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31.08.2012

Die Kirchensteuer

Informationen und Hintergründe aus dem Bistum

Die Kirchensteuer - gerechtes System, das sich seit vielen Jahren bewährt

Die Kirchensteuer geht auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, als die Kirche enteignet wurde. Ihre Güter fielen dem Staat zu, der sich daraufhin verpflichtete, für die Finanzierung der Kirche aufzukommen. Als die kirchlichen Aufgaben zunahmen und die Gelder des Staates knapper wurden, schuf er schließlich - zunächst gegen den Widerstand der Kirche - die Kirchensteuer. Erstmals gesetzlich verankert wurde die Abgabe in der Weimarer Reichsverfassung im Jahr 1919. Das heißt auch, dass die Kirche ohne staatliche Einflussnahme über die Verwendung der Steuergelder entscheiden kann. Die Kirchensteuer ist somit ein wichtiges Ergebnis des Trennungsprozesses von Kirche und Staat und ein bedeutender Bestandteil der kirchlichen Freiheit.

Seit ihrer Einführung hat sich die Kirchensteuer als gerechtes System bewährt. Sie wird auf Basis der staatlichen Lohn- und Einkommensteuer ermittelt und berücksichtigt damit die finanzielle Leistungsfähigkeit des Einzelnen. Im Bistum Limburg beträgt die Kirchensteuer 9 Prozent der staatlichen Lohn- und Einkommensteuer. Beträgt diese Steuer beispielsweise 1.000 Euro, werden 90 Euro Kirchensteuer einbehalten. Für die Ermittlung der Kirchensteuer wird beim zu versteuernden Einkommen ein Freibetrag pro Kind und Jahr abgezogen. Die Kirchensteuer mindert allerdings als abzugsfähige Sonderausgabe die staatliche Steuerlast. Wer wenig oder gar keine staatliche Lohn- und Einkommensteuer zahlt, muss auch wenig oder keine Kirchensteuer entrichten. Die Höhe der Kirchensteuer des Einzelnen, hat für seine Stellung in der Kirche keine Bedeutung.

Die Kirchensteuer - wichtigste Einnahmequelle des Bistums Limburg

Das Bistum Limburg verfügt im Jahr 2012 über ein Budget von 200,2 Millionen Euro. Der größte Anteil von 167,1 Millionen Euro (83,5 Prozent) stammt aus der Kirchensteuer.

Weitere Erträge in Höhe von 15,0 Millionen Euro (7,5 Prozent) ergeben sich unter anderem. aus Erstattungen (etwa für Personalaufwendungen von Religionslehrern), Teilnehmergebühren aus Veranstaltungen und Benutzungsentgelten in den Jugend- und Tagungshäusern des Bistums. Zweckgebundene Erträge, vor allem zur Finanzierung von Altersversorgungsansprüchen und weltkirchlichen Projekten, schlagen mit 9 Millionen Euro (4,5 Prozent) zu Buche. An verfassungsmäßigen Staatsleistungen der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz erhält das Bistum Limburg 3,3 Millionen Euro (1,6 Prozent). Zahlreiche weitere Einzelposten (etwa projekt- und einrichtungsbezogene kirchliche und öffentliche Zuschüsse, Spenden, etc.) summieren sich auf 5,9 Millionen Euro (2,9 Prozent).

Die Kirchensteuer - verantwortlicher Umgang mit den Beiträgen der Gläubigen

Bei der Kirchensteuer handelt es sich um die Beiträge der Gläubigen zur Finanzierung der Kirche im Bistum Limburg. Das verpflichtet die Verantwortlichen zu einem sorgsamen und ausgewogenen Umgang mit den anvertrauten Mitteln.

Die Entscheidung über die Verwendung der Kirchensteuer obliegt im Übrigen nicht dem Bischof, dem Generalvikar oder dem Finanzdezernenten. Über die Verwendung der Gelder entscheidet der Diözesankirchensteuerrat - ein synodales Gremium des Bistums Limburg mit weitreichenden Befugnissen. Dem Diözesankirchensteuerrat gehören insgesamt 18 Mitglieder an - davon üben 13 Personen ihr Mandat ehrenamtlich aus.

 

Das kirchliche Leben in der Diözese ist vielfältig. Exemplarisch wird nun aufgezeigt für welche Bereiche, die im Jahr 2012 verfügbaren Kirchensteuern von 167,1 Millionen Euro verwendet werden:

  • Seelsorge in den Gemeinden: 93,2 Millionen Euro bzw. 55,7 Prozent des Kirchensteueraufkommens

 

Kirche lebt und entfaltet sich vor allem vor Ort - dort ist sie den Menschen in allen Stationen ihres Lebens besonders nah. Deshalb ist es richtig, dass der größte Teil der Kirchensteuermittel den Gemeinden zu Gute kommt. Seelsorge, Glaubensverkündigung, soziale Dienste und die Unterstützung von zahlreichen Ehrenamtlichen werden von Priestern, Diakonen und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragen, die im Dienst des Bistums stehen.

Daneben zahlt das Bistum den Kirchengemeinden nach einem gerechten System Zuschüsse zur Finanzierung der Seelsorge vor Ort und des Pfarrbüros, für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im liturgischen und technischen Bereich, zur Bewirtschaftung und zum baulichen Unterhalt von Kirchen, Gemeinderäumen und Pfarrhäusern. Auch größere Bau- und Instandsetzungsmaßnahmen werden nach festen Kriterien gewährt. Ein wichtiger Teilbereich sind die Tageseinrichtungen für Kinder in Trägerschaft der Kirchengemeinden, für die das Bistum den Trägeranteil entrichtet.

Im Bistum Limburg bestehen zahlreiche Gemeinden von Katholiken anderer Muttersprache. Sie machen ein gutes Stück Weltkirche im Bistum erfahrbar und leisten einen wichtigen Beitrag zum kirchlichen Leben in der Diözese.

  • Zentrale Aufgaben, Verwaltung und synodale Arbeit: 17 Millionen Euro bzw. 10,2 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Zahlreiche zentrale Aufgaben sind hier zusammengefasst, etwa der gesamte Instandhaltungsaufwand der diözesanen Immobilien - vom Verwaltungsgebäude bis zum Tagungshaus. Ebenso sind die Abschreibungen auf das Sachanlagevermögen - vor allem auf die Gebäude des Bistums, aber auch auf Büroeinrichtungen und EDV-Anlagen - berücksichtigt. Weitere zentrale Aufgaben betreffen das gesamte Versicherungswesen - auch für die Kirchengemeinden - sowie eine zentrale Materialbeschaffung.

Auch in der Kirche geht es nicht ohne Verwaltung. So braucht es neben der Personal-, Finanz-, Liegenschafts- und Bauverwaltung des Bistums auch der Abdeckung wichtiger zentraler Erfordernisse, u. a. in der Rechtsabteilung, im Diözesangericht, in der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, in der Internen Revision, im Archiv und in der Bibliothek. Viele dieser Bereiche stellen ihre Fachkompetenz auch den Kirchengemeinden und anderen kirchlichen Einrichtungen zur Verfügung - sei es durch Beratung oder im Rahmen von Genehmigungspflichten.

Daneben sind hier die Aufwendungen für die Leitung des Bistums, jeweils der Anteil des Bistums Limburg an den Kosten der Vertretungen der Diözesen bei den Landesregierungen von Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die synodalen Aufgaben enthalten.

  • Soziale Aufgaben: 13,9 Millionen Euro bzw. 8,3 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Die Caritas gehört in besonderer Weise zum Wesen der Katholischen Kirche. Sie versteht sich als Anwalt Benachteiligter und steht Menschen in besonderen Lebenslagen bei. Deshalb fließt ein wesentlicher Anteil der Kirchensteuer an den Caritasverband für die Diözese Limburg e. V. und die regionalen Caritasverbände, die diese Gelder vornehmlich für zahlreiche Beratungsstellen und Hilfsangebote einsetzen. Daneben beteiligt sich das Bistum Limburg jährlich an der Finanzierung weiterer Sozialverbände.

  • Schule und Bildung: 10,1 Millionen Euro bzw. 6,1 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Schule und Bildung sind wichtiger denn je. Das Bistum Limburg finanziert zahlreiche Bildungseinrichtungen, unter anderem als Träger der St. Hildegard-Schulgesellschaft mbH, die fünf katholische Schulen unterhält. Daneben bestehen zahlreiche weitere Bildungsangebote, von der Katholischen Akademie Rabanus Maurus im Frankfurter Haus am Dom über die Katholische Erwachsenenbildung bis zur Unterstützung von Verbänden.

Ein weiterer wichtiger Bereich betrifft die Aus- und Weiterbildung der Geistlichen, pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und weiteren Angestellten. So engagiert sich das Bistum Limburg gemeinsam mit anderen Diözesen u. a. in der Finanzierung der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen und der Kath. Hochschule Mainz. Des Weiteren macht sich das Bistum Limburg in unterschiedlicher Weise für den konfessionellen Religionsunterricht stark.

  • Überdiözesane Aufgaben und Weltkirche: 8,5 Millionen Euro bzw. 5,1 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Kirchliche Verantwortung über die einzelne Ortskirche hinaus - "Katholisch" heißt "allgemein, die Erde umfassend". Zum Einen sorgt ein Solidarsystem für einen Ausgleich zwischen Diözesen in Ost und West - das Bistum Limburg zahlt in diesen Finanzausgleich ein. Daneben können manche Aufgaben, die nur im Verbund wahrgenommen werden können. Deshalb zahlen alle (Erz-) Diözesen in der Bundesrepublik Deutschland in den Haushalt des Verbandes der Diözesen Deutschlands ein - mehr als die Hälfte des Verbandshaushaltes fließt in die Entwicklungs- und Sozialarbeit in allen Teilen der Erde.

Das Bistum Limburg hat selbst und unabhängig eine lange weltkirchliche Tradition und pflegt intensiven Kontakt zu Diözesen in aller Welt. Aus Mitteln der Diözese werden Projekte in den Partnerbistümern und anderen kirchlichen Einrichtungen gefördert. Ziel dieses Engagements ist es, zu einer gerechteren Welt beizutragen, in der Menschen dieselben Lebens- und Entwicklungschancen haben, unabhängig davon, ob sie in Manila, Kumbo oder Limburg leben.

  • Kinder-, Jugend- und Familienarbeit: 6,7 Millionen Euro bzw. 4 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Kinder- Jugend- und Familienarbeit hat eine wesentliche Bedeutung. Die zahlreichen Einrichtungen und Fachstellen des Bistums entwickeln Angebote für Menschen in allen Lebensphasen. Sie reichen von der Jugendkirche über die Familienbildungsstätte und die Jugend- und Tagungshäuser als wichtige Versammlungsorte des Bistums bis hin zum Referat "3. und 4. Lebensalter". Daneben werden die Ministrantenarbeit und die Jugendverbände ebenso unterstützt wie Freiwilligendienste im freiwilligen sozialen Jahr, im Bundesfreiwilligendienst oder im internationalen Freiwilligendienst.

Daneben sind hier die inhaltliche Unterstützung und Qualitätssicherung der Tageseinrichtungen für Kinder sowie verschiedene Beratungsangebote angesiedelt.

  • Seelsorge in besonderen Situationen, überpfarrliche Seelsorge, Bezirke: 6,7 Millionen Euro bzw. 4 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Viele kirchliche Angebote und Aktivitäten sprengen die Grenzen der einzelnen Pfarrei. Die Kirche ist nahe bei den Menschen in ihren ganz besonderen Lebenssituationen - in Krankenhäusern und Altenheimen, am Flughafen und in der Hochschule oder in der Justizvollzugsanstalt. Diözesane Wallfahrten machen die Freude am Glauben in großer Gemeinschaft erfahrbar.

Die Lebenswirklichkeit der Menschen ändert sich - darauf muss auch die Kirche reagieren. Es bedarf einer Vertiefung des Glaubens und eines Lebens aus Gebet und Gemeinschaft heraus. Deshalb wurde im Bistum Limburg das Bischof-Blum-Kolleg als Schule des Glaubens, des Gebets und der Gemeinschaft gegründet.

  • Verwaltungsgebühren für den Kirchensteuereinzug: 5 Millionen Euro bzw. 3 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Die Kirchensteuer wird durch den Staat eingezogen - dafür erheben die Bundesländer eine Verwaltungsgebühr zwischen 3 Prozent und 4 Prozent des Aufkommens aus der Kirchenlohn- und -einkommensteuer. Müsste die Kirche eigene Ressourcen zum Einzug der Kirchensteuer unterhalten, würde dies zu wesentlich höheren Kosten führen.

  • Liturgie, Kirchenmusik, Museen, Kunst: 3,4 Millionen Euro bzw. 2 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Die Kirche lebt vor allem auch aus der Liturgie; die Kirchenmusik ist dabei ein ganz wesentliches Element. So werden aus Kirchensteuermitteln unter anderem hauptamtliche Kirchenmusiker/innen in den Bezirken, das Referat Kirchenmusik sowie die Limburger Domsingknaben finanziert.

Auch muss das Bistum seiner Verantwortung in Kunst und Kultur nachkommen. Dies geschieht unter anderem durch die Trägerschaft des Limburger Diözesanmuseums und die Mitfinanzierung des Frankfurter Dommuseums. Auch der Erhalt und die Pflege von Kulturgütern aus vergangenen Tagen bedarf einer angemessenen Berücksichtigung.

  • Sonstige Bereiche: 2,6 Millionen Euro bzw. 1,6 Prozent des Kirchensteueraufkommens

Verantwortlicher Umgang mit Kirchensteuern zeigt sich auch in der Vorsorge. So wird im Jahr 2012 ein Teilbetrag der Kirchensteuer den Rücklagen zugeführt werden können.

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