FRANKFURT.- Der Trauer Raum und Zeit geben, Trost spenden, aber auch einen Weg zeigen, der zur Hoffnung führt. Seit zwei Jahren bereits versucht das Zentrum für Trauerseelsorge St. Michael im Frankfurter Nordend diesen Auftrag zu erfüllen. Am Hochfest Allerheiligen, 1. November, nun konnte die Profilkirche, die dritte in Frankfurt nach der Jugendkirche Jona und dem Meditationszentrum Heiligkreuz, offiziell eröffnet werden. Der Limburger Weihbischof Dr. Thomas Löhr feierte dazu einen Festgottesdienst mit dem Leiter des Zentrums, Pfarrer Joachim Metzner, und dem Frankfurter Stadtdekan Michael Metzler und weihte im Anschluss die neu gestalteten Räume.
Weihbischof Löhr verwies darauf, dass Tod und Trauer immer mehr zum Tabu werden: „Trauer verschwindet aus der Gesellschaft, aus den Familien.“ Aus der Kirche dürfe sie nicht verschwinden, denn die Seelsorge für Trauernde sei eine zentrale Aufgabe der Kirche. Das Christentum sei keineswegs die Lehre vom geglückten Leben, im Mittelpunkt stehe vielmehr die Botschaft von Tod und Auferstehung. Die Kirche als Hüterin des Lebens habe auch einen Ort für die Erinnerung an den Tod zu bieten. So solle St. Michael ein Ort des Schmerzes und der Erinnerung sein, zugleich aber eine Geburtsstätte der Hoffnung, ein Erfahrungsraum für liebende Zuwendung, unterstrich der Weihbischof.
Trauerarbeit leisten auf einem Weg, der zur Hoffnung führt, das ist auch nach den Worten von Stadtdekan Metzler vordringliche Aufgabe des neuen Trauerzentrums. Zugleich betonte er, die Arbeit des Zentrums werde nicht die Trauerseelsorge in den katholischen Gemeinden ersetzen, sondern ergänzen und unterstützen.
Die Kirche St. Michael ist einer der bedeutendsten Kirchenbauten der Nachkriegszeit in Deutschland. Sie wurde von dem bekannten Architekten Rudolf Schwarz (1897-1961) vor 55 Jahren gebaut. Er entwarf einen architektonisch interessanten ellipsenförmigen Baukörper, in dem er eigener Aussage zufolge eine Wanderung durch die Schweizer Aareschlucht verarbeitet hat, die ihn und seine Frau Maria aus der Enge zum Licht führte. Charakteristisch für den kargen, von Betonstreben gegliederten Klinkerbau ist der kleeblattförmige Grundriss. Viele Symbole deuten darin auf die Auferstehungshoffnung der Christen hin. Auch der neu gestaltete Taufbereich soll verdeutlichen, dass das menschliche Leben nicht allein von Geburt und Tod begrenzt wird, sondern Taufe und Auferstehung das christliche Fundament sind. Die Witwe des Architekten, Maria Schwarz, hatte die Umgestaltung der einstigen Pfarrkirche zum Trauerzentrum eng begleitet und zeigte sich bei der Eröffnungsfeier an Allerheiligen erfreut, dass diese Kirche nun so eindeutig den „Weg des Lebens“ nachzeichne, den auch ihr Mann in der Architektur habe umsetzen wollen.
Das Zentrum für Trauerseelsorge St. Michael wurde in den letzten Amtstagen des früheren Limburger Bischofs Franz Kamphaus gegründet. Ihm galt dafür der ausdrückliche Dank an diesem Allerheiligenfest. Das Zentrum ist eine Einrichtung des Bistums Limburg für die Stadtkirche Frankfurt. Der Gesamtverband katholischer Kirchengemeinden hat die Trägerschaft übernommen. Pfarrer Joachim Metzner CO und Sr. Monika Uecker CJ stehen als Ansprechpartner für Trauernde zur Verfügung. Nach dem Umbau des Gemeindezentrums verfügen sie nun über je zwei Gesprächszimmer und Seminarräume, einen Saal mit Küche, einen Abschiedsraum und ein Büro. Sie bieten Gottesdienste mit Totengedenken, ein Trauercafé, Gesprächsgruppen, Vorträge und Seminare rund um die Themen, Alter, Sterben und Tod an. Auch Ausstellungen oder Informationen über neue Wege der Grabmalgestaltung gehören zum Programm.
Informationen auch im Internet unter www.trauerseelsorge.bistumlimburg.de

