesbaden mit dabei. Filme seien universell verständlich, sie könnten „Hoffnung geben und Herzen öffnen“, sagte Alex Schaadt. Der bereits mehrfach ausgezeichnete Nachwuchsregisseur, in Kasachstan geboren und in Deutschland aufgewachsen, führte in einem kurzen Filmausschnitt aus „Love, Europe“ vor, wie und dass das gelingen kann. Die zweiminütige Sequenz über seinen Großvater, der die ausgewanderte Familie besucht und angesichts des Überflusses im Supermarkt in Tränen ausbricht, berührte das Publikum und geriet zum eindrucksvollen Schlusspunkt der Veranstaltung.

Die Woche der Brüderlichkeit wird am Dienstag, 13. März, mit einem Vortrag von Professor Dr. Johannes Heil, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, fortgesetzt. Er spricht im Haus an der Marktkirche (Schlossplatz 4) zum Thema „Angst vor dem Anderen überwinden“. (19.30 Uhr). Am Donnerstag, 15. März, folgt der Abend der Begegnung in der Jüdischen Gemeinde. Anmeldungen und Informationen unter gcjz-wiesbaden@bistumt-onlinelimburg.de, Telefon: 0611-73424221. Das traditionelle besondere Konzert zum Abschluss wird am Sonntag, 18. März, um 16 Uhr im Roncalli-Haus (Friedrichstraße 24-26) ausgerichtet. Es spielt das Ensemble Lumaka aus Amsterdam Kompositionen des frühen 19. Jahrhunderts für Geige, Flöte und Harfe.

© Bistum Limburg/Reichwein
© Bistum Limburg/Reichwein
© Bistum Limburg/Reichwein